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| 18:14 Uhr

Biber nagt Teichwirt an den Nerven

Teichwirt Martin Keil (l.) mit seinem Mitarbeiter Martin Seiler an der Kleinen Mühle bei Fischwasser. Vom Biber umgenagte Bäume behindern den Schilfschnitt.
Teichwirt Martin Keil (l.) mit seinem Mitarbeiter Martin Seiler an der Kleinen Mühle bei Fischwasser. Vom Biber umgenagte Bäume behindern den Schilfschnitt. FOTO: Heike Lehmann
Lindena. 140 Hektar Teich- und 500 Hektar Seenfläche gehören zur Teichwirtschaft Hammermühle. Regelmäßige Gewässerpflege sichert dort ein ökologisches Gleichgewicht. Nicht leicht, wenn der streng geschützte Biber dazwischennagt. Das zerrt den Teichwirten an den Nerven und am Geldbeutel. Heike Lehmann

Martin und Uwe Keil fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. Am Parkteich in Lindena, an der Kleinen Mühle bei Fischwasser, der Buschmühle oder am Lugkteich bei Brenitz müssen sie mit dem Biber leben. Der Biber ist eine streng geschützte Tierart. Im Vokabular der Brandenburger Teichwirte heißt das: "Der Biber hat Narrenfreiheit." Er nagt sich durch Bäume und gräbt sich durch Dämme, richtet so Schaden an oder erhöht zumindest den Aufwand für die Teichlandschaftspflege. Der fleißige Nager könnte Überstau, fehlende Frischwasserzufuhr, Behinderung des Ablassens der Teiche, gefährdete Standfestigkeit der Dämme, Dammbrüche oder das Auslaufen der Teiche verursachen. Schon quer liegende Stämme, die - wie in diesem Winter - nicht entfernt werden können, da ihnen mangels Frost nicht mit schwerer Technik beizukommen ist, nehmen dem Gewässer das Licht.

"Die Schäden durch den Biber werden nicht ersetzt", sagt Lars Dettmann, Geschäftsführer vom Landesfischereiverband Brandenburg/Berlin e.V. "Um so dringender ist es, dass die Fischwirtschaften bei präventiven Maßnahmen Unterstützung bekommen", so Dettmann.

Als es nach einer Kleinen Anfrage im Landtag im Frühjahr 2013 hieß, für "Investitionen zur Vermeidung von Schäden durch geschützte Arten" stünden bis zum Ende der ILE-Förderperiode, also bis Ende 2013, noch etwa 3,2 Millionen Euro zur Verfügung, hat der Verband die Teichwirte ermuntert, schnell Anträge zu stellen. Auch Martin Keil nutzte die Chance. Stichtag war der 31. Mai 2013. Eine Förderung von vorbeugenden Baumaßnahmen, zum Beispiel zur Stabilisierung der Dämme, bis zu hundert Prozent war nicht ausgeschlossen. Eine Reaktion auf seinen Antrag hat Martin Keil wie seine Kollegen nicht bekommen. Lars Dettmann ist stinkesauer: "Als ich jetzt bei der Fördermittelstelle nachgefragt habe, gab es die klare Antwort: Wir haben kein Geld."

Dettmann sagt: "Der Biber gehört in die Landschaft." Dennoch gebe es Zwickmühlen, wo sich Bibervorkommen und Teichwirtschaft nicht vertragen. "Und genau dort lässt die Politik die Betroffenen im Regen stehen", beklagt er. Uwe Keil verdeutlicht: "Es hat sieben Jahre gedauert, beispielsweise den Teich Kleine Mühle durch regelmäßigen Baum- und Schilfschnitt frei zu kriegen. Der Biber macht das jetzt zunichte." Damit der Biber nicht die Durchläufe zu den Teichen verbaut, müsse man täglich kontrollieren. "Das bindet eine ganze Arbeitskraft", sagen die Keils. Im vergangenen Jahr sind am Parkteich in Lindena eingekoppelte Pferde eingebrochen, weil der Biber Schäden im Damm verursacht hatte, erinnert sich Martin Keil. Schlimmere Schäden will er sich nicht ausmalen: "Wenn der Damm dort mal bricht, stehen die ersten Häuser im Dorf unter Wasser."

Brandenburg hat sich das Bibermanagement zur Konfliktminimierung zur Aufgabe gemacht. Bis Ende März soll der Entwurf einer Biberverordnung vorliegen. Ginge es nach den Teichwirten des Landes, dann müsste darin eine maßvolle Regulierung des Biberbestandes zumindest für Ausnahmegebiete festgeschrieben werden. Keiner denkt ans Abschießen, aber daran, "die Tiere zu entnehmen" und anderswo anzusiedeln, wie Dettmann sagt und wie es in anderen Bundesländern schon praktiziert wird. Zuständig für das "friedliche Zusammenleben" von Mensch und Biber sind die Unteren Naturschutzbehörden.

Zum Thema:
Die in Brandenburg heimischen Biber gehören zur Unterart des Elbe-Bibers (Castor fiber albicus). Fast der gesamte Weltbestand (95 Prozent) dieser Unterart lebt in Deutschland (insgesamt etwa 8000 Tiere), davon mehr als ein Drittel in Brandenburg.