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Betrunkener rast in Schönborn in Grundstückstor
74-Jährige von Hoftor erschlagen

Die Fahrspuren sind auf dem Pflaster noch gut zu erkennen. Zuerst ist das Auto nach jetzigem Kenntnisstand gegen den rechten Pfeiler geprallt und hat das Tor aus der Halterung gerissen. Zum Stehen kam das Fahrzeug in Höhe der benachbarten Garageneinfahrt.
Die Fahrspuren sind auf dem Pflaster noch gut zu erkennen. Zuerst ist das Auto nach jetzigem Kenntnisstand gegen den rechten Pfeiler geprallt und hat das Tor aus der Halterung gerissen. Zum Stehen kam das Fahrzeug in Höhe der benachbarten Garageneinfahrt. FOTO: Frank Claus / LR
Schönborn. Ein 37 Jahre alter Fahrer kommt in Schönborn von der Fahrbahn ab und knallt gegen das Tor. Von Frank Claus

Unfassbar: Am Sonnabend gegen 17.10 Uhr ist in Schönborn eine 74-jährige Frau auf ihrem Grundstück in der Hauptstraße vom Hoftor erschlagen worden. Das Unheil hat sie nicht kommen sehen.

Was ist passiert? Nach jetzigen Ermittlungen von Polizei, Dekra und Aussagen ihres Sohnes ist ein Pkw-Fahrer aus Richtung Tröbitz gekommen, hat nach dem Durchfahren einer leichten Linkskurve die Gewalt über sein Fahrzeug verloren und ist in Höhe der Bäckerei Harnisch schräg über die Fahrbahn, die Bordsteinkante und den Fußweg gerast und am rechten Pfeiler des zweiflügeligen Blechtores aufgeschlagen. Durch die Wucht des Aufpralls wird das Hoftor aus seiner Halterung gerissen. Der Pkw prallt vom Tor ab und schleudert etwa 15 Meter weiter bis vor die Einfahrt der daneben befindlichen Garage.

Die Frau hat keine Chance. Sie ist gerade von der Jugendfastnacht gekommen, hat ihr Fahrrad an der Hauswand des Grundstücks auf dem Hof abgestellt und das Hoftor wieder verschlossen, als der Pkw wie aus heiterem Himmel gegen das Hoftor donnert und das Tor die Frau unter sich begräbt.

Der Sohn sitzt zu diesem Zeitpunkt im zur Straße gewandten Wohnzimmer des schmucken Häuschens. „Ich habe ein Auto gehört, das ziemlich laut unterwegs war und plötzlich gab es diesen unheimlichen Knall, den ich trotz Schallschutzfenster vernommen habe.“ Er rennt aus dem Haus, sieht den stark demolierten Pkw und zieht den verletzten Fahrer aus dem Auto. Wenig später entdeckt er das Fahrrad an der Hauswand, sieht aber zunächst seine Mutter nicht.

Und dann liegt da ihre Mütze auf dem Pflaster. Er hebt das Blechtor zur Seite und sieht seine Mutter liegen. „Ich habe versucht, sie wiederzubeleben. Aber da war so viel Blut. Ich hatte keine Chance, hat mir der Notarzt später gesagt. Sie ist vermutlich gleich tot gewesen.“

Es sind schreckliche Minuten für ihn und seine Frau. Noch am Sonntag hat er mit dem Erlebten zu kämpfen. „Wir haben doch gerade erst im Dezember geheiratet. Und ich meinen 50. gefeiert. Wie hat sich meine Mutter mit gefreut.“ Zur Familie gehört noch eine Tochter, der Vater ist bereits verstorben. Immer wieder schaut sich der Sohn das deutlich sichtbare Spurenbild auf dem Fußweg und auf der Grundstücks-
einfahrt an. Völlig unklar ist ihm noch, wie das kleine Bäumchen, das vorm Haus steht, seine Spitze verloren hat.

Der Sohn ist aktives Mitglied der Feuerwehr Schönborn. „Meine Mutter war ebenfalls Feuerwehrmitglied“, berichtet er. Die Kameraden, so der stellvertretende Kreisbrandmeister Mario Harnisch später, sind fassungslos. Mit vielen von ihnen sitzt der Vize-Kreischef, der ebenfalls Schönborner ist, gerade bei seiner eigenen, runden Geburtstagsfeier zusammen, als die Unfall-Nachricht eintrifft. Der inzwischen hinzugekommene Schwager sinniert am Sonntag laut: „Sie hat immer gern der Polonaise bei der Fastnacht zugeschaut. Wäre sie doch nur ein paar Minuten länger dageblieben.“

Der 37-jährige Fahrer, der ebenfalls aus dem Gebiet des Amtes Elsterland stammt, liegt laut Polizei schwer verletzt im Krankenhaus. Er sei „augenscheinlich erheblich alkoholisiert“ gewesen. Gegen den Fahrzeugführer wurde ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung im Straßenverkehr eingeleitet. Eine Blutprobe wurde entnommen und der Führerschein beschlagnahmt. Ein Unfallsachverständiger der Dekra und die Kriminalpolizei waren zur Beweissicherung vor Ort.

Dieses Blechtor hat nach der Wucht des Aufpralls die Frau erschlagen.
Dieses Blechtor hat nach der Wucht des Aufpralls die Frau erschlagen. FOTO: Frank Claus / LR