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| 17:05 Uhr

Ich kaufe regional
Das rollende Geschäft auf dem Land

Im Verkaufswagen der Fleischerei Röhnert ist in den Mittagsstunden Schichtwechsel angesagt. Kathleen Wendland (l.) übernimmt von Jessica Petry. Ware wird aufgefüllt und dann rollt der Wagen auch schon wieder los.
Im Verkaufswagen der Fleischerei Röhnert ist in den Mittagsstunden Schichtwechsel angesagt. Kathleen Wendland (l.) übernimmt von Jessica Petry. Ware wird aufgefüllt und dann rollt der Wagen auch schon wieder los. FOTO: Heike Lehmann
Doberlug-Kirchhain . Die „rollenden Händler“ sind für ältere Bewohner auf dem Lande mehr als nur eine Möglichkeit zum Einkaufen. Wenn Bäcker, Fleischer oder Stop & Shop ins Dorf kommen, trifft man sich auch zum Schwätzchen – wie früher im Dorfkonsum. Von Heike Lehmann

Etwas mehr als 200 Einwohner hat Prießen, Ortsteil von Doberlug-Kirchhain. Die nächste Einkaufsgelegenheit ist in der etwa zwölf Kilometer entfernten Stadt. „Wenn Prießener was brauchen, fahren sie ins Einkaufszentrum nach Doberlug-Kirchhain“, sagt die Ortsvorsteherin Anett Skobowsky. Jenen, die aus Altersgründen oder krankheitsbedingt nicht mobil sind, helfen die jeweiligen Familien und Kinder. Und dann kommen ja auch die Einkaufswagen ins Dorf – die Bäcker, die Fleischer und der Stop & Shop. Ein Dorf weiter, in Buchhain, gibt es auch schon lange keinen Dorfkonsum mehr. Ein Problem? Nicht wirklich. Mehrere Bäcker und Fleischer sowie der rollende Lebensmittelladen steuern das Dorf in der Woche an, sagt Ortsvorsteherin Birgit Springer.

Seit zehn Jahren ist die Fleischerei Röhnert mit Verkaufswagen unterwegs. „Ein weiteres Standbein neben unseren drei Filialen in Finsterwalde, Sonnewalde und auf dem Kirchhainer Markt“, sagt Mathias Röhnert, der den nahezu konstanten Umsatz im ländlichen Raum nicht missen möchte. „Unsere Kundschaft wird immer älter und wenn sie nicht mehr zu uns kommen kann, fahren wir eben zu ihnen raus“, sagt er. Dabei ändere sich das Kaufverhalten auch bei  der Supermarktgeneration zunehmend, habe er beobachtet. „Man setzt wieder mehr auf frische Ware, direkt vom Fleischer.“

Wenn Röhnerts mit ihrem kompletten Sortiment an Bord übers Land fahren, dann bis zum Mittag meist parallel mit der Bäckerei Mammitzsch, gleichfalls aus Doberlug-Kirchhain. „Das hat sich bewährt“, weiß Mathias Röhnert. Bis zu drei Fahrzeuge hatte die Fleischerei mal im Einsatz. Aus verschiedenen Gründen hat sich das auf ein Auto reduziert. Das aber ist jetzt etwa 75 Stunden in der Woche auf Achse, fährt täglich eine andere Tour. Dabei geht es unter anderem  nach Stechau, Staupitz, Hohenbucko, Dahme, Walddrehna, Trebbus, Tröbitz, Oelsig, Schilda, Sallgast Annahütte, Lichterfeld, Zeckerin, Wehnsdorf, Domsdorf und Thalberg. Morgens um 6.30 Uhr wird das Auto beladen. 7.30 Uhr ist Abfahrt. Mittags ist Schichtwechsel. „Wir machen auch Stop am Pflegeheim in Kirchhain. Dort ist es wie auf den Dörfern. Wir werden erwartet, gehören irgendwie zum Tagesprogramm und sind eine Abwechslung. Außerdem trifft man sich am Verkaufsstand wie früher im Dorfkonsum, um auch eine Runde zu schnacken“, erzählt der Chef, der selbst mal eine Zeitlang mit dem Verkaufsmobil übers Land gefahren ist.

Verkäuferin Jessica Petry ist gerade mit dem Verkaufswagen auf den Hof gefahren. „Jetzt wird saubergemacht, das Sortiment aufgefüllt und Strom aufgeladen – Licht, Aufschnittmaschine, Kasse, das muss ja alles funktionieren. Wir haben aber auf dem Dach auch noch ein paar Solarpaneele“, erklärt der Chef. Von Jessica Petry übernimmt dann Kathleen Wendland. Im November ist sie 23 Jahre bei Röhnerts als Verkäuferin angestellt. Nachdem sie ein paar Mal eingesprungen war, fährt sie seit September 2017 regelmäßig mit dem Verkaufswagen. „Das ist nicht selbstverständlich. Nicht jede traut sich zu, damit zu fahren. Deshalb suchen wir auch noch eine Mitarbeiterin speziell für den Verkaufswagen“, sagt Mathias Röhnert.

Ich kaufe regional 4c
Ich kaufe regional 4c FOTO: LR
In Kolochau warten schon die ersten Kunden, als der Verkaufswagen der Fleischerei Röhnert vorfährt.
In Kolochau warten schon die ersten Kunden, als der Verkaufswagen der Fleischerei Röhnert vorfährt. FOTO: Dieter Müller