. Die Umverlegung des Pfeifgrabens bringt Manfred Hirschnitz in Rage. Wenn er den Bauplan vor sich ausbreitet, weiß er sofort, was bei diesem Projekt nicht stimmt. Das Projekt werde gegen den Willen der Bürger verwirklicht. Der Grundwasserpegel werde nach der Umverlegung steigen. Außerdem werde Fördergeld verschwendet. Mit seiner Meinung ist Hirschnitz nicht allein. Unterschriften habe er gesammelt und im Rathaus abgegeben. 13 Unterzeichner habe das Papier.

Rückblende: Das aus dem Quellgebiet in Sachsen kommende Wasser soll in Wainsdorf künftig oberirdisch fließen (siehe Grafik). Das Vorhaben umfasst drei Bauabschnitte. Die beiden ersten Abschnitte beinhalten eine Renaturierung des Grabens nördlich von Wainsdorf bis zum Binnengraben an der Pulsnitz. Die Bauarbeiten sollen noch in diesem Jahr starten. Beim dritten Teil soll der südliche Abschnitt des Gewässers wieder naturecht gestaltet werden – inklusive einer Verlegung des Pfeifgrabens aus der Ortslage heraus, in der große Teile verrohrt sind. In den 1970er-Jahren wurde der Pfeifgraben im Rahmen einer sogenannten Komplexmelioration dort begradigt.

Mit der Umverlegung soll sich der Wasserhaushalt in der Region verbessern. Das werde vor allem der Tier- und Pflanzenwelt nützen, so die Idee. Grundlage für die Umverlegung ist das Programm der Renaturierung von Fließgewässern. Das wiederum stützt sich auf die europäische Wasserrahmenrichtlinie. Demnach ist der Pfeifgraben als quellgespeistes Gewässer besonders sensibel und damit schützenswert. Vom Landesumweltamt über die Untere Naturschutzbehörde bis zum Gewässerverband haben das mehrere Fachgremien in Dutzenden Sitzungen und Diskussionen bestätigt.

Doch damit nicht genug: Erst muss der Verband für Landentwicklung und Flurneuordnung Brandenburg den Gewässer- und Wegeplan genehmigen. Mit dem dann geschaffenen Baurecht können die benötigten Fördermittel beantragt werden. Vorher passiert in Wainsdorf nichts.

„Der dritte Bauabschnitt würde gegen den Willen vieler Bürger geschehen“, sagt Hirschnitz. Er befürchtet, dass der alte durch Wainsdorf verlaufende Graben nach der Umverlegung früher oder später Probleme bereiten wird. „Bisher funktioniert doch alles“, sagt er. In mehreren Informationsveranstaltungen und Versammlungen wurde das Vorhaben mit den Bürgern diskutiert. Weil nicht mit allen eine Lösung gefunden werden konnte, musste die endgültige Entscheidung durch die Gemeindevertretung getroffen werden. Diese votierte Ende April mehrheitlich für das Vorhaben. Und im Gegensatz zur ursprünglichen Variante soll der alte Graben im Ort so bleiben. Nur nicht mit frischem Quellwasser.

Bedenken, dass mit einer Umverlegung des Pfeifgrabens der Grundwasserspiegel im Ort steigen könnte, hält Bauamtsleiter Günter Heller für unbegründet. Das bestehende Grabensystem steht zur „eventuellen Entwässerung ja weiter zur Verfügung“. Allerdings werde kein Quellwasser aus dem Pfeifholz mehr durch die Ortslage und damit durch die Gärten der protestierenden Anlieger geführt. Der stellvertretende Bürgermeister hatte den Kritikern wiederholt vorgeworfen, dass sie illegal Wasser aus dem Graben entnehmen würden.

Beim Thema Geld schüttelt der Chef des Gewässerverbandes „Kleine Elster – Pulsnitz“, Hubertus Brückner, den Kopf. Zwar werde die Umverlegung einen sechsstelligen Betrag kosten, doch würden keine Verbandsmittel eingesetzt. „Das Bauvorhaben wird komplett aus Töpfen der Europäischen Union und des Landes Brandenburg finanziert“, so Brückner. Für die Gemeinde Röderland hat die Umverlegung des Pfeifgrabens aber einen anderen Effekt. Bisher musste für die Instandhaltung der Rohre in Wainsdorf Geld aus dem Gemeindetopf fließen. Nach der Renaturierung ist der Gewässerverband dafür zuständig.