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Bräute ziehen an Sonnewalde vorbei

Sonnewalde. Ein Fernsehteam möchte in Sonnewalde Junggesellen aufspüren – denen man bei der Suche nach einer Frau behilflich sein will. Doch das hat in der Stadt und in ihren vielen Ortsteilen für einen Aufschrei der Empörung gesorgt. Die Fernsehleute haben ihre geplanten Drehtermine abgesagt. Von Dieter Babbe

Die bekannte Produktionsfirma Endemol hatte sich an die Stadtverwaltung gewandt und um Unterstützung bei ihren Recherchen gebeten. Für eine neue TV-Produktion für den Fernsehsender VOX würden Junggesellen auf dem Lande gesucht. „Da wir als Behörde keine Namen weiter geben dürfen, haben wir dem Fernsehteam lediglich eine Liste mit den Sonnewalder Vereinen übergeben“, sagt Yvonne Gutsche, im Rathaus für Kultur und Tourismus zuständig. Doch als die Fernsehleute sich dann mit den Vereinen in Verbindung setzen wollten, gab es eine klare Abfuhr.

„Leute werden verarscht“

„Wir lassen uns nicht im Fernsehen durch den Kakao ziehen und als dumme Bauern hinstellen“, reagierte man empört. „Man weiß doch wie das läuft: Die Leute werden nach Strich und Faden verarscht“, sagt Thomas Galle vom Karnevalsklub – ansonsten für jeden Spaß zu haben. Die diesjährige Saison hat in Sonnewalde sogar etwas mit dem Fernsehen zu tun und steht unter dem Motto „Werbespot und Farb-TV – der RCC lässt raus die Sau“. „Wir haben im Verein Junggesellen, ich würde nie ihre Namen an einen Fernsehsender geben. Wer unbedingt in diese Sendung möchte, der kann sich ja selbst melden.“

Sportler drohen mit Austritt

Auch beim Sportverein schlug der angekündigte Besuch des Fernsehteams hohe Wellen. „Das hat sogar unsere Vereinsfeier getrübt“, sagt Mario Schicketanz, der Vorsitzende. „Unsere Junggesellen haben erklärt: Wenn ihr uns beim Fernsehen meldet, dann treten wir aus dem Verein aus.“ Auch Ortsvorsteher Axel Große lehnt solche Art Werbung für Sonnewalde ab. „Lächerlich machen zu lassen brauchen wir uns nicht“, sagt er. „Auf unsere Kosten will das Fernsehen Quote machen.“ „Ich habe einmal ,Bauer sucht Frau' gesehen – nie wieder“, sagt Bodo Woldt. „Hier wird mit den Gefühlen der Menschen gespielt – dass sich Leute überhaupt für so etwas hergeben“, wundert den Junggesellen aus Sonnewalde.

Bei der Stadtverwaltung hatte man es gut gemeint, als die Namen der Vereinsvorsitzenden weitergereicht wurden: „Es sollte ja auch eine Werbung für Sonnewalde werden“, versprach sich Yvonne Gutsche davon. Doch die Ankündigung der Fernsehleute habe schließlich sogar die Adventsstimmung auf dem Sonnewalder Weihnachtsmarkt getrübt. „Das war ein heißes Gesprächsthema“, hat die Rathausfrau erfahren. Als das bei der Produktionsfirma bekannt wurde, seien die Drehaufnahmen in Sonnewalde abgeblasen worden.

Nach den Protesten macht der Fernsehproduzent offensichtlich einen Rückzieher. „Wenn man in Sonnewalde kein Interesse an einer Zusammenarbeit mit uns hat, dann akzeptieren wir das und recherchieren woanders“, teilt man in Köln auf RUNDSCHAU-Anfrage kurz mit.

Liebesabenteuer auf dem Land

Für den Fernsehsender VOX produziert die bekannte Firma Endemol ein neues TV-Format unter dem Titel „Ein Bus voller Bräute“. Die Idee der Serie: Singlefrauen aus einer Großstadt werden für ein Liebesabenteuer aufs Land gerollt – mit dem Ziel, dort den Traummann zu finden. Und die Fernsehkameras sind immer und überall mit dabei.

„Spendershow“ in der Kritik

Endemol ist ein international operierendes Fernsehproduktionsunternehmen, das durch „Big Brother“, aber auch „Rette die Million“, „Stars bei der Arbeit“ und „Vermisst“ bekannt geworden ist. Ende Mai 2007 geriet Endemol in den Niederlanden in die Kritik, als man ankündigte, eine Gameshow namens De Grote Donorshow (deutsch: Die große Spendershow) auszustrahlen, in welcher der Hauptgewinn eine menschliche Niere als Spenderorgan war. Wie auch die Lausitzer Rundschau berichtete, warben drei Kandidaten um die Niere einer todkranken 36-Jährigen. Danach durfte das Publikum per SMS entscheiden, wer die Niere erhalten sollte. Dieses Konzept wurde von vielen Menschen als unethisch kritisiert. Die „Spendershow“ sei das makabre Spiel um menschliche Not einer „moralisch völlig verkommenen Medienagentur“, erklärte damals die Bundesärztekammer.