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| 10:44 Uhr

Berühmtes Panzertier
Bitte nicht stören: Lisette ist im tiefen Winterschlaf

 Heinz Naumann, vor fünf Jahren verstorben, hat 1943 als Soldat die Schildkröte aus Griechenland in die Heimat geschickt.
Heinz Naumann, vor fünf Jahren verstorben, hat 1943 als Soldat die Schildkröte aus Griechenland in die Heimat geschickt. FOTO: Dieter Babbe
Finsterwalde. Die mehr als 70 Jahre alte Schildkröte lebt seit 1943 in Finsterwalde. Im vergangenen Jahr hat sie wieder zwei Eier gelegt. Von Dieter Babbe

Es gibt Schildkröten, die verschlafen die kalte Jahreszeit, und es gibt welche, die bleiben wach, je nachdem wie sie es gewöhnt sind. Die vier Schildkröten von Klaus Naumann in Finsterwalde sind seit langem im tiefen Winterschlaf. „Sie jetzt in ihrem kalten Winterquartier zu wecken, könnte das Todesurteil für sie bedeuten“, sagt der 65-Jährige – einer der letzten Schuhmachermeister weit und breit.

Der kleine Vorgarten vor seiner Werkstatt in der Finsterwalder Schützenstraße ist längst zu einem Pilgerort für viele Leute geworden. Berühmt geworden sind Naumanns Schildkröten vor allem durch Lisette, der ältesten aus dem Quartett der Panzertiere. Die hatte Vater Heinz Naumann im Jahr 1943, als er Soldat in Griechenland war, in einer Streichholzschachtel und im Feldpostpaket in die Heimat geschickt, wo sich beide nach dem Krieg wieder trafen. Während der Vater vor fünf Jahren verstarb, ist Lisette mit 75 Jahren noch nicht mal in der Blüte ihres Lebens – sie kann immerhin 200 Jahre und älter werden. „Im vergangenen Jahr hat sie wieder zwei Eier gelegt“, freut sich Klaus Naumann über die vielen Nachkommen.

Als Haustier ist sie recht anspruchslos, braucht aber auch ihre Pflege und bei der Sommerhitze einen Schattenplatz. „Schildkröten sind in vielem wie Menschen, auch beim Futter. Unsere Schildkröten mögen gern Eisbergsalat, der knackt so schön beim Fressen. Als Lisette vor wenigen Jahren mal aus ihrem Gehege gestohlen wurde, waren die anderen Schildkröten traurig: Sie haben nicht gefressen.“ Ein im Körper eingepflanzter Chip sichert inzwischen, dass die Tiere bei einem Diebstahl leichter wieder gefunden werden können.

Inzwischen lauern andere Gefahren auf die Schildkröten: Der Waschbär soll die Reptilien attackieren, hat Klaus Naumann gehört. Gesichtet hat er die Räuber in der Nähe seiner Werkstatt allerdings noch nicht. Als mal jemand im Urlaub seine Schildkröte in Naumanns Gehege setzen wollte, ging das schief. „Auch hier ist es wie bei den Menschen: Nicht alle vertragen sich untereinander.“

Wenn Kinder in seinen Vorgarten kommen und die Tiere streicheln wollen, warnt Klaus Naumann: „Ihr könnt sie gerne mit frischen Blättern füttern, aber Schildkröten sind keine Kuscheltiere. Sie können sogar zuschnappen, wenngleich sie dabei nicht verletzen, es kneift dann nur.“