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Stadtgeschichte
Das Topereignis in Sonnewalde

Hans-Georg Brunk von der Sonnewalder Schützengilde verweist auf die verwitterten Platten, wo viele Namen der Gefallenen im Ersten Weltkrieg nicht mehr zu erkennen sind.
Hans-Georg Brunk von der Sonnewalder Schützengilde verweist auf die verwitterten Platten, wo viele Namen der Gefallenen im Ersten Weltkrieg nicht mehr zu erkennen sind. FOTO: Dieter Babbe
Sonnewalde. Die Erinnerung an die Kriegstoten am Kriegerdenkmal verblasst, Heft 17 der „Sonnewalder Heimatblätter“ bringt die Geschichte in die Gegenwart. Der Kalender begibt sich auch auf eine spannende Spurensuche. Von Dieter Babbe

Es ist das Topereignis, das dem Niederlausitzer Anzeiger in seiner Ausgabe vom 21. August 1900 eine Doppelseite wert ist: Zwei Tage zuvor, an einem Sonntag, hat Sonnewalde „alles aufgeboten, was in seinen Kräften steht“. Eine Besucherschar strömt in die Stadt, „wie sie Sonnewalde bisher noch nicht in seinen Mauern zu beherbergen hatte“. Was ist passiert? In Sonnewalde ist ein großes, prunkvolles Kriegerdenkmal eingeweiht worden - mitten auf dem Marktplatz und neben der Kirche. Weil große Linden gefällt werden mussten ein damals höchst umstrittener Platz. Bei der Einweihung verspricht der Bürgermeister, die Stadt werde „allzeit ein treuer Hüter und Pfleger“ des Denkmals zu sein.

 Und heute? Nach 117 Jahren bröckelt der Sockel, auf dem die Stele mit dem großen Adler ruht. Mauersteine lösen sich. Auf den später angebrachten Tafeln sind die Namen der Gefallenen im 1. Weltkrieg stellenweise unleserlich geworden. Die Schützengilde der Stadt, insbesondere das Gildemitglied Hans-Georg Brunk, kämpft darum, die Gedenkstätte für die Gefallenen in den Kriegen als Mahnmal zu erhalten - doch Sonnewalde hat kein Geld.

 Die ganze Geschichte um das Sonnewalder Kriegerdenkmal steht in der jüngsten Ausgabe der „Sonnewalder Heimatblätter“, die in dieser Woche zum 17. Mal erscheinen. Hier wird ebenso von den vielen Zeckeriner Ziegeleien berichtet, wie von der berühmten Sonnewalder Orgelbauerfamilie Claunigk, von der kleinen Dorfkirche in Schönewalde, von den Erinnerungen des Grafen Solms wie von Philipp Melanchthon, der sogar in Sonnewalde war, und von den Auerhühnern, die es in der Umgebung wieder gibt. Der Kalender ist erstmals den Berliner Kunstwerken mit unschätzbarem Wert auf der Spur, die den Zweiten Weltkrieg im Sonnewalder Schloss zwar überlebt haben, seit dem aber weitgehend verschwunden sind.

Und auch das macht Heft 17 der „Sonnewalder Heimatblätter“ zu etwas Besonderem: Konrad Ziegler, seit Jahrzehnten Ortschronist der Stadt, hat auch mit 90 Jahren und am Rollstuhl gefesselt – unterstützt von seinem Enkel Martin – wie immer die Redaktion dieser Ausgabe übernommen. In zwei Beiträgen, dem Vor- und dem Nachwort, hat sich Konrad Ziegler von seinem Freund und eifrigsten Mitgestalter der 17 „Sonnewalder Heimatblätter“, die seit 2001 erscheinen, verabschiedet. Hartmut Kieburg, der „beste Kenner der Sonnewalder Stadtgeschichte“, wie Ziegler würdigt, ist im April dieses Jahres im Alter von 83 Jahren gestorben. Konrad Ziegler arbeitet bereits an der 18. Ausgabe der „Sonnewalder Heimatblätter“.

Heft 17 ist druckfrisch erstmals zum Sonnewalder Weihnachtsmarkt am kommenden Sonntag,3. Dezember, und danach im Zeitungsladen am Markplatz erhältlich.