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Diskussion um Bürgerhaus
Alte Crinitzer Töpferei kontra Kulturräume am Steinzeugwerk

Der Crinitzer Bürgermeister Horst Hofmann will in den ehemaligen Kulturräumen des Steinzeugwerkes ein Bürgerhaus für die Töpfergemeinde einrichten.
Der Crinitzer Bürgermeister Horst Hofmann will in den ehemaligen Kulturräumen des Steinzeugwerkes ein Bürgerhaus für die Töpfergemeinde einrichten. FOTO: Böttcher Gabi / LR
Crinitz. Bürgermeister Horst Hofmann startet erneute Diskussion und lädt zum Tag der offenen Tür. Von Gabriela Böttcher

Es ist eine schier unendliche Geschichte. Die Töpfergemeinde ist auf der Suche und hat noch immer keine Lösung für einen Bürgertreff gefunden. Im Sommer 2015 hatte Amtsdirektor Gottfried Richter alle Aktivitäten für ein Bürgerforum am Komplex mit Schule, Kita, Sporthalle und Feuerwehr stoppen lassen. Im Entwicklungsausschuss des Ortes hatte man sich mehrheitlich gegen das Forum ausgesprochen, für das Fördergelder der Sängerstadtregion in Aussicht standen. Auch Horst Hofmann, ehrenamtlicher Bürgermeister, hatte sich gegen das Forum gestemmt.

Als nächstes platzte die Idee, das Bürgerhaus in Crinitz zu übernehmen. Das Haus wurde verkauft. Wieder musste die Gemeinde neu überlegen. Eingebunden wurde die E & G Projektagentur aus Finsterwalde, die mögliche Objekte im Ort prüfen und bewerten sollte. Bereits Ende 2016 waren von insgesamt neun Vorschlägen drei in die engere Auswahl gezogen worden. Das Ergebnis wurde im Frühjahr 2017 im Ortsentwicklungsausschuss vorgestellt. Fazit: Eine Fläche auf dem Lindenplatz wurde als zu klein, also als ungeeignet ausgeschlossen. Übrig blieben die Revitalisierung der ehemaligen Töpferei Matthias und ein Neubau an der Turnhalle. Die noch im Frühjahr 2017 im Raum stehende Option, im Herbst ein Konzept und damit einen Antrag auf Fördermittel aus dem Leader-Programm zu erstellen, verstrich.

Jetzt kommt neue Bewegung in die Suche nach dem Bürgertreff. Amtsdirektor Gottfried Richter bestätigt: „Die Verwaltung hat für die Gemeinde ein Planungsbüro beauftragt, die ehemalige Töpferei bautechnisch zu untersuchen.“ Das Ergebnis des Gutachtens werde Grundlage dafür sein, ob ein Ausbau der ehemaligen Töpferei Matthias zum Bürgerzentrum für Crinitz weiter verfolgt werden soll. Gegen diese Variante ist von Beginn an der ehrenamtliche Bürgermeister Horst Hofmann Sturm gelaufen. Die von ihm favorisierte Idee eines Bürgerzentrums in den ehemaligen Kulturräumen des Steinzeugwerkes hatte es nicht einmal unter die letzten drei von der E & G Projektagentur vorgeschlagenen Objekte geschafft. Jetzt geht er mit seiner Idee erneut in die Offensive. Allein die Summe, die die Gemeinde für den Kauf der alten Töpferei aus Privatbesitz aufwenden müsste – die Rede ist von 65 000 Euro – spreche gegen diese Lösung. Die Kulturräume des Steinzeugwerkes könnten nach derzeitigem Stand der Dinge ein Geschenk für die Gemeinde sein. Der neue Eigentümer des Geländes würde darauf befindliche Gebäude der Gemeinde abreißen und im Gegenzug die Kulturräume kostenfrei zur Verfügung stellen. Damit wären schon mal zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. „Klar, in die Kulturräume des Steinzeugwerkes müsste auch investiert werden. Aber die Gemeinde käme weitaus günstiger dabei weg, als für Kauf und Investitionen in die Töpferei“, ist sich der Pragmatiker und frühere Unternehmer Horst Hofmann sicher. Von einer Sache überzeugt, lässt er sich auch von bereits gebildeten Mehrheitsauffassungen in der Gemeinde nicht abbringen und kämpft für seine Überzeugung.

Am Samstag, 3. Februar, lädt er deshalb alle Crinitzer von 10 bis 14 Uhr zum Tag der offenen Tür in die Kulturräume des Steinzeugwerkes ein. Er schwärmt schon mal von den dortigen Voraussetzungen. „Die Säle sind durch eine Schiebetür zu trennen beziehungsweise zu vergrößern. Es gibt sogar noch eine ganz tolle Deckentäfelung.“

Viele Crintzer Bürger haben sich für die Töpferei als neues Bürgerhaus ausgesprochen.
Viele Crintzer Bürger haben sich für die Töpferei als neues Bürgerhaus ausgesprochen. FOTO: Wude

Sven Guntermann von E & G erinnert an das Ergebnis der vergleichenden Analyse der Objekte: „In erster Linie spricht die Lage der Räume des Steinzeugwerkes gegen sie. Das hat auch eine Umfrage unter den Bürgern ergeben.“ Horst-Viktor Scholz, Vorsitzender des Dorfentwicklungsausschusses, verweist auf den bereits hinter den Gemeindevertretern liegenden Weg einer Entscheidungsfindung. „Wir haben extra einen Dritten eingeschaltet, der neutral über die Varianten urteilen kann. Getroffene Entscheidungen sollte man dann auch mittragen.“ In einem sind sich wohl alle Crinitzer mit Horst-Viktor Scholz einig: „Wir möchten in dieser Sache gern zum Ende kommen.“ Denn Crinitzer müssten derzeit zu diversen Feiern und Zusammenkünften in andere Orte ausweichen.

Sven Guntermann hat bei allen noch zu treffenden Abwägungen und Entscheidungen einen Appell: „Bevor das Geld alle ist – Die Crinitzer sollten sich sputen, um noch an Leader-Fördermittel zu kommen.“