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| 14:03 Uhr

Wo man sich über den vielen Regen freut
Besorgniserregende Extreme stressen den Wald

 Nico Friedrich.
Nico Friedrich. FOTO: Heike Lehmann
Doberlug-Kirchhain. Sturmtief „Friederike“ jährt sich am 18. Januar und immer noch wird aufgeräumt. Von Heike Lehmann

„Ich freue mich, wenn ich aus dem Fenster schaue“, bekennt Nico Friedrich, Leiter der Landeswaldoberförsterei Doberlug. Auch wenn der kräftige und schon seit Tagen anhaltende Regen von vielen als unangenehm empfunden wird, weil er eher aufs Gemüt schlägt, hofft Friedrich, dass mit dem feuchten Wetter die Wasserreserven in den Wäldern wieder gefüllt werden können. Das ist nach dem Dürrejahr 2018 dringend notwendig.

Und noch eine Wirkung könnte diese trübe feuchte Phase mit sich bringen: „Ich hoffe, dass dieses Wetter die Schädlinge im Zaum hält. Die können mit einer solchen Nasskälte nicht gut umgehen.“

Das Jahr 2018 hat den Waldbesitzern und der Forstwirtschaft ordentlich zugesetzt. „Schon 2017 waren unsere Wälder gepeinigt von Sturmschäden. ‚Xavier’, ‚Herwart’ und ‚Paul’ haben uns zugesetzt und dann kam am 18. Januar 2018 noch ‚Friederike’. Dieses Sturmtief war extrem belastend für den Wald, vor allem im Raum Elbe-Elster“, erinnert sich Nico Friedrich. Denn allein „Friederike“ habe im Bereich der Landeswaldoberförsterei Doberlug für 100 000 Festmeter Sturmholz gesorgt, „wovon weit über 90 Prozent im Landkreis Elbe-Elster angefallen waren“.

Fast genau ein Jahr nach „Friederike“ wird in den Wäldern immer noch aufgeräumt. „Fast 90 Prozent haben wir bis jetzt abgearbeitet“, sagt Friedrich. Das Sturmholz werde, so schätzt er, noch bis zum zweiten Quartal beschäftigen.

Damit nicht genug. Der ohnehin gestresste Wald bekam es noch mit dem besonderen Dürrejahr 2018 zu tun. „Das hat fragile Bestände zusätzlich belastet“, sagt Friedrich. Ein Tummelplatz für Schädlinge wie den gefräßigen Borkenkäfer.

Der „Buchdrucker“ und der „Kupferstecher“ sorgen bereits deutschland- und europaweit für „eine enorme Schadenssituation“ an Fichten. Nico Friedrich erklärt: „Das sind zwei Borkenkäfer, der eine greift von oben und der andere von unten an. Wir haben nicht sehr viele Fichtenbestände, müssen vor allem im Loben und bei Schadewitz die Niederlausitzer Tieflandsfichte schützen.“ Abhilfe schafft eine saubere Waldwirtschaft, das heißt größte Effekte erzielt man, wenn geschädigte Bäume möglichst zügig dem Wald entnommen werden. Das gilt auch für den Blauen Kiefernprachtkäfer und den Zwölfzähnigen Kiefernborkenkäfer, die der heiße und trockene Sommer begünstigt hat. Für jedermann sichtbar sind als Schadensbilder die braunen Baumkronen oder bröckelnde Rinde.

„Hier sind enorme Anstrengungen notwendig“, kündigt Friedrich an. „Im ersten Quartal müssen wir die befallenen Bäume entnehmen.“ Parallel laufe derzeit die Winterbodensuche, von der sich die Forstleute weitere Erkenntnisse erhoffen, wie sich die Populationen entwickeln werden. Wissenschaftliche Verfahren im Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde geben darüber Auskunft.

Ist das Schadholz entfernt, bleiben „Löcher“ im Wald. „Die müssen wieder bewaldet werden. „Uns hilft, wenn schon eine zweite Schicht herangewachsen ist, uns die Natur unterstützt hat. Wenn nicht, muss gesät und gepflanzt werden.“ 2019 werde also der Oberförsterei herausfordernd viel Arbeit bringen. Der Chef versichert: „Jeder Mann bei uns ist wichtig. Operativ brauchen wir noch Dienstleister aus der Region mit entsprechender Technik.“

Nico Friedrich wird nachdenklich: „Es hat immer Brände, Sturm und Schadinsekten gegeben. Aber seit zwei Jahren haben wir es mit besorgniserregenden Extremen zu tun.“ Übrigens: Der Schaden durch Waldbrände im Jahr 2018 sei im Landeswald der Oberförsterei Doberlug vernachlässigbar.