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| 15:19 Uhr

Jubiläum
Danken ist Wertschätzung – 20 Jahre Finsterwalder Tafel

Pfarrer Markus Herrbruck bedankte sich beim Leitungsteam der Tafel um Marina Pichlak, Kerstin Nelkert und Gerhard Strauß (von links) stellvertretend für alle Helfer und Unterstützer mit einem kleinen Blumenstrauß.
Pfarrer Markus Herrbruck bedankte sich beim Leitungsteam der Tafel um Marina Pichlak, Kerstin Nelkert und Gerhard Strauß (von links) stellvertretend für alle Helfer und Unterstützer mit einem kleinen Blumenstrauß. FOTO: Silvia Dedek
Finsterwalde. Pfarrer Markus Herrbruck bringt zum Jubiläum wichtige Denkanstöße auf den Tisch. Von Silvia Dedek

„Haben Sie auch Bananen? – Mein Sohn Heiko isst sie so gern am Nachmittag.“ So lautete eine der ersten Anfragen an die Organisatoren der evangelischen Trinitatisgemeinde von Finsterwalde, als sie vor 20 Jahren mit einigen selbst zusammengepackten Beuteln vor der Kirche standen und Lebensmittel an diejenigen verteilten, die im Leben nicht nur auf der Sonnenseite stehen. „Es war richtig kalt“, erinnert sich Barbara Hackenschmidt, die die Einrichtung der Tafel seit Beginn unterstützt. „Friedemann Müller, der mit uns gesungen und uns auf der Gitarre begleitet hat, sind damals buchstäblich fast die Finger abgefroren“, so die heutige SPD-Landtagsabgeordnete weiter.

„Wenn das Brot, das wir teilen“, hatten sich die Helfer der ersten Stunde damals als Lied und Leitmotiv gewählt. Es gilt seit nunmehr 20 Jahren und ist genauso nötig, wie zu Beginn. „Ich möchte heute nur eine Zahl nennen. Vom 1. Januar bis zum 30. September 2018 sind hier in unserer Tafeleinrichtung 10 110 Beutel mit Lebensmitteln gepackt worden“, zieht Pfarrer Markus Herrbruck mit wenigen Worten eine eindrucksvolle Bilanz. Damit werden bei der Finsterwalder Tafel an jedem Werktag über 50 Lebensmittelbeutel gepackt. „Die Zahlen derer, die das Angebot annehmen, sind in etwa konstant bis leicht steigend“, beurteilt der Pfarrer die aktuelle Entwicklung.

Stellvertretend für alle ehrenamtlichen Helfer und Unterstützer bedankt sich Pfarrer Markus Herrbruck an diesem Sonntag bei seinem Leitungsteam der Tafel. Kerstin Nelkert, Gerhard Strauß, Marina Pichlak und Klaus Rademann halten im Hintergrund organisatorisch und logistisch alle Fäden in den Händen, koordinieren und kooperieren.

Für einen Ausgabetag benötigt die Tafel insgesamt etwa 15 Helferinnen und Helfer. Diese müssen die Lebensmittel aus den Märkten und vom Zentrallager in Dresden abholen und nach Finsterwalde fahren. Dort müssen die Lebensmittel sortiert und in die Tüten verpackt werden. Weitere Helfer werden dann bei der Ausgabe der Lebensmittel und hinterher zum Aufräumen gebraucht.

Neben den Ehrenamtlichen werden hier auch vom Jobcenter vermittelte Arbeitsuchende tätig. Ihr Einsatz ist allerdings zeitlich meist begrenzt, es sei denn, sie verschreiben sich auch nach der Maßnahme der Tätigkeit bei der Tafel, wie beispielsweise René Winkler, der seit November 2017 dabei ist. Nachdem er zunächst durch eine Maßnahme bei der Tafel einstieg, ist er mittlerweile als freiwilliger Helfer geblieben, da es ihm persönlich Freude bereitet, dort mit anzufassen und gleichzeitig etwas Sinnvolles tun zu können.

Auch Jürgen Klaus ist seit Anfang 2017 dabei. „Mir geht es persönlich gut. Ich bin Rentner und habe jetzt Zeit. Da kann ich doch etwas Gutes tun“, erklärt er seine Motivation. Andere, wie Regine Hensel, sind schon über Jahre dabei. „Ich mache jetzt seit zehn Jahren bei der Tafel mit. Erst war ich beim Frühstück, nun helfe ich in der Ausgabe“, erzählt sie von ihrem Engagement.

„Dabei ist es für die Ehrenamtlichen nicht immer leicht“, berichtet Pfarrer Herrbruck. „Einige Menschen kommen zu uns mit dem Verständnis, wir seien eine selbstverständliche Sozialleistung des Staates oder der Stadt. Sie beschweren sich mitunter über das, was ausgegeben wird oder stellen Forderungen, die wir nicht erfüllen können. Das ist manchmal sehr schwer auszuhalten und zu vermitteln.“

So lautet einer der Denkanstöße in seiner Ansprache zum Jubiläum der Tafel „Dankbarkeit“. Dabei geht es ihm gar nicht um die Menschen, die die Tafel in Anspruch nehmen. Er schlägt vielmehr eine Brücke zu jedem Einzelnen und fragt, ob wir in der heutigen Zeit, in der die Lebensmittelversorgung in unserem Land so selbstverständlich ist, eigentlich noch dankbar dafür sind. „Dank bringt Wertschätzung entgegen – gegenüber den Lebensmitteln und den Menschen, die in der Produktion und Verarbeitung ihren Beitrag geleistet haben. Dank kann die Stumpfheit aufbrechen, mit der wir manchmal durch unseren Alltag gehen. Dafür müssen wir aber weiter sehen als nur bis zu unserem sprichwörtlichen Tellerrand.“