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| 01:03 Uhr

Crinitzer Grundschule mit Abstand die teuerste im Amt

Massen / Crinitz.. In einer so genannten „Schulkostenanalyse“ machte die Massener Amtsverwaltung beim Vergleich der drei Grundschulen im Amtsbereich jetzt eine alarmierende Feststellung: Die Grundschule in Sallgast, aber vor allem die in Crinitz sind gewaltig teurer als die Massener. Angesichts zunehmend klammer Amtskassen ein Alarmsignal: In den politischen Gremien wurde jetzt sogar die Forderung nach einer Schließung der Crinitzer Grundschule laut. Von Dieter Babbe

In einem umfangreichen Zahlenwerk zum Vergleich aller Kosten wird ein „gravierender Unterschied“ , so heißt es im Amt, offenkundig: Die Crinitzer Grundschule ist insbesondere bei der Bewirtschaftung mit deutlichem Abstand die teuerste Schule - doppelt so teuer wie die Sallgaster und gar zweieinhalbfach zu teuer wie die Massener Grundschule. Vor allem die Heizungskosten fallen in Crinitz aus dem Rahmen - und betragen mit 28 700 Euro das Vierfache der anderen beiden Grundschulen. Die durchschnittlichen Jahreskosten je Schüler belaufen sich in der Massener Grundschule auf lediglich 347,90 Euro, in Sallgast sind sie schon 1 372,95 Euro hoch - so klettern sie in Crinitz sogar auf 1 443,09 Euro.
Die Grundschule in Crinitz sei zu DDR-Zeiten für 400 Schüler gebaut worden, werde jetzt aber nur noch von 100 Schülern besucht. Auch eine inzwischen erfolgte Teilung der Schule bringt keine gravierende Kosteneinsparung - „diese Schule ist verbaut und ist für die jetzigen Verhältnisse immer noch zu groß“ , stellt Amtsdirektor Gottfried Richter fest. Er vergleicht die Altbauten in Crinitz und Sallgast mit dem Neubau der Massener Grundschule - und stellt fest: „Je älter und kleiner einer Schule ist, je mehr explodieren die Kosten.“ So könnten zum Beispiel Personalkosten nicht ohne weiteres gesenkt werden: „Eine Sekretärin kann nicht nur für drei Stunden an einer Schule sein, auch wenn die Schule klein ist - das funktioniert nicht.“ In Sallgast sind zum Beispiel drei Schulgebäude zu bewirtschaften - für lediglich 71 Kinder.
Das amtliche Papier löste jetzt im Amtsausschuss eine kontroverse Diskussion aus. Bereits vor zwei Jahren habe man in der Haushaltsdebatte von der Gemeinde Crinitz eine Senkung der Kosten verlangt - „doch passiert ist so gut wie nichts“ , stellte Massens Bürgermeister Wilfried Klähr kritisch fest. Er forderte wie Schacksdorfs Ortsbürgermeister Horst Wagner die Schließung der Crinitzer Schule: „Dass die Schule so teuer ist, haben wir vorher nicht gewusst.“
Doch für eine Schließung gibt es im Amtsausschuss derzeit offensichtlich keine Mehrheit: „Es war eine politische Entscheidung im Amtsausschuss, dass wir die Kleine Grundschule in Crinitz erhalten wollen“ , erinnert Elke Bischoff, Gemeindevertreterin aus Gahro in der Töpfergemeinde. Auch Massens Gemeindevertreter Hartmut Göllnitz vertritt den Standpunkt: „Ich stehe zur Crinitzer Grundschule. Bildung kostet nun mal Geld.“ Und auch für Frank Tischer, Bürgermeister von Sallgast und Vorsitzender des Amtsausschusses, steht fest: „Uns war vorher bewusst, dass eine Kleine Grundschule mehr Geld kostet.“ Allerdings fordert er die Gemeinden auf, weiter nach Einsparmöglichkeiten zu suchen.
In den nächsten fünf bis acht Jahren werde sich die Schullandschaft im Amt Kleine Elster ändern, prophezeit Amtsdirektor Gottfried Richter - dann werde man die Crinitzer und auch die Sallgaster Schule auf den Prüfstand stellen müssen. „Doch in den nächsten fünf Jahren gibt es für die Kleine Grundschule in Crinitz null Gefahr“ , so sieht es Richter - „auch, wenn die Schule so teuer ist. Wir leisten uns diese Schule, so lange wir sie uns noch leisten können.“ Und Frank Tischer bringt es auf diesen Punkt: „Wir brauchen die Schulen, aber vor allem eins: mehr Kinder.“
Dieser Tage kritisierten die Crinitzer Gemeindevertreter den von der Amtsverwaltung vorgelegten Zahlenvergleich zwischen den Grundschulen heftig. Hier würden unzulässig sanierte mit unsanierten Schulen verglichen, so hieß es. Richtig sei, so reagierte die Amtsverwaltung gestern auf Nachfrage zur Kritik aus Crinitz: „Unsere Zahlen stammen aus dem Jahre 2004 - da war die Crinitzer Schule schon ein halbes Jahr saniert. Andernfalls wären die Kostenunterschiede noch gravierender ausgefallen.“

Hintergrund Feuerwehr in der Schule
 Gegenwärtig wird im bereits abgetrennten Teil der Crinitzer Grundschule gebaut: Hier soll insbesondere die Feuerwehr Räumlichkeiten bekommen, ebenso eine Fahrschule und ein Architekturbüro. „Etwa die Hälfte der Umbauarbeiten sind erledigt“ , so gestern Bürgermeister Horst Hofmann. Die Crinitzer Gemeindevertretung verspricht sich von der Teilung des Schulgebäudes auch eine Kosteneinsparung für die Schule.