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| 02:40 Uhr

Beteiligung heißt Räume eröffnen und einladen

Was Beteiligungskultur heißt, demonstrierten bei der 12. Bildungskonferenz auch Chady Seubert und Daniela Dörfel vom Impro-Theater "Vogelfrei".
Was Beteiligungskultur heißt, demonstrierten bei der 12. Bildungskonferenz auch Chady Seubert und Daniela Dörfel vom Impro-Theater "Vogelfrei". FOTO: Heike Lehmann
Doberlug-Kirchhain. "Beteiligung kann man nicht anordnen, man kann aber Räume eröffnen und so dazu einladen." Regina Schäfer vom brandenburgischen Ministerium für Bildung, Jugend und Sport brachte so die inhaltliche Zielrichtung der 12. Bildungskonferenz des Landkreises Elbe-Elster auf den Punkt. Heike Lehmann

Über die Jahre hat sich im Landkreis Elbe-Elster systematisch ein Bildungsmanagement etabliert, das alle Phasen des lebenslangen Lernens berücksichtigt. In dieser Hinsicht sei der Landkreis ein Vorreiter in Brandenburg, würdigte Regina Schäfer vom Bildungsministerium. "Bisher ging es um eher von Profis getragene Kooperation und Vernetzung", so Schäfer. Jetzt folge die Entwicklung von diesem Nebeneinander zum Miteinander. Es folgt die Frage "Wie kommen Betroffene - Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Senioren - ins Spiel?" Das werfe Fragen auf. Unter das Thema "Beteiligungskultur - vom Nebeneinander zum Miteinander" hatte der Landkreis am Mittwoch seine 12. Bildungskonferenz gestellt. Etwa 140 Teilnehmer trafen sich dazu im Refektorium am Schloss Doberlug. Die Pädagogen, Erzieher, Vertreter von Institutionen, Verwaltungsmitarbeiter und Sozialarbeiter erlebten ein scharf formuliertes Impulsreferat von Prof. Dr. Olaf-Axel Burow von der Universität Kassel. Dessen markige Aussagen haben sich eingeprägt.

Landrat Christian Heinrich-Jaschinski verwies auf die gute Netzwerkarbeit in Sachen Bildung. Kommunaler Steuerungskreis, kommunales Entwicklungsteam und Lenkungsgruppe leisten gute Arbeit. Doch die Gremien funktionieren nur mit den Akteuren, die aktiv mitgestalten, Ideen entwickeln, Dinge in die Hand nehmen und Lösungen finden. Hierfür gelte es, den Rahmen zu schaffen.

Beteiligungskultur mit Folgen

Schaut man sich jedoch in den Kommunen, Vereinen, Schulen um, sind es meist immer ein und dieselben, die Interesse zeigen, Aufgaben übernehmen und Prozesse mitgestalten. Was also tun? Wo also ansetzen? Welche Form der Beteiligung passt zu welcher Zielgruppe? Darf man steuernd eingreifen?

Alfred Roos, Geschäftsführer der RAA Brandenburg, eine landesweit agierende, unabhängige Unterstützungsagentur für Bildung und gesellschaftliche Integration, glaubt, dass die momentane "Beteiligungsexplosion infolge des Flüchtlingsstroms Folgen für die gesamte Beteiligungskultur haben wird". Positiv wie negativ, denn auch die Abwehr, wie beispielsweise von Pegida betrieben, sei eine Form der Beteiligung.

Druckfrischer Bildungsbericht

Heinz-Wilhelm Müller, Chef der Agentur für Arbeit Cottbus, informierte die Teilnehmer über die Beschlüsse der Lenkungsgruppe, die am gleichen Tag gefasst wurden. "Komm auf Tour", ein Angebot zur Berufsorientierung für 7. und 8. Klassen soll dauerhaft im Landkreis eingeführt werden. Die Agentur für Arbeit habe ihre Mitfinanzierung zugesagt, die Energieregion werde sich einbringen. Gleiches hoffe er vom Bildungsministerium. Ebenfalls beschlossen wurde, das kommunale Entwicklungsteam durch eine Arbeitsgruppe Berufsorientierung zu ergänzen. Der 2. Bildungsbericht - in Kurzfassung der Lenkungsgruppe druckfrisch vorgestellt - mache dem "Bildungslandkreis Elbe-Elster alle Ehre", lobte Müller.

Einen leidenschaftlichen Vortrag hielt Olaf-Axel Burow, Universitätsprofessor aus Kassel. "Mit der Weisheit der Vielen - Bildung gestalten" lautete seine These. Inhaltlich plädierte er für ein Umdenken in der Bildung. Die Gesellschaft sei reif dafür, machte er an Beispielen deutlich. "Wissen ist überall vorhanden - zeit- und ortsunabhängig." Smartphone und Internet machen es möglich. "Wir brauchen also keine Hörsäle mehr, wir brauchen Mitmach-Räume", schlussfolgerte Burow. Aus der Vernetzung der modernen Gesellschaft leitet er ab, dass nicht jeder das Gleiche können muss. Für spezielle Aufgaben, kann man Fachleute hinzuziehen. Aber jeder muss etwas Besonderes können und darauf muss sich das Bildungssystem ausrichten. Lernen muss also personalisiert werden, Potenzial muss sich entfalten können. Es kommt darauf an, sich im Team gegenseitig zu ergänzen. Das sei wie das Spiel einer erfolgreichen Fußballmannschaft, wo der Ball von Spieler zu Spieler wandert und alle einbezogen werden. Er überträgt auf die Gesellschaft: "Ideen und Fähigkeiten der Bürger freizusetzen und Toleranz, Verständnis für Anderes, zu entwickeln, das führt zu einer erfolgreichen Region."

Er gibt den aufmerksam lauschenden Konferenzteilnehmern kompakt formulierte Prinzipien für das Lernen mittels Beteiligung mit auf den Weg. Dazu gehören: Akteure in einen Raum und so für Mischung sorgen. Fokus auf die Zukunft richten. Gemeinsamkeit statt Konflikte. Selbststeuernde Gruppen (Selbstständigkeit) und voneinander lernen (Peer to Peer). Bei alldem geht es um eine wertschätzende Zusammenarbeit. Im Geflecht von Bildung, Jugendhilfe und Kultur werde die Kultur zunehmend eine zentrale Funktion einnehmen. "Lernen können wir gar nicht verhindern. Aber: Schule ist mehr als Unterricht."