ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:19 Uhr

Bürger machen Druck beim Abwasser

Mehr als 500 Unterschriften will Axel Eckert am Mittwoch bei der Einwohnerversammlung an den Bürgermeister übergeben.
Mehr als 500 Unterschriften will Axel Eckert am Mittwoch bei der Einwohnerversammlung an den Bürgermeister übergeben. FOTO: Dieter Babbe
Sonnewalde. Die hohen Abwasserkosten in Sonnewalde erhitzen seit Jahren die Gemüter – im Verband, in der Stadtverordnetenversammlung, bei den Unternehmen, in der Bürgerschaft. Inzwischen wächst immer mehr der Druck "von unten". Jetzt initiieren zwei Sonnewalder eine Unterschriftenaktion und laden am morgigen Mittwoch zu einer Bürgerversammlung ein. Dieter Babbe

Mehr als 500 Unterschriften haben Axel Eckert und Mario Lehmann zusammengetragen, die sie am Mittwoch Bürgermeister Werner Busse überreichen wollen. In einem "Einwohnerantrag" werden die Verantwortlichen aufgefordert, alle weiteren Planungsschritte zum Bau einer Abwasserleitung ins Klärwerk Lindena einzustellen.

Neues Konzept für Sonnewalde

Stattdessen wird gefordert, ein völlig neues Entsorgungskonzept für die Stadt Sonnewalde und ihre Ortsteile von unabhängigen Experten erarbeiten zu lassen. Dieses Konzept müsse berücksichtigen, dass die Region in den nächsten Jahren weiter drastisch an Bevölkerung verliere, wobei ein großes Leitungsnetz bei sinkenden Einwohnern die Abwasserentsorgung weiter verteuert, steht für Eckert und Lehmann fest. Sie fordern, das neue Entsorgungskonzept in Form eines Variantenvergleichs öffentlich zu machen und den Einwohnern in transparenter Weise vorzustellen. Weiter wollen sie prüfen lassen, "ob das unausgewogene Stimmenverhältnis in der Verbandsversammlung", wo Sonnewalde lediglich vier von 18 Stimmen hat und stets überstimmt wird, "noch dem verfassungsrechtlichen Grundsatz der kommunalen Selbstverwaltung entspricht". Für Mario Lehmann steht fest: "Am Austritt der Stadt Sonnewalde aus dem Verband führt kein Weg vorbei."

Seine kleine Familie müsse mit allen Nebenkosten 18 Euro pro Kubikmeter Wasser und Abwasser zahlen, rechnet Axel Eckert vor. "Das ist das Fünffache des Bundesdurchschnittes und der höchste Betrag, der in Deutschland gezahlt werden muss", stellt der Sonnewalder fest. Er befürchtet, dass weitere Folgekosten in Form von Erneuerungsbeiträgen, wenn die langen Leitungen saniert werden müssen, auf die Anlieger zukommen. "Unsere Kinder und Enkelkinder zahlen noch für ein Abwassernetz, das für die verbliebene Bevölkerung viel zu groß ist und immer teurer wird", erklärt Eckert.

Mit der erneuten Bürgerinitiative soll erzwungen werden, dass über kostengünstige Lösungen und über Alternativen nachgedacht wird. "Leitungslängen ab fünf Meter pro Einwohner sind unökonomisch, sagen die Fachleute. In Sonnewalde haben wir Leitungslängen von 22 Metern pro Einwohner." Für Eckert sind im dünnbesiedelten ländlichen Raum dezentrale Kleinkläranlagen oder Biokläranlagen die Alternative zu einem Anschluss an das Klärwerk in Lindena.

Der Region eine Zukunft geben

"Die Bürger haben die Schnauze voll, bei vielen liegen die Nerven blank und mancher Stadtverordnete scheint bereits kapituliert zu haben, nachdem man seit Jahren vergeblich gegen den Verband kämpft", stellen Axel Eckert und Bernd Lehmann fest. "Doch das Leben muss in Sonnewalde lebenswert bleiben. Das teure Abwasser darf nicht weiter noch zusätzlich junge Menschen aus unserer Region vertreiben. Sonnewalde braucht eine Zukunftslösung", fordern die beiden.

Mit dem Einwohnerantrag soll das Thema Abwasserentsorgung in Sonnewalde noch einmal neu aufgerollt werden, beabsichtigen Axel Eckert und Mario Lehmann. Zur Unterstützung haben sie sich Peter Ohm, den Präsidenten vom Verband der Deutschen Grundstücksnutzer, eingeladen. Der Bürgertreff findet am Mittwoch um 17 Uhr in der Gaststätte Strauch in Schönewalde statt.

Zum Thema:
Bereits im September haben Firmeninhaber und Gewerbetreibende von Sonnewalde gefordert, das Abwasserkonzept neu zu überdenken. In einem Gewerbestammtisch ist die vom Verband beschlossene Überleitung der Abwässer als "wirtschaftlicher Unsinn" bezeichnet worden, auf die unbedingt verzichtet werden soll. In einem Schreiben an das Land wollte man der Forderung nach einem neuen Abwasserkonzept Nachdruck verleihen.