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| 08:17 Uhr

Heimatgeschichte
Das Kondom über der Bierflasche

Kleinkrausnik/Sonnewalde . Und andere Episoden aus der Kleinkrausniker Geschichte in der Ausstellung ab Sonntag in Sonnewalde.

Der 20. November 1945 hat sich bei älteren Kleinkrausnikern im Gedächtnis eingebrannt – als es an dem Tag einen mörderischen Knall am Rande des kleinen Dorfes gab. Obwohl der Krieg bereits ein halbes Jahr zu Ende war, erinnerte die Explosion daran. Allerdings: Nicht eine Bombe war im November 1945 explodiert, sondern zwei Züge sind frontal und ungebremst aufeinander zugefahren. Am Ende waren sechs Tote zu beklagen – alles Zuginsassen – und viele Verletzte. „Alle Bauern im Dorf mussten ihre Fuhrwerke anspannen und die Verletzten ins Krankenhaus nach Luckau schaffen“, erinnert Norbert Zach an ein trauriges Kapitel aus dem Kleinkrausniker Geschichtsbuch.

Viele solche Episoden und historische Dokumente über das mehr als 530 Jahre alte Dorf, das inzwischen ein Ortsteil der Stadt Sonnewalde ist, hat der Ortschronist Norbert Zach zusammengetragen. Dabei dreht sich vieles um die Eisenbahn, die seit 1875 an Kleinkrausnik vorbeiführt und Berlin und Dresden miteinander verbindet. „Neun Bauern unseres Dorfes mussten ihren Acker für die Bahn hergeben, anfangs gegen ihren Widerstand“, weiß Norbert Zach, vor seinem Ruhestand vier Jahrzehnte leitend bei der Bahn tätig.

Kommenden Sonntag wird der Kleinkrausniker im Sonnewalder Heimatmuseum eine Sonderausstellung eröffnen und seinen reichen Fundus vorstellen. Zu den Raritäten gehören eine Originalfahne vom Radfahrerverein „All Heil“ aus dem Jahre 1912, die Schulchronik mit vielen Namen, die seit 1877 fortgeschrieben wird, dazu ein „Schulversäumnisbuch“, in dem alle Fehltage der Schüler seit 1894 festgehalten sind. Norbert Zach erzählt dann auch von Grete Trappe, von der noch Jahrzehnte altes Osterwasser aus der Quelle zum Dorfteich in einer Limonadenflasche erhalten geblieben ist, und von Christoph Fröschke, der in seinem Leben in drei Kriege ziehen musste – 1864 in Dänemark, 1866 in Österreich und 1871 in Frankreich. Oder auch vom DDR-Jugendklub in den 60er-Jahren, wo eine Veranstaltung unter dem Motto „Liebe, Sex und Partnerschaft“ für einige Aufregung sorgte, als ein Junge ein Kondom über eine Bierflasche ziehen musste.

Wer Norbert Zach kennenlernen möchte, sollte die Ausstellungseröffnung am Sonntag um 14 Uhr nicht verpassen. Mit Kleinkrausnik wird hier erstmals – und bis zum Jahresende – ein Ortsteil von Sonnewalde vorgestellt, weitere Ausstellungen über die anderen 16 Ortsteile sollen folgen.

(dbe)