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| 16:56 Uhr

Schüleraustausch Doberlug-Taiwan
Chinesisch in der praktischen Form

14 Schüler und drei Lehrer einer High School in Taiwan und ihre deutschen Gastgeber vom Evangelischen Gymnasium . Derzeit erkunden sie noch Berlin. Seit 2016 gibt es die Verbindung zwischen beiden Partnerschulen.
14 Schüler und drei Lehrer einer High School in Taiwan und ihre deutschen Gastgeber vom Evangelischen Gymnasium . Derzeit erkunden sie noch Berlin. Seit 2016 gibt es die Verbindung zwischen beiden Partnerschulen. FOTO: Heike Lehmann
Doberlug-Kirchhain. Doberlug-Kirchhain hat knapp 9000 Einwohner. In Taichung in der Republik China (Taiwan) leben etwa 2,7 Millionen Menschen. Dennoch schlagen Schüler beider Städte eine Brücke zwischen der Niederlausitz und Asien. Von Heike Lehmann

Etwa 40 Schüler des Evangelischen Gymnasiums in Doberlug-Kirchhain lernen Chinesisch als zweite Fremdsprache. Sie haben drei oder vier Unterrichtsstunden pro Woche. Die Grundkenntnisse vermittelt ihnen Peter Bleckat. Der 32-jährige Lehrer, er ist erst seit einem Jahr am Evangelischen Gymnasium, weiß um den Schweregrad: „Die Schüler können letztlich weniger als in Englisch, Französisch oder Russisch. Aber sie werden befähigt, sich in alltäglichen Situationen zu verständigen. Und Chinesisch als Sprache wird weltweit immer wichtiger, vor allem in der Wirtschaft.“

Weil die Anwendungsmöglichkeiten der Chinesisch-Kenntnisse in der Niederlausitz doch eher begrenzt sind, helfen Kontakte zu einer Schule in der fernen Republik China (Taiwan). Zum zweiten Mal nach 2016 waren jetzt 14 Schüler und drei Lehrer der National Experimental High School in Taichung für eine Woche zu Gast in der Kloster- und Gerberstadt. Ihre Gastgeber: 13 Chinesisch-Schüler aus den Kursen von Peter Bleckat.

Und auch die weitgereisten Gäste können ihre Sprachkenntnisse testen und vervollkommnen. Denn: Acht der 14 Schüler haben ein Jahr lang Deutsch gelernt. Meist aber läuft die Kommunikation während der Begegnungen auf Englisch.

Jack Zipke aus Lachhammer aber nutzt die Chance und versucht, sich mit seinem Gast Quan-da Liu, oder einfacher Vincent, in dessen Heimatsprache zu verständigen. Der 15-jährige Jack lernt seit der 7. Klasse Chinesisch am Gymnasium und hat sich für ein Herbstcamp in China beworben. „Einfache Sätze gehen schon. Die Grammatik ist leicht, aber es gibt unendlich viele Vokabeln und die Taiwanesen sprechen sehr schnell“, sagt er.

Die Taiwanesen bekommen vor den Ferien gerade noch einen Eindruck vom Unterricht in Deutschland. Zhuona Hu, Mitarbeiterin der Evangelischen Schulgemeinschaft, sagt: „Sie haben am zweiten Besuchstag auch unser Schulfest miterlebt und danach die Zeugnisausgabe.“ Shu Chen, Geschichtslehrer und Leiter für Schulangelegenheiten in Taichung, sagt: „Auch in Taiwan gibt es Zeugnisse – jedes Vierteljahr. Unsere Schüler werden nach einem Punktesystem bewertet. Wer 60 Punkte erreicht, hat bestanden. 100 Punkte sind möglich.“

Am Dienstag dieser Woche haben die Gäste aus Taichung schon wieder Abschied genommen von Doberlug-Kirchhain, um noch ein paar Tage in Berlin anzuhängen. Dort wurden sie in der offiziellen Taipeh-Vertretung herzlich willkommen geheißen. Auch die 13 Gymnasiasten von Doberlug-Kirchhain sind in Berlin noch mit dabei.

Von Doberlug-Kirchhain aus haben die meist 16-jährigen Gäste aus Taiwan und deren Lehrer verschiedenste Ziele erkundet. Darunter waren Dresden, die Nudelfabrik Riesa, die Albrechtsburg in Meißen, der Spreewald samt Kahnfahrt, der Kletterwald in Lübben. Aber auch Schloss und Klosterkirche Doberlug standen im Programm. Für die meisten Schüler aus Taichung sind es erste Eindrücke von Deutschland. „Unsere Schule hat noch eine Partnerschule in Japan. Das ist bei den Schülern das beliebtere Ziel“, erklärt Geschichtslehrer Shu Chen, für den Deutschland auch neu ist. „Aber in Europa bin ich das zweite Mal“, sagt er. Der 47-Jährige beschreibt seine Eindrücke vom Unterricht am Evangelischen Gymnasium: „Die Schüler sind sehr lebendig und kreativ.“

Die Kosten für das Schüleraustauschprogramm trägt die evangelische Schulgemeinschaft zum großen Teil selbst. Größter Sponsor ist die Sparkasse Elbe-Elster. Auch beim Schulamt in Cottbus wurden Fördermittel beantragt. Die Reise  der Taiwanesen wird von deren Eltern finanziert.

Im Rahmen des Schulfestes gab es auch ein interaktives Kocherlebnis. Spezialitäten der deutschen und taiwanesischen Küche kamen auf den Tisch – „auch Sushi haben wir gemacht“, erzählt Zhuona Hu. Am letzten gemeinsamen Abend wurde dann gegrillt. „Auch beim chinesischen Mid-Autumn-Festival gibt es ein Barbecue. Sonst ist es eher nicht üblich in Taiwan“, erklärt Shu Chen. Noch ein Unterschied zwischen beiden Ländern: Obstläden in Taiwan haben zum Teil 24 Stunden am Tag geöffnet.