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| 18:01 Uhr

Bahn-Brücke in Finsterwalde wächst
Brücke in Sonnewalder Straße komplett

Es ist geschafft: Der zweite Brückentrog sitzt auf den Widerlagern. Am Dienstag konnte der Montagekran wieder zurückgebaut werden.
Es ist geschafft: Der zweite Brückentrog sitzt auf den Widerlagern. Am Dienstag konnte der Montagekran wieder zurückgebaut werden. FOTO: Gabi Böttcher
Finsterwalde. Das zweite Segment der neuen Bahn-Brücke in der Sonnewalder Straße erreicht am Dienstag, 3 Uhr, seine finale Position. Jetzt werden Betonarbeiten ausgeführt und die Baustelle beräumt. Von Gabi Böttcher

Es ist windig und kalt in dieser Nacht zum Dienstag an der Eisenbahn-Brücke in der Sonnewalder Straße. Nur wenige Baustellentouristen haben sich eingefunden, um das Einschweben des zweiten Troges auf der Südseite der Bahn-Brücke zu verfolgen. Ob einer von ihnen in einer schützenden Ecke das Ziel der Mission verfolgt hat, ist unbekannt. Gewiss ist, dass die Monteure der Schiffswerft Roßlau und die Kranbesatzung von Thömen aus Potsdam die angezeigte Sperrpause von Montag 22.30 Uhr bis Dienstag 4 Uhr hindurch alle Hände voll zu tun hatten. Um 22.54 Uhr passierte der letzte Zug die Strecke, bevor die Brückenbauer freie Fahrt bekamen.

Fred Schneider, Projektleiter Brücke bei der DB Netz, macht es offiziell: „Um 3 Uhr hatte der Trog seine Endlage, um 3.30 Uhr wurde die Sperrpause aufgehoben.“ Eine lange Nacht auch für Wolfgang Borchers, Jahrgang 1957, der seit 1980 für Stahlbau Dessau – heute Schiffswerft Roßlau – als Monteur republikweit unterwegs und eigentlich in Heringsdorf zu Hause ist. In dieser Nacht war er „mal schnell“ von der Baustelle der Autobahnbrücke bei Pforzheim herüber nach Finsterwalde gekommen. „Dort wird am 1. Dezember eine 1000-Tonnen-Brücke eingehoben“, sagt der routinierte Brückenmonteur. Der Akt in Finsterwalde sei dagegen „pillepalle“. Hier bringt das Brückenteil 120 Tonnen auf die Waage, ist 21 Meter lang und 5,30 Meter breit.

Monteur Wolfgang Borchers von der Schiffswerft Roßlau mit den Zaungästen Helmut und Gisela Pietschmann, die aus Großkrausnik angereist waren, um den Einhub des zweiten Brückentroges in der Sonnewalder Straße zu erleben.
Monteur Wolfgang Borchers von der Schiffswerft Roßlau mit den Zaungästen Helmut und Gisela Pietschmann, die aus Großkrausnik angereist waren, um den Einhub des zweiten Brückentroges in der Sonnewalder Straße zu erleben. FOTO: Gabi Böttcher

Doch ganz so einfach war es dann wohl auch in Finsterwalde nicht. Denn bevor Vermesserin Anja Feisthauer mit der Endlage der Brücke hundertprozentig zufrieden war, musste von der ersten Ablage des Teils – laut Augenzeugen gegen 1.30 Uhr – bis zum Schlusspunkt doch einige Feinarbeit geleistet werden.

Bevor der auf dem Schwertransporter bereitliegende Brückentrog (vorn im Bild) eingehoben werden kann, hängen die sogenannten Gehsteige am Haken des Krans. Sie müssen zuerst an den nördlichen Brückentrog montiert werden.
Bevor der auf dem Schwertransporter bereitliegende Brückentrog (vorn im Bild) eingehoben werden kann, hängen die sogenannten Gehsteige am Haken des Krans. Sie müssen zuerst an den nördlichen Brückentrog montiert werden. FOTO: Gabi Böttcher

Gegen 11 Uhr hatten die Kollegen um Jens Hoffmeister von der Kran-Firma am Montag mit dem Aufbau des 500-Tonners von Liebherr vor der südlichen Brückenseite begonnen. Bevor in der Nacht zum Dienstag der südliche Brückentrog eingehoben werden konnte, war ein sogenannter Gangsteg zu montieren. Dieser wurde am nördlichen, bereits am 10. August verankerten neuen ersten Brückentrog angebracht. Der Gangsteg befindet sich zwischen den beiden Brückensegmenten und sorgt für die Erreichbarkeit der Gleise. Zum Beispiel auch für den Fall, „wenn ein Halt des Zuges auf der Brücke notwendig wird und Passagiere aussteigen müssen“, erklärte Dieter Müller, Bauleiter von der H. Klostermann Baugesellschaft.

Dieter Müller, Bauleiter von der Klostermann Baugesellschaft (l.), und Jens Hoffmeister von der Kranfirma.
Dieter Müller, Bauleiter von der Klostermann Baugesellschaft (l.), und Jens Hoffmeister von der Kranfirma. FOTO: Gabi Böttcher

Seit Dienstag laufen nun Betonarbeiten am Brückenbauwerk. Ab Freitag, 23. November, 22 Uhr, bis zum 27. November, 4 Uhr, gibt es die nächste Streckensperrung. In dieser Zeit werden Gleisanlagen und Oberbau sowohl im südlichen neuen Bereich, als auch in Einheit mit dem bereits aktiven nördlichen Gleis abschließend fit gemacht. Ziel ist es, dass der volle Zugbetrieb ab dem 27. November, 4 Uhr, dann zweigleisig über die neue Brücke rollt.