ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 20:00 Uhr

Brandenburger Archivpreis 2018 für Stadtarchiv Finsterwalde
Ältester Schatz aus dem Jahr 1665

Den Brandenburger Archivpreis übergab Wolfgang Krogel an Daniela Reichardt vom Finsterwalder Stadtarchiv und Bürgerrmeister Jörg Gampe.
Den Brandenburger Archivpreis übergab Wolfgang Krogel an Daniela Reichardt vom Finsterwalder Stadtarchiv und Bürgerrmeister Jörg Gampe. FOTO: LR / Gabi Böttcher
Finsterwalde. Hochachtung der Archivare Brandenburgs für das Archiv der Sängerstadt – Landesverbandschef Dr. Wolfgang Krogel überbringt Urkunde und 2000 Euro. Von Gabi Böttcher

Es war eine Kollegin aus Elbe-Elster, die das Finsterwalder Stadtarchiv und damit auch dessen Leiterin Daniela Reichardt sowie die städtischen Akteure hinter ihr für den Brandenburgischen Archivpreis 2018 vorgeschlagen hat. Sabine Kretzschmann aus Bad Liebenwerda weiß, dass Daniela Reichardts Herz für das  Stadtarchiv schlägt und sie kommt aus der Sicht der Fachfrau ins Schwärmen: „Das Archiv macht einen so erhabenen Eindruck“, sagt Sabine Kretzschmann und meint das Ambiente der anlässlich des Tages des Denkmals 2015 übergebenen, sanierten ehemaligen Fabrikanten-Villa in der Geschwister-Scholl-Straße. Auch die von der Stadt gezielt auf den Weg gebrachte Nutzungskonzeption mit den Synergien von Stadtarchiv und Bibliothek findet sie vorteilhaft. Für Bürgermeister Jörg Gampe (CDU) ist der Preis gleichsam Bestätigung der Richtigkeit, den seinerzeit von manchem als verrückt bezeichneten Schritt zu gehen, die Villa zu ersteigern und das in der Stadtverordnetenversammlung nicht unumstrittene Konzept zu verwirklichen. Und so geht sein „Hut ab für den Bau“ auch an Bauverwaltung und Gebäudemanagement.

Die Entscheidung, ein eigenes öffentliches Archiv aufzubauen, liegt indes weiter zurück. Dr. Wolfgang Krogel, Vorsitzender des Landesverbandes Bandenburg im Verband deutscher Archivarinnen und Archivare, erinnerte an das Jahr 2003. Hier sei im Hinterschloss bereits ein modernes Stadtarchiv eingeweiht worden. Eine von den Stadtverordneten beschlossene Archivsatzung schuf die Basis für die Nutzung des Archivierten. Sabine Kretzschmann über das Engagement ihrer Kollegin Reichardt: „Sie überzeugte  das Brandenburgische Landeshauptarchiv davon, dass in Finsterwalde nun die fachlichen Voraussetzungen für die dauerhafte Verwahrung und Benutzung der ältesten Überlieferungen der Stadt gegeben seien.“ So lagern jetzt hier die Akten der Provinz Brandenburg, der Repositur 8, Stadt Finsterwalde.

Probleme mit der Feuchtigkeit und zunehmende Platzsorgen im Hinterschloss führten schließlich zur Suche nach neuen Räumen. Mit bekanntem Ausgang. Dr. Krogel: „Dem Vorstand und der Mitgliederversammlung des Landesverbandes ist aufgrund klarer Argumente die Entscheidung leicht gefallen, den Archivpreis 2018 an das Stadtarchiv Finsterwalde zu geben.“ Dr. Krogel würdigte unter anderem die kompakte Lagerung, die Ausstattung mit einer Klimaanlage, den Lesesaal mit vier Arbeitsplätzen, die digitalisierten Personenstandsunterlagen.

Daniela Reichardt räumt ein, dass Geschichte in der Schule nicht ihr liebstes Fach gewesen sei. Doch wenn sie heute über ihre Arbeit spricht,  dann  schwingen  fachliches Wissen, Akkuratesse und Leidenschaft gleichermaßen mit. Geboren in Finsterwalde und nach Lehre und Ausbildung in der hiesigen Stadtverwaltung sowie an der FH Potsdam im städtischen Archiv sesshaft geworden,   hört sie heute nicht selten, den schönsten Arbeitsplatz in der Stadtverwaltung zu haben. Schülerprojekten, die auf geschichtlichen Quellen basieren, konnte sie ebenso mit zum Erfolg verhelfen wie manchem Forschenden auf dem Wege zu wissenschaftlichen Publikationen. Die Freude über zufriedene Nutzer des Stadtarchivs treibt die 41-Jährige weiter an. Ihr nächstes Ziel ist es, eine Übersicht über alle Bestände im Internet sichtbar zu machen. Und da hat das Stadtarchiv einiges zu bieten: Die ältestes Urkunde stammt aus dem Jahr 1665 und bestätigt per Unterschrift von Christian I. von Sachsen-Merseburg die Innungsartikel des Tuchmachergewerkes zu Finsterwalde. Aber auch 55 laufende Meter Akten und Amtsbücher, 490 Reproduktionen von Postkarten, rund 1000 Fotos, etwa 100 Plakate, 15 laufende Meter Klassenbücher zweier Finsterwalder Schulen, 30 laufende Meter Gesetzesblätter und Zeitungen – darunter die Lausitzer Rundschau seit 1990 – zehn laufende Meter audiovisuelle Medien, aber auch gegenständliches Archivgut wie der noch ganz frische Button zum 30. Jubiläum der Städtepartnerschaft mit Eppelborn sind zu nennen. Das Personenstandsregister – im Jahr 1874 beginnend – ist digitalisiert und kann „gut durchgeklickert“ werden, freut sich Daniela Reichardt. Geburtsurkunden bis zum Jahr 1907, Eheurkunden bis zum Jahr 1937, Sterbebücher bis zum Jahr 1987 – dieses und mehr ist ein wahrer Schatz, den Daniela Reichardt pflegt und gern mit Neugierigen teilt.

Geöffnet hat das Stadtarchiv dienstags und donnerstags von 9 bis 12 Uhr und von 13 bis 15 Uhr.