(red/gb) Der Bau der Eisenbahn-Brücke in der Sonnewalder Straße wird seit Monaten von Einheimischen und Durchreisenden beobachtet. Andreas Hille hat im September am alten Bauwerk das untenstehende Foto gemacht. Ausführliche Inschriften wie die mit den Angaben zum ausführenden Betrieb bei einer von Mai bis Juni 1975 durchgeführten Entrostung wird es an der neuen Brücke nicht geben. „Das Jahr 2018 wird zu lesen sein, mehr nicht“, hatte der Projektleiter der DB Netz Fred Schneider gegenüber der RUNDSCHAU erklärt.

Zur Geschichte der alten Brücke hat Olaf Weber, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Sänger- und Kaufmannsmuseum, in den dort zugänglichen Unterlagen geblättert. Zum Bau der Unterführung im Jahr 1911 finden sich diese Fakten:

Der Bau erfolgte im Zusammenhang mit dem Bau der Bahn von Finsterwalde nach Luckau. Zu dieser Zeit gab es 200 Ein- und Ausfahrten im Bahnhof Finsterwalde, entsprechend oft waren die Schranken geschlossen. Hinzu kamen dann die Züge der Luckauer Bahn. Die Schranken wurden immer mehr zum Verkehrshindernis. Deshalb drängte sich der Bau der Unterführung auf. Die Kosten wurden auf 468 000 Mark veranschlagt. Die Stadt musste nur den Grund und Boden bereitstellen und später für Beleuchtung und Erhaltung der Straße sorgen. Im Mai 1911 begannen die Pflasterarbeiten und Ende Mai durften Fußgänger die Unterführung durchqueren. Etwas später galt das dann auch für Fuhrwerke. Der provisorische Übergang in der Nähe des Bahnhofes mit dem Anschluss an den Gröbitzer Weg wurde Mitte Juni geschlossen.

Die Einmündung der Forststraße und die Grundstücksgrenze der Gasanstalt änderten sich. Im Juni erfolgten Versuche mit der elektrischen Beleuchtung. Es wurden zwei 600kerzige Bogenlampen der Finsterwalder Glühlampenfabrik „Union“ über die Kreuzung gehangen. Im Zuge des Baus der Luckauer Eisenbahn 1910/11 entstanden auch die Unterführung der Kirchhainer Straße, die in Höhe Sportplatz/Krankenhaus abgerissen wurde, und die Brücke über die Bahn in der Sonnewalder Straße (Abzweig Meisenweg).

Für die ins Haus stehende Neugestaltung des Kreuzungsbereiches Bahnhofstraße/Sonnewalder Straße/Forststraße wünscht sich Andreas Hille, dass die vielen Finsterwaldern noch im Gedächtnis befindliche Normaluhr eine Nachfolgerin findet. Besagte Normaluhr stand einst an der großen Unterführung und war auch für Reisende bei der Einfahrt in die Sängerstadt ein Markenzeichen. Im Juli wäre sie 91 Jahre alt geworden. Anfang der 70er-Jahre musste die Uhr der Erweiterung der Straße weichen.

Die Gestaltungsidee mit der Normaluhr, die gleichzeitig eine praktische Funktion erfüllen würde, teilt Andreas Hille mit anderen Finsterwaldern. So mit dem privaten Eisenbahnbetreiber Torsten Ratke und mit Manfred Rautenstrauch. Auch sie könnten sich eine solche Uhr, sogar als Gestaltungselement für den entstehenden Kreisel, vorstellen.

Als Normaluhr wird in Deutschland eine öffentliche Uhr bezeichnet, welche die 1893 zunächst im deutschen Reich eingeführte Normalzeit anzeigt. Sie hat in der Regel vier verglaste, im Würfel angeordnete Ziffernblätter, so dass sie aus allen Himmelsrichtungen abzulesen ist.