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| 02:38 Uhr

Bergheider See bekommt Zufahrt und Anleger

Den künftigen kleinen Hafen im Rücken, bewegen Ditmar Gurk, Christian Heinrich-Jaschinski, Manfred Kolba, Volker Mielchen und Gottfried Richter (v.l.) den ersten Boden für den Weg dorthin.
Den künftigen kleinen Hafen im Rücken, bewegen Ditmar Gurk, Christian Heinrich-Jaschinski, Manfred Kolba, Volker Mielchen und Gottfried Richter (v.l.) den ersten Boden für den Weg dorthin. FOTO: Gabi Böttcher
Lichterfeld. Der Bergheider See in Elbe-Elster ist auf dem Vormarsch, sich im Lausitzer Seenland zunehmend Geltung zu verschaffen. Gestern wurde mit dem ersten Spatenstich für die Infrastruktur am See ein neues Kapitel aufgeschlagen. Insgesamt rund 4,2 Millionen Euro sollen in den nächsten zwei Jahren hier investiert werden. Gabi Böttcher

Die landkreisübergreifend zum gestrigen Symbolakt angereisten Gäste signalisierten: Hier wird ein Mosaikstein im Lausitzer Seenland entwickelt, der über die Grenzen von Lichterfeld hinaus Bedeutung hat. Mit der Förderbrücke F 60 schon lange von überregionaler Anziehungskraft, ist inzwischen der Kurs für die weitere Entwicklung des Areals abgesteckt. Manfred Kolba, Leiter des Sanierungsbereiches Lausitz der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV), machte deutlich, dass das ehemalige Bergbaugebiet Kleinleipisch/Klettwitz/Klettwitz-Nord auf mehr als 10 000 Hektar Fläche zu den ausgedehntesten Sanierungsprojekten in ganz Deutschland zählt. Die Sanierung sei seit 1992 vorangeschritten und der Bergheider See mit einer Wasserfläche von 320 Hektar und 107,4 Metern Wasserstand zur Teilnutzung freigegeben. Jetzt erfolgt der Straßenbau auf 830 Metern Länge und 5,50 Metern Breite, der Bau einer Steganlage und die Medienerschließung.

Bauleiter Frank Pöschk von der Firma BUG Dienstleistungen hat mit seinen Kollegen bereits Tags zuvor mit Rodungsarbeiten begonnen.

Prof. Matthias Klingner, Chef des Fraunhofer-Institutes für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI in Dresden, sieht das mit 15 Partnern entwickelte innovative schwimmende Haus bereits auf dem See wachsen. "Im Herbst soll schon etwas auf dem Wasser schwimmen", kündigt er an und geht von Ponton und Rohbau aus. "Wir sind dankbar, dass hier alles so engagiert und zügig vorangeht. Ich habe großes Vertrauen, dass das ein Erfolg wird." Darauf setzt auch Elbe-Elster-Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (CDU). Das autartec-Haus stehe für Innovationsfähigkeit und Wirtschaftskompetenz in der Region. Knifflige Fragen im Baugenehmigungsrecht würden ausgesprochen und Lösungen gefunden werden.

Für die Pioniere der ersten Stunde, Lichterfeld-Schacksdorfs Bürgermeister Ditmar Gurk und Amtsdirektor Gottfried Richter, war der gestrige ein überaus erfreulicher Tag. Vor mehr als 20 Jahren habe es erste Überlegungen gegeben, ob der Erhalt der F 60 lohnenswert sei. In diesem Jahr werde hier der einmillionste Besucher erwartet. "Die Entwicklung gibt uns recht", so Ditmar Gurk. Und Gottfried Richter blickt voraus: "Wir sind auf dem richtigen Weg, aber noch nicht am Ziel." Der am Abend zuvor mit den Partnern im Zweckverband Lausitzer Seenland entwickelte Arbeitstitel für die Zukunft des Bergheider Sees laute: "Der innovative und sportliche Event-See an der F 60 im Lausitzer Seenland". Das klinge zwar noch sperrig, gebe aber die Richtung an. Dringender Appell Gottfried Richters und Detlef Höhls, Letzterer in Personalunion im Vorstand des Zweckverbandes und Amtsdirektor in Altdöbern: "Die Infrastruktur muss auch nach dem Jahr 2017 weiterentwickelt werden." Dafür sei die Fortführung des Bund-Länder-Abkommens zur Finanzierung der Braunkohlesanierung zwingend notwendig. "Was würde es für einen Sinn machen, wenn sich die LMBV nach dem Bau eines Wirtschaftsweges vom Acker machen und die Gemeinde dann nach ihrem Bedarf ein Stück Straße anbauen würde?" - rückte Gottfried Richter den sinnvollen Einsatz von Steuermitteln am Bergheider See ins Blickfeld. Hier werden Wirtschaftswege zur Basis öffentlicher Straßen. Eine solche Kombination von Mitteln müsse auch mit dem nächsten Verwaltungsabkommen möglich sein. "Ohne das weitere Wirken der LMBV in der gesamten Region ist die Entwicklung nicht so weiterzutreiben, wie das erforderlich ist", unterstreicht Detlef Höhl.

Die Einbindung des Bergheider Sees in das Lausitzer Seenland hob Volker Mielchen, Verbandsvorsteher des Zweckverbandes Lausitzer Seenland Brandenburg (LSB), hervor: "Es ist wichtig, dass die F 60 nicht allein bleibt. Das wäre ein unvollendetes Werk." Die Politik sei gefordert, die Schnittstellenfinanzierung auch künftig hinzubekommen. Dass sich das Nebeneinander der auf Action und Events orientierten Entwicklung am Bergheider See und das nahegelegene Naturparadies Grünhaus gegenseitig ausschließen, sieht Volker Mielchen nicht. Er denke vielmehr, dass ein Weg gefunden werde, der nicht zum Nachbarschaftskonflikt führe.

Zum Thema:
In Projektträgerschaft der LMBV werden bis Ende 2016 die Baustraße an der Nordböschung des Bergheider Sees, eine Steganlage im Bereich des Hafenbeckens bis August 2017 sowie die Medienversorgung einschließlich Straßenbeleuchtung und Asphaltdecke (Oktober 2016 bis August 2017) realisiert. Die Baustraße ist 830 Meter lang und 5,50 Meter breit.An der Gesamtinvestition von 4,2 Millionen Euro ist die Gemeinde Lichterfeld-Schacksdorf mit 600 000 Euro beteiligt.