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Bei Massen Pappeln auf dem Feld

Yvonne Raban und Manja Olle (r.) mit dem Anbauplan für 15 100 Pappelstecklinge auf einem Feld mit Winterroggen bei Massen. Wenn das Wetter mitspielt, es in den nächsten Wochen ausreichend regnet, dann ragen die Pappeln im Sommer schon etwa 40 Zentimeter aus dem Boden.
Yvonne Raban und Manja Olle (r.) mit dem Anbauplan für 15 100 Pappelstecklinge auf einem Feld mit Winterroggen bei Massen. Wenn das Wetter mitspielt, es in den nächsten Wochen ausreichend regnet, dann ragen die Pappeln im Sommer schon etwa 40 Zentimeter aus dem Boden. FOTO: Gabi Böttcher
Massen. Wer sich über frisch präparierte Boden-Streifen wundert, die sich seit dieser Woche über ein Feld nördlich der Gemeinde Massen ziehen, kann aufgeklärt werden. Der Agrarbetrieb Massener Höfe hat die Streifen zu Wochenbeginn vorbereitet, damit darauf die Wissenschaft zum Zuge kommen kann. Gabi Böttcher

Als Pächter der Fläche folgen die Landwirte der Strategie des Amtes Kleine Elster, in Sachen erneuerbare Energien und Innovationen voranzugehen. Das Amt ist einer der Praxispartner der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg. In der Innovationsgruppe "Aufwerten" sollen gemeinsam mit vielen Partnern konkrete Lösungen für die Umsetzung von Agroforstsystemen aufgezeigt werden.

Auf dem Feld bei Massen sind bis Wochenmitte auf drei Bodenstreifen je fünf Reihen Pappelstecklinge in den Boden gebracht worden, auf einem weiteren Streifen drei Reihen.

Yvonne Raban und Manja Olle von einem weiteren Partner im Projekt, dem Biomasse Schraden e.V., sorgten mit drei Helfern dafür, dass die Stecklinge exakt nach Plan in den Boden gesetzt wurden. Yvonne Raban, Diplom-Ingenieurin für Landschaftsgestaltung: "Wir wollen die zukunftweisenden Agroforstsysteme in die Region bringen. Sie versprechen viele Vorteile für die Landwirte. So zum Beispiel den Schutz vor Erosion und höhere Erträge." Diesen Ergebnissen sieht Karina Kositzke, Geschäftsführerin der Massener Höfe, momentan noch mit einer Portion Skepsis entgegen. Doch sie betont: "Wir unterstützen das Projekt nach bestem Wissen und nach unseren Möglichkeiten. Ob es wirklich mehr Erträge gibt, muss sich zeigen." Deshalb hofft die Landwirtin, dass die Stecklinge in den nächsten Tagen bestes Wetter zum Wurzelschlagen haben. Da das Unternehmen seinen Anteil am Projekt aus eigener Tasche bezahle, sei der Erfolg natürlich aus wirtschaftlichen Gründen sehr wichtig. Für Dr. Christian Böhm von der BTU, der das bis zum Jahr 2019 laufende Projekt "Aufwerten" leitet, ist sicher: "Ich gehe davon aus, dass die Landwirte irgendwann aufs Feld gehen und sagen werden, dass die Agroforststreifen eine schöne Sache sind." Was früher gang und gäbe gewesen sei, gelte jetzt als eine Neuentdeckung. Christian Böhm, dessen Fachgebiet Agroforst ist, versteht die Skepsis von Landwirten wie Karina Kositzke, die jetzt in Vorleistung gehen. Wenn die Gesellschaft eine größere Nachhaltigkeit der Landnutzung anstrebe, dann müsse sich dies auch in Förderprogrammen niederschlagen. Hier sei bei der Politik noch ein dickes Brett zu bohren. Obwohl sich in den zurückliegenden Jahren schon einiges getan habe, müsse es bei der nächsten europäischen Agrarreform auf diesem Gebiet weiter vorangehen und auch in Deutschland mehr für die Umsetzung getan werden. Dass Agroforst zunehmend auf Interesse stößt, habe zuletzt eine Fachtagung in Brieske im benachbarten Oberspreewald-Lausitz-Kreis mit 170 Teilnehmern gezeigt.

Das Amt Kleine Elster und die Massener Höfe sind neben Partnern in Peickwitz, Forst und Welzow die ersten und bisher einzigen in Elbe-Elster, die den Nutzen von Agroforststreifen im Praxistest ergründen wollen. Vorteil hier: Im Biomasseheizwerk des Amtes kann die Pappelernte auf kurzem Wege verwertet werden.