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| 18:35 Uhr

Staffelstab an den Tourismusverband übergeben
Bergheider See darf jetzt voll genutzt werden

 Das Warten hat sich gelohnt: Die Motor- und Paddelboote im Hintergrund warten darauf endlich über den Bergheider See zu fahren. Ditmar Gurk, Gottfried Richter, Heidrun Lochmann und Christian-Heinrich Jaschinski (v.l.) geben das symbolische Startsignal.
Das Warten hat sich gelohnt: Die Motor- und Paddelboote im Hintergrund warten darauf endlich über den Bergheider See zu fahren. Ditmar Gurk, Gottfried Richter, Heidrun Lochmann und Christian-Heinrich Jaschinski (v.l.) geben das symbolische Startsignal. FOTO: LR / Jenny Theiler
Lichterfeld. „Schiff Ahoi“ heißt es jetzt auf dem Bergheider See. Zu den Seenlandtagen hat die feierliche Erstausfahrt aus der Hafenanlage in Lichterfeld stattgefunden. Der Tagebausee zu Füßen des Besucherbergwerkes F 60 ist nun voll nutzbar. Von Jenny Theiler

Dort, wo sich Vergangenheit und Zukunft begegnen, wo aus dem zünftigen „Glück auf!“ nun ein freudiges „Ahoi!“ wird, sind am Wochenende zum fünften Mal die Lausitzer Seenlandtage eröffnet worden. Das Besucherbergwerk der F 60 war am Wochenende die Kulisse für einen gewaltigen Entwicklungssprung im Lausitzer Seenland. Die Flutung des Bergheider Sees ist 2014 abgeschlossen worden, nun darf er auch vollständig genutzt werden. Es hat fünf Jahre gedauert, bis der See für den Wassersporttourismus erschlossen wurde. Nun darf er für muskel- und windbetriebene Gefährte benutzt werden, später für Wasserfahrzeuge mit Elektro- und alternativen Antrieben.

Einen Tagebau in einen See umzuwandeln, ist ein aufwendiges Projekt. Die Lausitzer- und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) hat 2001 die Verantwortung für die Flutung des Restlochs des Tagebaus Klettwitz-Nord übernommen. „Die Flutung war 2014 abgeschlossen. Im Anschluss daran wurde der Böschungs- und Uferbereich saniert. Erst wenn alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen sind, darf so ein See auch genutzt werden“, sagt LMBV-Sprecher Uwe Steinhuber. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. „Für mich schließt sich heute ein Kreis, und wir sehen das Ergebnis dessen, woran wir seit Anfang der 90er-Jahre gearbeitet habe“, sagt er.

Am Samstag hat die LMBV den sprichwörtlichen Staffelstab an den Tourismusverband Lausitzer Seenland übergeben, der nun auch den Bergheider See künftig optimal vermarkten wird. „Wichtig ist, dass man Visionen hat, denn sonst wären wir heute alle nicht hier“, sagt die Geschäftsführerin des Tourismusverbandes, Kathrin Winkler. „Wir zeigen die touristische Vielfalt des Seenlandes, die stetig weiter wächst, wie sich auch heute wieder zeigt.“

Auch Uwe Steinhuber erkennt die besondere Funktion des Bergheider Sees, der vor allem in Verbindung mit dem Besucherbergwerk F 60 eine spannende Tourismuskomponente bildet. „Die F 60 hat eine Anziehung, die auch Besucher aus Berlin anlockt. Mit der Erschließung des Sees ist dieser Ort längst über einen Geheimtipp hinaus gewachsen“, findet er. Dennoch sei im Seenland noch immer viel zu tun. „Den Sprung vom Bergmann zum Seemann haben wir geschafft. Aktuell arbeiten wir noch weiter am Sedlitzer See. Der Strukturwandel ist also noch nicht abgeschlossen“, sagt er.

