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Chinesische Heizung für deutschen Gast: Holzglut im Tongefäß

Ninggou/Massen. Fabian Blöchl, Landwirt aus Tanneberg bei Massen, studiert Ländliche Entwicklung/Agrarökonomie und wird an einem Seminar zur chinesischen Landwirtschaft in China teilnehmen. Nach China reist er derzeit mit der Transsibirischen/Transmandschurischen Eisenbahn über Russland.

Er berichtet von seiner Reise. Heute Teil 5.

Zurzeit bin ich in der Region Anhui, etwa 900 Kilometer südlich von Peking. Die Stadt Ninggou ist bekannt für Bambus und Tee. Auf dem Hof der Familie Wang bin ich für 14 Tage und helfe ihr bei der täglichen Arbeit. Die kleine Farm hat zwei Gebäuden und liegt etwa 400 Meter hoch in den Bergen der Anhui-Region. Dorthin kommt man nur mit dem Auto, am besten mit einem mit großer Bodenfreiheit. Auf dem Hof gibt es keinen Brunnen, nur Bergwaasser das erwärmt werden muss. Es gibt Strom rund um die Uhr, auch Telefon und Fernsehen.

Und so sieht der Tag bei dem chinesischen Bauern aus: Morgens, 7 Uhr, stehen Herr Wang, Frau Wang und ich auf und waschen uns in einer Schüssel mit warmen Wasser. Frau Wang steht deshalb immer etwas eher auf, um das Wasser auf dem Ofen zu erwärmen. Danach macht Frau Wang Frühstück. Es gibt immer Reis, gekochtes Gemüse oder auch Fleisch. Herr und Frau Wang essen mit Stäbchen, ich habe einen Löffel.

Tee-Feld am Steilhang beackert

Nach dem Frühstück gehen Herr Wang und ich in die Berge zu den Tee- und Bambusfeldern. Hinter dem Hof gibt es acht Hektar Tee und 30 weitere Hektar. Die Felder liegen in den Bergen verstreut. Herr Wang hat im letzten Jahr acht Hektar Tee von einem Nachbarn dazu gekauft. Dieser Bestand ist verwildert und muss jetzt von Büschen und kleinen Bäumen befreit werden. Das Hacken der Büsche und Unkräuter machen wir mit Macheten und Hacken. Teilweise ist die Arbeit am Hang, bei 70 Prozent Steigung, etwas ungewohnt für mich als Lausitzer.

Gegen 11 Uhr machen wir Pause und bereiten uns auf das Mittagessen vor. Frau Wang hat wieder den Wok angewärmt und kocht Reis. Warum wird der Bambus nicht zum Heizen benutzt?, frage ich mich. Neben dem Teeanbau lebt Herr Wang vom Bambusverkauf.

Bambus wird zum Essen, als Möbelmaterial und Baustoff verwendet, übersetzt mir später seine Nichte. Es einfach zu verheizen, wäre zu kostbar. Auch ist der Heizwert nicht sehr hoch. Seine Nichte brachte mich am ersten Tag zum Hof und übersetzte dort alles wesentliche. Sie lebt in der Kleinstadt, etwa 40 Minuten entfernt. Die Woche über wohne ich also bei den Wangs, ohne Deutsch oder Englisch benutzen zu müssen.

Bambus ist wichtiger Rohstoff

Nach dem Mittag machen wir uns wieder an die Arbeit und steigen in die Berge. Am Nachmittag harken wir die frisch gepflanzte Bambusplantage. Ich finde es ziemlich steil am Hang und halte mich sehr an meiner Harke fest. Herr Wang lächelt nur - also auch ohne Sprache verstehen wir uns.

Der Bambus ist das wichtigste landwirtschaftliche Produkt in Ninggou. Seine Kultivierung reicht 1000 Jahre zurück, heute gibt es 14 Fabriken für die Bambusverarbeitung in Ninggou. Auf dem Weg zurück findet Herr Wang wilde Bambusknospen. Die sehen etwa wie riesengroße Spargelköpfe aus. Frau Wang freut sich darüber, zum Reis gibt es also heute Abend Bambus.

Gegen 6 Uhr abends ist schon Dämmerung und ich mach Feuer. Das mache ich in einem ausgedienten Wok und entnehme daraus mit einer Zange die Glut. In den Räumen gibt es keine Heizung. Da die Nächte noch kalt sind, bis unter Null Grad, ist es recht kühl beim schlafen. Frau Wang bringt mir zwei kleine Tongefäße in welche ich die Glut hineinlege. Diese stelle ich ins Zimmer, sie sollen es aufwärmen und die Kälte vertreiben. Vor dem Einschlafen schaut Herr Wang noch mal ins Zimmer. Er lächelt wieder, denn den Luxus mit der Holzglut im Zimmer bekomme nur ich. Die Wangs schlafen ohne.