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| 01:36 Uhr

Das „persönliche Troja“ in Doberlug-Kirchhain gefunden

Mit originaler bronzezeitlicher Keramik illustrierte Ralf Uschner den Vortrag der Archäologin Margret Sloan (r.) im Kreismuseum Bad Liebenwerda.
Mit originaler bronzezeitlicher Keramik illustrierte Ralf Uschner den Vortrag der Archäologin Margret Sloan (r.) im Kreismuseum Bad Liebenwerda. FOTO: Karsten Bär
Bad Liebenwerda. Was bei Grabungen am Bahnhof in Doberlug-Kirchhain ans Tageslicht kam, darüber informierte vor kurzem die Archäologin Margret Sloan im Bad Liebenwerdaer Kreismuseum. Die Veranstaltung fand innerhalb der regelmäßigen Vortragsreihe statt. Von Karsten bär

Den Toten war keine lange Ruhe vergönnt. Noch in antiker Zeit machten sich Grabräuber auf der Begräbnisstätte zu schaffen. Vor allem die gut sichtbaren Steinkistengräber wurden aufgebrochen. Abgesehen hatten es die Räuber auf die Grabbeigaben: Sie stahlen Bronzegegenstände wie Finger- und Armringe, die mit dem Leichenbrand in Urnen deponiert waren. Was heute als schlichte Beute erscheint, war damals wertvoll wie ein Schatz – denn gegen Ende der Bronzezeit wurde der Rohstoff zusehends knapp.

Persönliches Troja gefunden
Deutliche Spuren der Grabräubereien hat Margret Sloan finden können, als sie Ende 2006 einen Teil des bronzezeitlichen Gräberfelds der Lausitzer Kultur in der Nähe des Bahnhofs von Doberlug-Kirchhain archäologisch untersuchte. „Von vielen Seiten wurde erwartet, dass hier nicht mehr viel zu entdecken sei“ , erzählte die Mitarbeiterin der Stolzenhainer Grabungsfirma „Archäologie und Geophysik“ während ihres Vortrages im Kreismuseum Bad Liebenwerda. „Aber ich habe hier mein persönliches Troja gefunden.“
Insgesamt 64 Grablegungen entdeckte die siebenköpfige Grabungsmannschaft, die von Margret Sloan geleitet wurde, im Rahmen der baubegleitenden Untersuchung. Wäschekorbweise habe man bronzezeitliche Keramik aus dem Boden geholt, darunter auch sogenannte Buckelurnen, bei denen die Wände buckelartig hervorgehoben sind, womit aus Sicht von Wissenschaftlern weibliche Körperattribute dargestellt werden sollen.
Mehrere Typen von Grablegungen stellte Margret Sloan fest: Von der einfach vergrabenen Urne bis hin zum sogenannten Steinkistengrab. In der Keramik: Knochenreste, Leichenbrand und kleinere Bronzegegenstände. Die Funde sind in die Zeit 1000 v. Chr. zu datieren, die Gräber legte man über einen Zeitraum von etwa 200 Jahren an. Vier der Gräber waren nachweislich bereits zur Bronzezeit aufgebrochen worden.
Doch auch spätere Störungen sind erkennbar. „Einige wurden im Mittelalter vermutlich von den Mönchen des Klosters Dobrilugk zerstört, die etwas gegen die heidnischen Steingräber hatten“ , glaubt die Archäologin. Auch moderne Beeinflussungen wurden an einigen Grabstellen sichtbar.
„Man kann sich das Gräberfeld bei Doberlug-Kirchhain ursprünglich so ähnlich vorstellen wie den Schweinert bei Uebigau“ , verdeutlicht Ralf Uschner vom Kreismuseum Bad Liebenwerda. „Die Grabhügel wurden erst vor ungefähr 800 Jahren zur Zeit der deutschen Besiedlung dieses Gebietes eingeebnet.“ Wo genau die Menschen lebten, die ihre Toten in der Nähe des heutigen Doberlug-Kirchhains bestatteten, ist nicht mehr feststellbar.

Menschen siedelten anders
„Bronzezeitliche Siedlungsspuren waren in Kirchhain zu finden“ , erklärt Margret Sloan. Doch vermutlich nutzten verschiedene Siedlungen das Areal gemeinschaftlich als Gräberstätte.
Ohnehin siedelten die Leute der spätbronzezeitlichen Lausitzer Kultur, die Ackerbau und Viehzucht betrieben, anders als die Menschen heute. Vorwiegend waren ähnlich wie in Norddeutschland Einzelgehöfte zu finden, so Ralf Uschner. Die Landschaft war vor allem durch die Viehhaltung offen und so gut wie nicht bewaldet. Gemeinschaftlich seien Gräberanlagen wie die bei Doberlug-Kirchhain oder im Schweinert sowie schützende Burgwallanlagen wie bei Kosilenzien, Malitschkendorf oder ebenfalls am Schweinert angelegt worden. Selten waren solche Gräberfelder nicht.

Gräberfeld in Möglenz
Der Ortsname Möglenz beispielsweise, der sich von ’morgila’, Grabhügel, ableitet, weist darauf hin, dass die deutschen Siedler dort vor 800 Jahren ebenfalls ein Gräberfeld vorfanden, erklärt der wissenschaftliche Mitarbeiter des Kreismuseums.
Die Stadtverwaltung von Doberlug-Kirchhain ist den Worten Uschners zufolge stark daran interessiert, die Funde vom Gräberfeld am Bahnhof in der Stadt dauerhaft in einer Ausstellung sichtbar zu machen. Allerdings gehören sie rechtlich dem Land Brandenburg. „Da es zum Teil aus wissenschaftlicher Sicht sehr spektakuläre Funde sind, dürfte auch das Landesmuseum für Ur- und Frühgeschichte großes Interesse daran haben“ , dämpft Archäologin Margret Sloan allzu große Hoffnungen.

Termin Heute: Ahnenforschung
 Heute Abend findet im Bad Liebenwerdaer Kreismuseum das zweite genealogische Forum statt. Gerd Günther referiert ab 19 Uhr zum Thema „Auf den Spuren meiner Vorfahren“ . Danach sind interessierte Bürger zu einer Gesprächsrunde eingeladen.