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„Alfi“ zieht um
Finsterwalder „Kaufhaus für Bedürftige“ zieht um

Für das Team vom „Kaufhaus für Bedürftige“ beginnt bald das Kistenpacken – „Alfi“ zieht um.
Für das Team vom „Kaufhaus für Bedürftige“ beginnt bald das Kistenpacken – „Alfi“ zieht um. FOTO: Dieter Babbe
Finsterwalde. Altes Gebäude in der Innenstadt wird schick gemacht, hier entstehen sieben attraktive Wohnungen. Dieter Babbe

Finsterwalde. Das „Kaufhaus für Bedürftige“, eins der größten im Elbe-Elster-Kreis und bei vielen Finsterwaldern unter „Alfi“ bekannt, zieht demnächst um. Das langjährige Domizil der Einrichtung des Arbeitslosenverbandes in der Naundorfer Straße wird zu einem Wohnhaus mit schicken Wohnungen umgebaut. Doch einen Rausschmiss muss „Alfi“ nicht befürchten – im Gegenteil: Der Eigentümer, die Wohnungsgesellschaft, half bei der Suche einer neuen Bleibe und kümmert sich sogar um den aufwändige Umzug des Kaufhauses – nur 100 Meter weiter.


Die Wohnungsgesellschaft hat dem Arbeitslosenverband vor Jahren schon signalisiert: Das Haus gleich neben dem historischen Gebäude des früheren Möbelfabrikanten Winkler, das bereits vor sechs Jahren komplett saniert wurde, befindet sich in attraktiver Zentrumslage, eignet sich bestens zum Wohnen und wertet zudem die Innenstadt auf. „Uns kam nie in den Sinn, Alfi unter Druck zu setzen, zu kündigen oder gar vor die Tür zu setzen“, erklärt René Junker, Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft. „Wir wollen, dass die wichtige soziale Einrichtung erhalten bleibt und werden dazu unseren Beitrag leisten“, so Junker, der sich in der Vergangenheit immer wieder persönlich um die Probleme des sozialen Vereins gekümmert hat.

Tausende Gegenstände müssen verladen werden – hier ein Blick in das enge Möbellager mit den Ehrenamtlern Andreas Leckscheit (l.) und Renè Raymund.
Tausende Gegenstände müssen verladen werden – hier ein Blick in das enge Möbellager mit den Ehrenamtlern Andreas Leckscheit (l.) und Renè Raymund. FOTO: Dieter Babbe


Bereits seit 1991 ist „Alfi“ in der Naundorfer Straße zu Hause – wo seitdem Jahr für Jahr immer mehr Besucher gezählt werden, die hier für wenig Geld Bekleidung, Möbel, Küchengeräte, Spielzeug und vieles andere erwerben können. „Anfangs kamen im Monat im Schnitt noch 150 Leute zu uns, jetzt sind es bereits bis zu 800“, berichtet Angelika Hillebrand, seit mehr als zwei Jahrzehnten Kaufhaus-Chefin. Sie hat die Erfahrung gemacht: „Neben Arbeitslosen und Flüchtlingen kommen immer mehr ältere Menschen zu uns, die mit ihrer kleinen Rente einfach nicht über die Runden kommen – und sich keine teuren neuen Sachen kaufen können.“


Umso wichtiger war es dem Arbeitslosenverband, für die Einrichtung in Finsterwalde einen neuen geeigneten Standort zu finden. „Wir haben volles Verständnis für die Pläne des Hauseigentümers, wenn er hier Wohnungen errichten möchte – zumal das graue Gebäude mitten in der Stadt kein schöner Anblick ist und ohnehin saniert werden muss. Aber eine Schließung unseres Kaufhauses in Finsterwalde kam für uns nie infrage“, erklärt Lorlita Weimann, Standortbereichsleiterin beim Arbeitslosenverband Brandenburg.


Fünf Standorte für ein neues „Kaufhaus für Bedürftige“ sind in der Vergangenheit – auch mit Hilfe der Wohnungsgesellschaft – in Augenschein genommen worden. „Es darf nicht so weit weg vom Schuss, aber auch nicht zu zentral liegen – manche Menschen scheuen sich, gesehen zu werden, wenn sie zu uns kommen“, nennt Lorlita Weimann nur ein Problem bei der Suche. Ein anderes: Für den Mietpreis, den der Arbeitslosenverband an die Wohnungsgesellschaft – seit Jahren unverändert – zahlen musste, sind in Finsterwalde keine Gewerberäume mehr zu bekommen.


Dennoch ist nach langer Suche jetzt ein neuer Standort für das Kaufhaus auf dem früheren Kjellberg-Gelände (neben dem früheren Finanzamt, wo jahrelang die Lausitzer Rundschau ihren Sitz hatte) gefunden worden. „Leider mit nur der Hälfte der Fläche, die wir jetzt zur Verfügung haben. Vieles werden wir nicht mitnehmen können“, bedauert Angelika Hillebrand. Doch beim Arbeitslosenverband gibt man sich dennoch optimistisch: „Wenn wir mit den geringen Einnahmen unsere Kosten decken können, wäre es möglich, weitere Räumlichkeiten anzumieten“, stellt Lorlita Weimann in Aussicht.

Im sanierten Gebäude mit dem besonderen Dach entstehen sieben attraktive Wohnungen. Computerbild: Wohnungesellschaft Finsterwalde
Im sanierten Gebäude mit dem besonderen Dach entstehen sieben attraktive Wohnungen. Computerbild: Wohnungesellschaft Finsterwalde FOTO: Dieter Babbe


Wäre da noch die Sorge mit dem Umzug der vielen tausend Gegenstände. „Ich kann von unseren acht Ehrenamtlern, meist Frauen, einige zudem krank, nicht verlangen, dass sie große Kisten schleppen und schwere Möbel hucken“, sagt Angelika Hillebrand. „Außerdem weiß ich nicht, wie wir einen solchen Umzug bezahlen sollen. Unser kleine Transporter schafft das nicht, auch ohne eine Hebebühne geht es nicht.“ Doch die Sorge scheint unbegründet. „Wir helfen mit unserem Hausmeisterservice mit Technik und beim Zufassen“, kündigt Geschäftsführer Junker schon mal an. Der Plan bei „Alfi“: Zum 1. Dezember soll das alte „Kaufhaus für Bedürftige“ an neuer Stelle wieder öffnen.


Währenddessen reifen bei der Wohnungsgesellschaft die Pläne für den Umbau des Hauses in der Naundorfer Straße nach einem Projekt des Finsterwalder Architekten Kurt Langer. Danach sollen hier sieben Drei- und Vierraum-Wohnungen entstehen. Dazu ist vorgesehen, zwei Etagen auf die vorhandene Bausubstanz draufzusetzen und das Haus an der Südseite mit einem in Finsterwalde bisher einzigartigen Tonnendach zu versehen. 2018 will man das Vorhaben dem Aufsichtsrat vorstellen und die Genehmigung für den Bauantrag einholen, bis Weihnachten 2019 ist der Bezug der Wohnungen geplant.