Von Jenny Theiler

Wasser, Wind und Wolken verbinden sich zu einem wilden Wettergemisch. Am Strand des Bergheider Sees kämpft sich am vergangenen Sonntag die Sonne durch dicke Wolkenfelder. Der frische Nordwind lässt kleine Wellen schaukeln. Es ist nicht kalt, aber auch nicht warm. Das widersprüchliche Wetter schafft einen Eindruck von Meeratmosphäre. Besser könnten die Bedingungen für die Musiker Marcus Günther und Steve Ospalek nicht sein, denn die beiden Lausitzer drehen ein Musikvideo.

Dass Gegensätze sich bekanntlich anziehen, scheinen viele Menschen zu vergessen, insbesondere dann, wenn man sich die Freunde im eigenen Bekanntenkreis betrachtet. So etwas hat auch Steve Ospalek alias Steve ’O’ aus Dresden schon erlebt. „Jeder hat im Freundeskreis ein Pärchen über das er sich wundert, weil beide so gegensätzlich sind. Ich fand das Thema schön, vor allem weil es dazu nicht so viele Songs gibt“, sagt der 31-Jährige.

Den Text zu dem Lied „Gegensätze“ schreibt Steve Ospalek 2018. Bei einem gemeinsamen Gig Anfang des Jahres erzählt er seinem DJ-Kollegen Marcus Günther alias Halbsteiv von der Songidee. „Mir hat der Text gefallen, also haben wir uns in meinem Studio getroffen und den Song produziert“, sagt Marcus Günther. Über die sozialen Netzwerke suchen die beiden Musiker nach einem Sänger. Zwei Tage später meldet sich Mirko Santocono.

„Was ich an dem Text besonders mag, ist, dass er sich über Vorurteile hinwegsetzt. Es geht um Menschen, die ihre Beziehung trotz Gegensätze auf die Reihe kriegen. Völlig egal, was die Anderen sagen“, sagt der Sänger aus dem Westerwald. Anfang Januar singt er den Song für das Musikerduo ein. „Kennengelernt haben wir Mirko wirklich erst vor zwei Tagen beim Frühlingsfest in Doberlug-Kirchhain“, betont Steve Ospalek. Dort spielen die Jungs den Song zum ersten Mal gemeinsam vor Publikum und überzeugen.

Auch beim Rest des Landes kommt der lockere Ohrwurm gut an. Aktuell ist der Song auf Platz 22 der Dance-50-Charts geklettert. „Gegensätze“ hat alles, was ein guter Deutsch-House-Pop-Song braucht. Er ist tanzbar und regt zum Nachdenken an, ohne den moralischen Zeigefinger zu heben. Ein Song, der Spaß macht, mit einem Text, den man gern mitsingt. Alles was noch fehlt ist ein passendes Musikvideo.

„Als wir über einen Drehort gesprochen haben, ist mir sofort der Bergheider See in den Sinn gekommen“, sagt Steve Ospalek. Der Tagebau See ist in Verbindung mit der F60 Brücke eine einzigartige Kulisse, die eine eigentümliche Romantik ausstrahlt und vor allem einen regionalen Bezug herstellt. „Es war uns auch wichtig einen Drehort aus der Region zu wählen“, sagt Marcus Günther.

Auch die beiden Hauptdarsteller sind aus der Region. „Steve ist ein Freund von mir. Ich sagte zu ihm: Wenn du kein passendes Pärchen findest, springen meine Freundin und ich ein. So war es dann auch“, sagt Felix Lehmann aus Hosena. Er und seine Freundin Cindy Bär aus Schwarzheide sind laut Marcus Günther perfekt für das Video. „Sie strahlen eben jene Gegensätzlichkeit aus, um die es auch im Song geht. Genau danach haben wir gesucht“, sagt der DJ. Ein Teil des Videos wurde bereits in Doberlug-Kirchhain gedreht.

Die romantischen Pärchen-Momente am See sollen das Musikvideo vervollständigen. Marcus Günther filmt alle Szenen selbst. „Es gibt DJs die alles produzieren und filmen lassen. Das ist aber viel teurer. Wenn man das selbst macht, kann man am Ende auch stolz auf seine eigene Arbeit sein“, sagt der Musiker. Steven Ospalek assistiert dem Kollegen, gibt Hinweise und achtet darauf, dass niemand durch das Bild läuft. Geduldig folgen Cindy Bär und Felix Lehmann den Regieanweisungen. „Wir sind sehr gespannt, was dabei rauskommt“, sagt Cindy Bär. Den groben Ablauf des Videos haben Marcus Günther und Steven Ospalek im Kopf. Es kann sich aber trotzdem noch einiges ändern. Bis Ende Mai, soll das Video veröffentlicht werden. „Das ist schon recht viel Aufwand in so kurzer Zeit. Aber wir sind uns sicher, dass es sich lohnen wird“, sagt Steven Ospalek.