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Bürgermeister-Kandidaten hautnah

Doberlug-Kirchhain. Das Interesse der Doberlug-Kirchhainer an der Entwicklung ihrer Stadt ist groß. Die Resonanz auf das Angebot der Lausitzer Rundschau, die vier Kandidaten für die am 24. September ins Haus stehende Bürgermeister-Wahl näher kennenzulernen, lässt diesen Schluss zu. Gabi Böttcher

Konzentriert folgten die etwa 250 Gäste am Mittwochabend im Refektorium des Schlosses zwei Stunden lang dem Frage- und Antwort-Spiel zwischen Rundschau-Redakteurin Heike Lehmann und den Kandidaten. Eigene Fragen wurden gestellt.

"Es war nicht uninteressant. Und ich habe ein wenig mehr Klarheit gewonnen", sagte am Ende des Forums Bärbel Wilde.

Respektvoll und sachlich gingen die Kandidaten für das Bürgermeister-Amt miteinander um und bestimmten damit ein ebenbürtiges Echo aus dem Saal und das Klima des Abends. Amtsinhaber Bodo Broszinski (FDP) zeigte sich souverän, seine Herausforderer Torsten Drescher (SPD), Sebastian Rudolph (CDU) und Ingo Setzermann (parteilos/Linke) boten eine gleichermaßen solide Vorstellung.

Städtebauliche Missstände, Ruinen im Stadtbild sind allen Kandidaten ein Dorn im Auge. Torsten Drescher sieht im Druck auf die Eigentümer und im Zusammenwirken von Verwaltung und privaten Partnern Reserven. Sich Eigentümeranteile aus Erbengemeinschaften zu sichern, sei ein möglicher Schritt auf einem viel Kraft kostenden Weg. Der Motor dafür müsse die Verwaltung sein, betonte Sebastian Rudolph und führte das Beispiel der Sängerstadt an. "Wir müssen da viel motivierter, aggressiver vorgehen", meinte Rudolph. Ingo Setzermann will stärker den Blick über den Tellerrand richten und sehen, welche Ideen es in anderen Orten gegen den Leerstand gebe. "Es ist ganz wichtig, erst mal ein Leerstandskataster aufzustellen", meinte er. Bodo Broszinski verwies auf seine Erfahrungen mit verwahrlosten Grundstücken. Man könne niemanden enteignen. Im Falle des Liepackschen Grundstückes hätten Stadt und Wohnungsgesellschaft bereits Teile erworben. "Aber genau in der Mitte steht die Ruine. Sie einfach mit dem Bulldozer abzureißen, das geht nicht", so Broszinski. Händeringend habe man anderen Eigentümern Städtebaufördermittel angeboten, aber immer wieder ein Nein, Nein, Nein gehört. "Wenn der Weg so einfach wäre, wären wir ihn gegangen", versicherte Broszinski.

Immer wieder drehten sich die Frage- und Antwort-Runden um das Zusammenspiel von Vorhaben und dem zur Verfügung stehenden Geld. Sebastian Rudolph würde einen Kultur- und Vereinskoordinator einstellen, der aus seiner Sicht dringend notwendig sei um die Motivation der Ehrenamtlichen, unter ihnen die Feuerwehrleute, zu fördern. Es gehe zunächst um Ideen, gemeinsam mit dem Parlament sei dann zu schauen, wo das Geld herkäme, so Rudolph.

Einen Schwerpunkt seiner Arbeit als Bürgermeister sehe Ingo Setzermann darin, die Bürger bei den Entscheidungen besser mitzunehmen, wofür neben den Pflichtaufgaben Geld ausgegeben werden solle. "Wir müssen die Leute abholen und sehen, dass die Säle wieder so voll sind wie heute", wünschte er sich. Bodo Broszinski: "Eine solide Haushaltspolitik ist das Wichtigste, damit wir langfristig handlungsfähig sind." Nach einem Haushaltsfehlbetrag von 4,6 Millionen Euro bei seinem Amtsantritt habe man nunmehr seit 2011 einen ausgeglichenen Haushalt. Aus Überschüssen könnten Rücklagen für Projekte gebildet werden. Torsten Drescher sprach sich dafür aus, nicht in jedem Jahr die gleichen Dinge zu fördern. Und man müsse sich immer wieder fleißig um Mittel aus Fördertöpfen bewerben. Hier sehe er Reserven.

Matthias Manig aus Trebbus vermisste im Verlauf des Abends die Ortsteile. Auch hier sieht Torsten Drescher Möglichkeiten, Fördermittel zu generieren.

Karin Böttcher rückte die "soziale Schiene" ins Blickfeld. Die Situation in manchen Kitas sei unbefriedigend. Und wer bestimme hier eigentlich über den Personalschlüssel? Bodo Broszinski: "Der Personalschlüssel ist gesetzlich vorgegeben." Aber es seien sowohl nach dem Bundes- als auch dem Landeskitainvestitionsgesetz Anträge gestellt, um Verbesserungen zu erreichen.

Beifall erhielt Sebastian Rudolph für sein Plädoyer, die Stadt als Schulstandort zu pushen und auch die Vorteile zu nutzen, die sich aus dem Campus des evangelischen Gymnasiums für die Stadtentwicklung ergeben. Er sprach sich für ein Miteinander von Stadt und privaten Trägern aus. Ein ebensolches Miteinander sieht er in der interkommunalen Zusammenarbeit mit dem Amt Elsterland und in der Sängerstadtregion. Auf bereits praktizierte Zusammenarbeit mit dem Amt verwies Torsten Drescher und schob nach: "Vielleicht wird es ja mal eins." Sein Versprechen, im Falle seiner Wahl zum Bürgermeister in die freiwillige Feuerwehr einzutreten, wolle er auch im Falle der Nichtwahl einlösen. Das antwortete Drescher auf eine entsprechende Frage von Gert Fest.

Ob es der Bürgermeister bereut habe, das Gebäude des Bahnhofes ersteigert zu haben, wollte Rundschau-Redakteurin Heike Lehmann wissen. "Der Bahnhof ist ein stadtbildprägendes Gebäude. Ich freue mich, dass wir uns Zeit für ein Nutzungskonzept nehmen", so Bodo Broszinski. "Wir können das Gebäude aber nicht auf Kosten der Stadt entwickeln. Wir brauchen finanzkräftige Ankerpunkte", betonte er weiter. Der Bahnhof sei ein starkes Thema für Bürgerbeteiligung, unterstrich Torsten Drescher und schlug vor, bei einem Tag der offenen Tür mit den Bürgern über die Nutzung ins Gespräch zu kommen. Sebastian Rudolph will im Interesse der Mitsprache der Jugend ein Jugendparlament einführen: "Was im Stadtparlament ankommt, ist nicht unbedingt das, was die Jugend wirklich will." Mit den Leuten reden, zuhören - das findet Sebastian Rudolph als besonders wichtig für einen Bürgermeister und erhält dafür Beifall. Ingo Setzermann und Torsten Drescher stimmen ihm voll zu. Drescher will Ortsteilgespräche mit der Verwaltung vor Ort. Amtsinhaber Broszinski an seine Herausforderer: "Mein Wunsch wäre eine Woche mit zehn Tagen und der Tag mit 30 Stunden. Man stößt auch an Grenzen. Muss manchmal auch Nein sagen."

Den letzten Wunsch des Abends an das Publikum forderte sich Ingo Setzermann ein: "Gehen Sie am 24. September wählen!"