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| 02:42 Uhr

Bronzene Frauen des Platzes verwiesen

Noch am Donnerstag in der Finsterwalder Tuchmacherstraße: Die "Schreitenden Frauen" am vertrauten Ort seit 35 Jahren.
Noch am Donnerstag in der Finsterwalder Tuchmacherstraße: Die "Schreitenden Frauen" am vertrauten Ort seit 35 Jahren. FOTO: Böttcher
Finsterwalde. Rainer Herrmann aus Finsterwalde glaubte am Freitag seinen Augen nicht zu trauen. Die Bronzeplastik "Schreitende Frauen", die seit 35 Jahren ihren Platz vor dem Schulgebäude in der Tuchmacherstraße hatte, wurde abgebaut. Gabi Böttcher

Wenig später fand sie ihren neuen Platz auf dem Schulhof des Sängerstadt-Gymnasiums. Dies, so ist aus der Kreisverwaltung zu hören, sei im Zuge der gegenwärtig laufenden Umgestaltung der Außenanlagen des Campus geschehen.

Die Bronzeplastik stammt vom Senftenberger Bildhauer Ernst Sauer aus dem Jahr 1978. Sie war einst für den freien Platz, wo sich jetzt die Südpassage befindet, vorgesehen und sollte unmittelbar vor einer geplanten Gaststätte aufgestellt werden. Da diese aber nicht gebaut wurde, erhielt das bereits vollendete Kunstwerk am 1. Januar 1980 vor dem Schulgebäude in der Tuchmacherstraße, der damaligen Erweiterten Oberschule "Georgi Dimitroff", seinen Platz. Einen Platz, der, wie Rainer Herrmann findet, sehr passend und vor allem für die Öffentlichkeit sichtbar war.

Da die "Schreitenden Frauen" zum Vermögen des Landkreises gehören und "die Zukunft der Liegenschaft Tuchmacherstraße ungewiss ist", sollte die Plastik am neuen Schulstandort inte griert werden, heißt es aus der Kreisverwaltung. Gleichzeitig betont Dezernent Roland Neumann, dass die Umsetzung nicht im Zusammenhang mit der Nutzung des Gebäudes als Notunterkunft für Asylbewerber stehe.

Bei der Stadt zeigte man sich überrascht von dem Ortswechsel der Skulptur. Da es sich sowohl um ein kreisliches Grundstück als auch um kreisliches Eigentum handelt, war offenbar keine Abstimmung erforderlich. Die Anschaffungskosten für die Skulptur betrugen laut Ermittlungen der Kreisverwaltung aus dem Jahr 2009 umgerechnet rund 10 700 Euro. Die Umgestaltung der Außenanlagen des Gymnasiums soll zum großen Teil zum Schuljahresbeginn am 1. September und in weiteren Teilen Ende Oktober abgeschlossen sein.

Für den Schulhof bedeutet die Sauer-Plastik zweifellos eine Aufwertung. Dass sie nun aber aus dem öffentlichen Stadtbild verschwunden ist, schmerzt nicht nur Rainer Herrmann.

Schon am Freitag hatten die Frauen ihren neuen Platz am Rande des Außengeländes des Sängerstadt-Gymnasiums gefunden.
Schon am Freitag hatten die Frauen ihren neuen Platz am Rande des Außengeländes des Sängerstadt-Gymnasiums gefunden. FOTO: Böttcher