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Wahlkampf
Bürgermeister löst den Knoten

Finsterwalde. Diese Dramaturgie ist reif für ein Bühnenstück. Da befeuert der SPD-Stadtverordnete Steffen Fröschke den Bürgermeister-Wahlkampf in der Sängerstadt, indem er vor dem 24. September öffentlich macht, dass die SPD-Fraktionsvorsitzende Hannelore Elmer entgegen einer beschlossenen Richtlinie von Bürgermeister Jörg Gampe (CDU) nicht zum traditionellen Abendessen mit den Louis-Schiller-Preisträgern eingeladen wurde. Gabi Böttcher

Auf direkte und öffentliche Anfrage verweist das Stadtoberhaupt auf eine Antwort, die er in der Stadtverordnetenversammlung am 27. September, also drei Tage nach der Wahl, geben werde. Diese Stadtverordnetenversammlung bringt zwar nicht die erwartete Antwort, dürfte aber als eine besondere in Erinnerung bleiben. Gleich zum Auftakt erklärt Steffen Fröschke, dass er zum 1. Oktober sein Mandat niederlegt - und damit nicht mehr Mitglied der SPD-Fraktion der Finsterwalde Stadtverordnetenversammlung ist. Der frisch gebackene Vater zieht zurück nach Massen ins neu gebaute Haus. Und mit seiner Verabschiedung, der ein Gespräch mit Bürgermeister Jörg Gampe (CDU) vorausgegangen war, verknüpfte er den Appell an die demokratischen Parteien im Parlament, alte Streitereien und Beschuldigungen in Zusammenhängen wie Stadthalle und AG Unbefestigte Wege hinter sich zu lassen. Seine Anfrage an den Bürgermeister ziehe er zurück. An dessen Adresse und die Stadt Finsterwalde richtete er vielmehr den Wunsch: Bleiben Sie Vorreiter und Vorzeigestadt Finsterwalde.

Dass er auf eine Nachfrage zur Elmer-Einladung verzichten werde, habe er seiner Fraktion vorher nicht angekündigt. "Das ist mir nicht leicht gefallen", so Steffen Fröschke gegenüber der RUNDSCHAU. Er kenne jedoch beide Standpunkte und deren Darstellung hätte vermutlich wieder in einem Desaster geendet. "Ich wusste nicht, dass er die Anfrage zurückziehen würde", bestätigt SPD-Fraktionskollege Alexander Piske. Sehr wohl habe man sich aber zuvor in der Fraktion verständigt, dem Bürgermeister an diesem Abend die Hand zu reichen und für die nächsten acht Jahre eine konstruktive Arbeit einzuleiten. "Ich wünsche mir einen politischen Wettstreit zum Wohle der Stadt, bei dem die Positionen aller Fraktionen akzeptiert werden und man sich weiterhin in die Augen schauen kann", so Alexander Piske. Außer Frage stehe für ihn, dass bis zum Jahr 2019 an Hanneleore Elmer festgehalten werde. Die Fraktionsvorsitzende selbst widerspricht der Aussage ihrer Genossen. Sie habe gewusst, dass Steffen Fröschke die Frage nach der zu Unrecht ausgebliebenen Einladung nicht noch einmal stellen würde. So fühle sie sich auch nicht im Stich gelassen. Man habe vielmehr überlegt, die Einladung noch einmal in kleiner Runde einzufordern. So der Stand der Dinge noch am Donnerstagabend.

Freitag, 10.59 Uhr, löst sich dann der gordische Knoten ganz einfach auf. Per Mail teilt Stadtsprecherin Paula Vogel auf eine entsprechende Anfrage der RUNDSCHAU an den Bürgermeister mit: Frau Elmer ist schriftlich durch Herrn Gampe eingeladen worden. Damit dürfte die Kuh im Hinblick auf das Louis-Schiller-Abendessen vom Eis sein. Hannelore Elmer wird die Einladung annehmen.

Dass sie und Bürgermeister Gampe noch einmal Freunde werden könnten, glaubt in Finsterwalde aber wohl niemand. Die Hoffnung indes lebt weiter, dass einmal ein Schlussstrich unter alte Rechnungen gezogen und gemeinsam nach vorn geschaut werden kann. Steffen Fröschke führte einen gemeinsamen Abend der konkurrierenden Bundestagsdirektkandidaten Michael Stübgen und Hannes Walter vor der Wahl in Massen an. Der sei trotz verschiedener Auffassungen ein angenehmer Abend gewesen. Einen solchen wünschen sich sicher auch die Louis-Schiller-Preisträger des Jahres 2016 Dieter Pätzold und Hans-Dieter Unkenstein. Sie sind am 19. Oktober schließlich die Hauptpersonen.

Stadtverordnetenvorsteher An-dreas Holfeld (CDU) zur Wende im Einladungs-Drama erleichtert: "Ich freue mich. Und ich hoffe, dass es so gut weitergeht wie mit der Diskussion über die Beethovenstraße und den Spielplatz in der Scharnhorststraße." Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Thomas Zimniak begrüßt die Handreichungen nunmehr von beiden Seiten. Und setzt auf ein "Weiter so". Linken-Chef Udo Linde: "Ich erwarte ein konstruktives Arbeiten. Und das Menschen auch mal über den Dingen stehen können."