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| 18:28 Uhr

Doberlug-Kirchhain
Berufsschäfer: Schutz vor Wölfen möglich, aber teuer

  Annett Hertweck, Günther Czerkus, Felix Wagener mit Ministerin Svenja Schulze, Matthias Möckel, Alexander Bonde und Rene Jeronimus (v.l.).
Annett Hertweck, Günther Czerkus, Felix Wagener mit Ministerin Svenja Schulze, Matthias Möckel, Alexander Bonde und Rene Jeronimus (v.l.). FOTO: LR / DBU/Behrendt
Doberlug-Kirchhain. Bundesumweltministerin macht Station im Revier Weißhaus.

Der Wolf hat sich auf vielen Naturerbeflächen in Ostdeutschland wieder angesiedelt. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat sich im Revier Weißhaus bei Doberlug-Kirchhain über den Umgang der dortigen Schäfer mit den Rudeln informiert. Gemeinsam mit dem Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Alexander Bonde, besuchte sie im Rahmen ihrer Sommerreise die brandenburgische Fläche im Nationalen Naturerbe, um mit drei Schäfern aus der Region sowie dem Vorsitzenden des Bundesverbandes der Berufsschäfer, Günther Czerkus, ins Gespräch zu kommen.

Rene Jeronimus, Matthias Möckel und Annett Hertweck machten deutlich, dass ein Schutz vor den Wölfen möglich sei, wenn die finanziellen Rahmenbedingungen stimmen würden. „Das größte Problem für die Schäfer ist nicht der Wolf, sondern die fehlende Agrarförderung. Es wird höchste Zeit, dass wir eine Weidetierprämie in Deutschland einführen, zumal es sie schon in fast ganz Europa gibt“, so Schulze.

Die großen zusammenhängenden, ungestörten Wälder auf den ehemaligen militärisch genutzten Liegenschaften im Nationalen Naturerbe bieten dem Wolf geeignete Lebensräume. „Hier in Weißhaus haben wir immer wieder Wolfsbeobachtungen, aber noch kein nachgewiesenes sesshaftes Paar. Hingegen leben sie im Daubaner Wald, Teil der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft, bereits seit 2006“, erläuterte Bonde. Auf der DBU-Naturerbefläche Prösa sei 2017/18 ein Paar sesshaft geworden und habe laut Franz von Plettenberg vom Bundesforstbetrieb Lausitz aktuell auch mindestens sechs Welpen.

Die Schäfer haben sich angepasst: „Wir haben Nachtpferche gebaut und arbeiten mit dem sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie eng an einem Demonstrationsvorhaben, bei dem verschiedene Präventionsmaßnahmen getestet werden sollen“, erläuterte Hertweck. Möckel und Jeronimus setzen auf Herdenschutzhunde. Die Hunde würden für die Wildtiere eine echte Gefahr darstellen. Die Schafe in der Herde seien deswegen nicht mehr interessant für sie.

Als Eigentümer von 71 Naturschutzflächen des Nationalen Naturerbes mit rund 70 000 Hektar sehen wir die natürliche Ausbreitung des Wolfes in Deutschland als normale Entwicklung für die Biodiversität“, erklärte Bonde. „Da viele unserer Flächen aufgrund der ehemals militärischen Nutzung munitionsbelastet sind und maschinelle Pflege nur eingeschränkt möglich ist, sind Schäfer als Pächter unverzichtbar, wenn wir unsere Naturschutzziele erreichen wollen“, so der DBU-Generalsekretär.

Auch für Czerkus gibt es zum Miteinander von Wölfen und Weidetieren keine Alternative. „Es kann lediglich um das ‚wie‘ gehen“, erklärte der Bundesvorsitzende der Berufsschäfer. Er begrüßt die Entschließung des Bundesrates, die sich dafür ausspricht, dass Weidetierhalter baldmöglichst eine jährliche Pro-Kopf-Prämie von 30 Euro je Mutterschaf aus Mitteln der ersten Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union erhalten sollen.

(pm/leh)