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Bundeswehr schießt am Flüchtlingsheim

Immer noch eine der modernsten Schießanlagen betreibt die Bundeswehr an der ehemaligen Lausitz-Kaserne. Peter Schenck, Bernd Heese und Uwe Nowitzki (v.l.) sind sich einig: "Das wird die Pläne für ein Asylheim nicht stören."
Immer noch eine der modernsten Schießanlagen betreibt die Bundeswehr an der ehemaligen Lausitz-Kaserne. Peter Schenck, Bernd Heese und Uwe Nowitzki (v.l.) sind sich einig: "Das wird die Pläne für ein Asylheim nicht stören." FOTO: Heike Lehmann
Doberlug-Kirchhain. Die ehemalige Lausitz-Kaserne in Doberlug-Kirchhain wird als Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge und Asylbewerber hergerichtet. Gegenwärtig wird geprüft, ob auch Lärmschutzmaßnahmen notwendig sind. Denn: Die Bundeswehr betreibt dort noch einen ihrer modernsten Schießplätze. Heike Lehmann

Ende des Jahres könnten die ersten 400 Flüchtlinge in die Quartiere an der Torgauer Straße einziehen. Das bestätigte am gestrigen Dienstag Frank Nürnberger, Leiter der Zentralen Ausländerbehörde des Landes Brandenburg in Eisenhüttenstadt. Die Immobilie bis dahin herzurichten, ist Aufgabe des Brandenburgischen Landesbetriebs für Liegenschaften und Bauen (BLB). Zu klären ist dabei auch, ob die im Wald gelegene und von der Bundeswehr genutzte Standortschießanlage von den künftigen Bewohnern abgeschirmt werden muss. Frank Nürnberger: "Wenn erforderlich, muss über Lärmschutz nachgedacht werden."

"Nicht notwendig", ist sich Oberstleutnant Uwe Nowitzki, Leiter der Informationsarbeit beim Landeskommando Brandenburg, sicher. Er sieht den Lärmschutzmessungen des BLB gelassen entgegen. "Die Schießanlage ist 1250 Meter Luftlinie von den Quartieren entfernt. Dazwischen liegt viel Wald. Das einstige Kasernengelände gilt als Gewerbegebiet mit Mischnutzung, das heißt dort sind maximal 86 Dezibel (dB) zugelassen. Da kommen wir lange nicht heran!", sagt Nowitzki.

Das sieht auch Peter Schenck, Leiter des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums Doberlug-Kirchhain als Betreiber der Schießanlage, so. Natürlich sei die Anlage komplett eingezäunt. 70 Hektar Sicherheitsbereich im Revier Weißhaus mit entsprechenden Warnschildern umgeben sie.

Die Bundeswehr braucht den Schießplatz in Doberlug-Kirchhain, der im Jahr 2000 grundsaniert wurde und 2001 in Betrieb ging. "Er war Muster für alle danach gebauten Anlagen und ist immer noch einer der modernsten überhaupt", so Schenck. Die Trefferanzeige erfolgt elektronisch. Ein Gummigranulat fängt die Geschosse auf, die danach regeneriert werden.

Schießstandwart Bernd Heese ist der Mann vor Ort. Geschossen werden kann auf zwei Pistolenständen über 25 Meter und auf sechs 250 Meter langen Schießbahnen mit Handfeuerwaffen, sprich Maschinenpistolen und -gewehren. "Es ist bundesweit eine der wenigen Anlagen, die für das neue Schießausbildungskonzept der Bundeswehr zertifiziert sind", sagt Schenck. Genutzt wird sie von der Offiziersschule des Heeres in Dresden, der Unteroffiziersschule des Heeres in Dehlitzsch, vom Standort Frankenberg (Sachsen), dem Ausbildungskommando in Leipzig, dem Standort Schönewalde/Holzdorf und den Reservisten des Landeskommandos. Übrigens seltener als man denkt. 2012 gab es 88 Schießtage, 2013 waren es 79 und 2014 nur 60, wegen notwendiger Instandsetzungen.

Dass bei den Bewohnern des Asylheimes beim Anblick des Militärs traumatische Erlebnisse aufbrechen könnten, glaubt Oberstleutnant Nowitzki, selbst mit Auslandserfahrung, nicht. Er versichert: "Es wird hier keine Militärkonvois geben. Unsere Nutzer fahren mit Bus und Kleintransporter vor."

Kommentar: Dennoch ernst nehmen