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| 18:05 Uhr

Busses kurze Worte wie eine Bombe

Werner Busse ist in Erklärungsnot – nicht nur zum Klärwerk Münchhausen, das der Verband stilllegen will.
Werner Busse ist in Erklärungsnot – nicht nur zum Klärwerk Münchhausen, das der Verband stilllegen will. FOTO: Dieter Babbe
Sonnewalde. Für Verwirrung hat Sonnewaldes Bürgermeister Werner Busse (CDU) mit einer kurzen, missverständlichen öffentlichen Formulierung gesorgt, die bei vielen einschlägt wie eine Bombe. Danach schließt er, wie von Land und Verband gefordert, aber von Hunderten Einwohnern abgelehnt, eine Schließung des Klärwerkes in Münchhausen nicht mehr aus. Doch so, wie sie bei vielen angekommen sind, seien seine Worte nicht gemeint, erklärt Busse. Dieter Babbe

Ganz am Ende der Stadtverordnetensitzung informierte der Bürgermeister über eine Regionalkonferenz in Lübben, wo über ein "Leitbild" kommunaler Entwicklung gesprochen wurde. EU-Recht fordere laut Busse von den Klärwerken nicht mehr nur eine drei-, sondern künftig eine vier- und sogar fünfstufige Reinigung. Um diese Normen zu erreichen, könne man sich im Verbandsgebiet womöglich nur noch ein Klärwerk leisten, sagte Werner Busse - und ließ offen, wie er das meint.

Dass Busse nicht gleich ausschloss, dass für viele Sonnewalder eine Schließung des Klärwerkes in Münchhausen und eine Überleitung der Abwässer nach Lindena nicht infrage kommt, hat nach der Sitzung tüchtig für Aufregung gesorgt.

Mario Lind und Axel Eckert von der Bürgerinitiative sprechen von einer "Kehrtwende" des Bürgermeisters, der sich "von seinen Bürgern abwendet". Lind und Eckert hatten im vorigen Jahr mehr als 700 Unterschriften auch für den Erhalt des Klärwerkes in Münchhausen und gegen eine lange und teure Überleitung der Abwässer gesammelt. Die Stadtverordnetenversammlung hatte die Forderungen der Bürgerinitiative voll unterstützt - auch der Bürgermeister.

Er sei missverstanden worden, erklärt Werner Busse auf Nachfrage. "Ich bin verpflichtet, neue Informationen auch zur Abwasserentsorgung an die Abgeordneten und die Bürger weiterzugeben - das habe ich gemacht." Dabei habe er seine Überzeugung ausgesprochen, dass der Verband unter den neuen Vorgaben, die auch höhere Kosten verursachen werden, sich nur noch ein Klärwerk wird leisten können. "Mein oberstes Ziel ist es, und dabei bleibe ich, dass wir für unsere Bürger in Sonnewalde die kostengünstigste Lösung und einen bezahlbaren Preis brauchen", erklärt Busse.

Doch den Mitgliedern der Bürgerinitiative fehlt die klare Aussage, dass Sonnewalde weiter zum beschlossenen Austritt aus dem Abwasserverband und zum Erhalt des Klärwerkes in Münchhausen steht. "Der Bürgermeister unterstellt, dass die neuen Normen des EU-Rechts nur über eine Zentralisierung der Abwasserentsorgung zu erreichen wären", sagen Axel Eckert und Mario Lind - und widersprechen: "Im Leitbild steht, dass dezentrale Lösungen da erforderlich sind, wo lange Kanalleitungen zentrale Kläranlagen unwirtschaftlich machen - wie das bei einer Überleitung der Abwässer von Sonnewalde nach Lindena der Fall wäre", sind nicht nur Eckert und Lind überzeugt.

Offenkundig wird, dass der Bürgermeister und auch einige Stadtverordnete nicht mehr an ihrer beschlossenen Forderung festhalten, den Verband zu verlassen - sondern eine Lösung der Sonnewalder Abwasserprobleme im Verband suchen. Mit seinen Äußerungen hat Werner Busse allerdings auch die Stadtverordneten überrascht. "Das hat er uns so noch nie gesagt", meint einer, der ungenannt bleiben will.

Kommentar: Klartext reden!