 Die Attraktion am Bergheider See, der aus dem jüngsten Braunkohletagebau Lausitzer Klettwitz-Nord entstanden ist, ist das Besucherbergwerk F 60. Die Abraumförderbrücke ist noch immer die weltweit größte Arbeitsmaschine der Welt. Ältere Schwestern der jüngsten gebauten F 60, die ein Besuchermagnet im Lausitzer Seenland ist, sind in Nochten und Jänschwalde noch in Betrieb.
Die Attraktion am Bergheider See, der aus dem jüngsten Braunkohletagebau Lausitzer Klettwitz-Nord entstanden ist, ist das Besucherbergwerk F 60. Die Abraumförderbrücke ist noch immer die weltweit größte Arbeitsmaschine der Welt. Ältere Schwestern der jüngsten gebauten F 60, die ein Besuchermagnet im Lausitzer Seenland ist, sind in Nochten und Jänschwalde noch in Betrieb. FOTO: Mirko Sattler

Die Lausitzer mögen den Bergheider See

Beim Spaziergang zum Hafen schauen sich die Besucher, vor allem die jüngeren, neugierig um. Dass es hier vor 20 Jahren noch  gar kein Wasser gegeben haben soll, kann sich Luca Schirmer (11)  gar nicht vorstellen. „Mein Vater hat mir das mit den Tagebauen erklärt und dass daraus nun Seen gemacht werden. So wie es jetzt aussieht, gefällt es mir schon sehr gut“, findet der Senftenberger Schüler.

 Die Lausitzer Innovation schwimmender Architektur auf dem Bergheider See: das Autartec-FreiLichtHaus.
Die Lausitzer Innovation schwimmender Architektur auf dem Bergheider See: das Autartec-FreiLichtHaus. FOTO: Heike Lehmann

Auch Steffen und Annette Müller aus Finsterwalde besuchen den See regelmäßig und werden es auch weiterhin tun. „Wir haben die Entwicklung aller Tagebauseen beobachtet. Es ist sehr wichtig für die Region, dass man diese Flächen auch weiterhin nutzt und nicht einfach brach liegen lässt“, sagt Steffen Müller. Den Ausbau der schwimmenden Häuser begrüßen die Finsterwalder ebenfalls. „Wir haben diese Häuser auch schon genutzt und können sie wärmstens weiterempfehlen“, so der Finsterwalder.

Um die Vorfreude auf einen künftigen Bootsausflug zu entfachen, verteilen Gottfried Richter, Direktor des Amtes Kleine Elster, und Ditmar Gurk, Bürgermeister von Lichterfeld, Matrosenmützen an die Besucher, die sich dicht an den nagelneuen Steg drängen. „Wie ich sehe haben unsere Ingenieure hervorragende Arbeit geleistet. Der Steg hält“, witzelt Ditmar Gurk.

Natürlich lassen es sich einige Besucher nicht nehmen, die neuen Wassersportmöglichkeiten sofort auszuprobieren. Alles, was mit dem Motor oder der eigenen Muskelkraft betrieben werden kann, ist auf dem Wasser erlaubt. Ein Bootsverleih steht den Besuchern zur Verfügung. Wer sich noch nicht traut in See zu stechen, nutzt den Tag für einen Besuch der F60, um sich dort aus 60 Metern Höhe abseilen zu lassen, oder noch einmal in die Geschichte der Lausitzer Braunkohle einzutauchen. Infostände und eine Bühne mit regionalen Akteuren für Groß und Klein bieten unterhaltsame Stunden.

Ein Stück Heimat kommt zurück

Heidrun Lochmann vom Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung bringt die feierliche Atmosphäre auf den Punkt. „Heute beginnt ein neues Kapitel in der Geschichte des Bergheider Sees. Indem wir ihn für alle nutzbar machen, geben wir den Menschen dieser Region ein Stück ihrer Heimat zurück“, sagt sie. Der Tourismus im Seenland macht zwar nur einen Teil des Strukturwandels aus, kennzeichnet aber gleichzeitig die Auseinandersetzung mit der Braunkohlevergangenheit. „Die Braunkohle hat den Menschen 150 Jahre lang gute Dienste erwiesen. Die Lausitz hat davon lange gut gelebt. Das sollten wir trotz des Kohleausstiegs nicht vergessen“, sagt Uwe Steinhuber. 

 Der Hafen am Norden des Sees soll auch in Zukunft gut besucht werden. Ein schwimmendes Restaurant ist geplant.
Der Hafen am Norden des Sees soll auch in Zukunft gut besucht werden. Ein schwimmendes Restaurant ist geplant. FOTO: LR / Jenny Theiler