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| 15:28 Uhr

Bauarbeiten
Das befürchtete Bahn-Chaos bleibt aus

Bauleiter Gregor Kuchling von der H. Klostermann Baugesellschaft mbH zeigt die an der Brücken-Baustelle bereitliegenden Bohrpfahl-Bewährungen.
Bauleiter Gregor Kuchling von der H. Klostermann Baugesellschaft mbH zeigt die an der Brücken-Baustelle bereitliegenden Bohrpfahl-Bewährungen. FOTO: Gabi Böttcher / LR
Finsterwalde. Wegen Bauarbeiten ist die Bahnstrecke in Finsterwalde gesperrt. Die Reisenden müssen bis Montag auf den Bus umsteigen. Von Gabriela Böttcher und Daniel Friedrich

Die erste Bauphase an der großen Finsterwalder Unterfühung hat begonnen: Um den Ablauf der Arbeiten wie geplant durchzuführen, ist die Fernbahnstrecke Halle/Saale – Guben seit Freitagfrüh fünf Uhr gesperrt. Züge in Richtung Cottbus enden in Doberlug-Kirchhain, für Reisende Richtung Leipzig ist in Calau Schluss.

Dort, am Calauer Bahnhof, herrscht am Freitagmorgen kaum Trubel. Deutlich weniger Fahrgäste als gewöhnlich sitzen in den Zügen und nutzen anschließend das Angebot des Schienenersatzverkehrs (SEV) per Bus. „Soweit ich das einschätzen kann, waren alle Reisenden auf die Fahrtunterbrechung eingestellt“, sagt Michael Quitzk, der eines der beauftragten Busunternehmen führt. Natürlich seien die Fahrgäste nicht erfreut darüber, dass ihre Fahrt dadurch bis einschließlich Montag längere dauere. „Aber man konnte das ja einplanen, und viele haben offensichtlich anderweitige Reisemöglichkeiten gefunden“, so der Busunternehmer.

Kaum genutzt worden ist am Freitagvormittag der Schienenersatzverkehr auf der Strecke von Calau nach Doberlug-Kirchhain. Nicht mal eine Hand voll Mitfahrer saßen im Bus. Offenbar hatten sich viele Fahrgäste informiert und ihre Fahrt anderweitig organisiert.
Kaum genutzt worden ist am Freitagvormittag der Schienenersatzverkehr auf der Strecke von Calau nach Doberlug-Kirchhain. Nicht mal eine Hand voll Mitfahrer saßen im Bus. Offenbar hatten sich viele Fahrgäste informiert und ihre Fahrt anderweitig organisiert. FOTO: Daniel Friedrich / LR

Lediglich drei Reisende steigen kurz vor halb zehn in den großen Reisebus Richtung Doberlug-Kirchhain/Leipzig ein, in Finsterwalde kommen vier Personen dazu. Am Nachmittag rechnen die Busfahrer noch mit einigen Schülern und Feierabendpendlern. Anne Richter aus Königs Wusterhausen möchte am Morgen nur bis Finsterwalde mitfahren: „Ich habe vorher schon gehört, dass die Bahnlinie unterbrochen ist. Also plane ich etwas mehr Zeit ein“, sagt sie und hieft ihren Koffer die Busstufen hinauf.

Am Bahnhofsschalter in Finsterwalde informiert Werner Burigk indes die Fahrgäste über die Streckensperrung und ihre Reisealternativen. „Die meisten wussten Bescheid und wollten nur wissen, ob der Bus pünktlich fährt“, berichtet er. Allerdings hatte sich ein junges Mädchen falsch informiert und durch die verlängerte Fahrzeit wohl ihren ICE-Anschluss in Leipzig verpasst. „Das kommt auch mal vor“, sagt Burigk. Immerhin benötige der Bus zwischen Calau und Doberlug-Kirchhain gut eine Stunde. Die Bahn schafft die Strecke in 20 Minuten. Allerdings ist der Ersatzfahrplan so abgestimmt, dass Reisende am Ende der Busstrecke nur wenige Minuten auf ihre Bahn warten müssen.

Von jeglichem  Bahnverkehr frei können die Bauleute seit Freitag, 5 Uhr und bis zum Montag, 22 Uhr, in konzertierter Aktion den ersten großen Brocken für das neue Brückenbauwerk bewegen. Gregor Kuchling, Bauleiter Ingenieurbau bei der Baugesellschaft H. Klostermann, führt technische Regie. Aufgebaut wird das Großbohrgerät LB 36. „130­ Tonnen wiegt es im Einsatzzustand mit Kellystange und Kraftdrehkopf“, erklärt der Fachmann.

Rückbau der Oberleitung über dem Gleis 2 und den Weichen an der Bahn-Brücke Sonnewalder Straße in Finsterwalde.
Rückbau der Oberleitung über dem Gleis 2 und den Weichen an der Bahn-Brücke Sonnewalder Straße in Finsterwalde. FOTO: Gabi Böttcher / LR

Mit dem Rückbau der Fahrleitung über dem Gleis 2 und den Weichen sowie dem Rückbau des Gleises und von Weichenteilen sind die Kollegen zunächst beschäftigt. Gleis 1 kann ab Dienstag wieder befahren werden, wenngleich in geringerer Geschwindigkeit als gewohnt, maximal mit Tempo 70.  In der Nacht zum Samstag werden die ersten Bohrpfähle in den Boden gebracht.  Ein Rohr mit einem Außendurchmesser von 1,20 Meter und einem Innendurchmesser von 1,12 Metern wird 27 Meter in die Erde getrieben.  Es folgt die Bohrpfahlbewehrung. Schließlich wird das Ganze mit Beton verfüllt. Bei Vollsperrung sollen je zwei Bohrpfähle unmittelbar neben dem späteren Betriebsgleis eingebracht werden.  Wir gehen etwa 20 Meter ins Grundwasser hinein. Das bedeutet, dass wir mit Auflastwasser bohren müssen. Das Wasser im Pfahl und drumherum muss sich in gleicher Höhe befinden“, erklärt der Fachmann.

Bis zur nächsten Vollsperrung der Bahnstrecke, die vom 18. bis 24.­ Mai über die Bühne gehen soll,  erfolgen etwa drei Wochen lang weitere Bohrpfahlarbeiten, Schal-, Bewehrungs- und Betonarbeiten für die neuen Widerlager sowie die Demontage der ersten alten Stahlbrücke, damit während der Vollsperrung der Strecke im Mai  der neue Brückenüberbau für das Gleis 2 sowie die Oberleitung montiert werden können. Ziel ist, dass der Eisenbahnbetrieb eingleisig über das Gleis 2 wieder aufgenommen werden kann.

Erst dann steht der  Rückbau des bis dahin genutzten Gleises 1 auf dem Arbeitsplan.