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Das 599-Kilometer-Abenteuer

Der gehört zur Familie: Roland Hanisch posiert mit seinem H6-Lkw, mit dem es am Wochenende auf große Fahrt geht.
Der gehört zur Familie: Roland Hanisch posiert mit seinem H6-Lkw, mit dem es am Wochenende auf große Fahrt geht. FOTO: Steven Wiesner
Finsterwalde. Ein Finsterwalder Oldtimer-Liebhaber fährt mit 20 Verbündeten bis zur Ostsee hoch. Die Rallye mit den kultigen Automobilen wird aber eine einmalige Sache bleiben. Steven Wiesner

"Nimm Dir Zeit - und nicht das Leben." Dieser Satz prangt auf einem Heckaufkleber am Lkw-Oldtimer von Roland Hanisch. Und er sagt eigentlich schon alles aus über die Herangehensweise, mit der der 53-jährige Finsterwalder für seine nostalgischen Automobile schwärmt. "Eigentlich ist er ein rasanter Fahrer", verrät seine Ehefrau. Bei seinem Pkw würden schon ein paar PS zusammenkommen, sagt Roland Hanisch. Doch wenn er hinterm Steuer seines Oldtimers sitzt, ist der Drang nach Geschwindigkeit vergessen. Da geht es nur noch ums Genießen. Die Gattin scherzt: "Da sieht er wenigstens mal was von der Landschaft."

Besonders viel wird Roland Hanisch am Wochenende zu Gesicht bekommen. Dann nämlich begibt er sich mit 20 Oldtimer-Verbündeten in ein lautes und qualmendes Abenteuer: eine Sternfahrt von der sächsischen Grenze bis zur Ostsee. "Wir starten in Zittau und fahren bis nach Sassnitz", sagt Hanisch. "Das war die längste Fernverkehrsstrecke in der DDR." Und diese zählt ganze 599 Kilometer.

Eine solche B96-Tour haben die Oldtimer-Fans um Hanisch noch nie gemacht. "Und wir werden sie vermutlich auch kein zweites Mal machen." Denn die Reise mit einem Sechstonner aus den 50er-Jahren ist nicht zu unterschätzen. "Das ist richtige Arbeit." Das Baujahr von Hanischs Horch-Lkw wird auf 1957 datiert. Einer Zeit, in der Servolenkung und Klimaanlage noch Fremdwörter waren. "Alles über zwei, drei Stunden Fahrtzeit ist schon richtig anstrengend."

Wenn man nun weiß, dass der Trip zur Ostsee zwei Tage dauern und die reine Fahrtzeit 14 Stunden betragen soll, kann man sich ausrechnen, wie Roland Hanisch ins Schwitzen kommen wird. Am Sonntag um 8 Uhr werden die Motoren angeschmissen auf dem Zittauer Stadtring. In Berlin wird übernachtet und über das Löwenberger Land geht es dann am Montag weiter gen Norden. Zwischendurch besuchen Hanisch & Co. auch gleich noch einen weiteren Oldtimer-Liebhaber im Elbe-Elster-Land. Denn Jörg Stuckatz kann nicht nur einen Gasthof, auf dem man bestens rasten kann, sondern auch eine Garant-Maschine sein Eigen nennen. Gegen 10.30 Uhr will die Oldtimer-Flotte am Sonntag in Dollenchen sein. Für Schaulustige sicher eine gute Gelegenheit, die kultigen Schwergewichte mal aus nächster Nähe zu bestaunen. Hanisch: "Wenn man die Landstraße entlang fährt und die Leute winken, das macht schon Spaß."

Seit drei Jahren ist der H6-Lkw, den Hanisch selbst zwei Jahre lang mühevoll restauriert hat, in seinem Besitz. "Er ist ein echter Hingucker." Und mittlerweile auch ein vollwertiges Familienmitglied. Da das 7,50m lange Gefährt eine Art Wohnmobil integriert und somit reichlich Komfort bietet, kann sich auch die Ehefrau für das Hobby begeistern. So ein Schlachtschiff ist aber auch ein kostspieliges Vergnügen. "Auf 100 Kilometer verbraucht er 30 Liter." Und das obwohl sich Roland Hanisch schon Zeit nimmt und mit seinem Lieblingsauto nicht schneller als 75 km/h fährt.