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Bei der Fledermausnacht: "Freiheit für Herta!"

Paula Richter baut mit Steffen Kämmerer einen Fledermauskasten.
Paula Richter baut mit Steffen Kämmerer einen Fledermauskasten. FOTO: top
Finsterwalde. Schon lange haben sie die Wälder verlassen und besiedeln den urbanen Raum. Sie sind mitten unter uns und doch sehen wir sie selten oder nur ganz kurz, denn sie sind pfeilschnelle Jäger. Torsten Pötzsch

Jäger der Nacht, und es umgibt sie seit Jahrhunderten die Aura des Mystischen - Fledermäuse. 18 Arten sind in Brandenburg bis dato nachgewiesen, 17 davon leben und jagen im Landkreis. Ein absoluter Experte, wenn es um die fliegenden Säuger geht, ist Maik Korreng. Er hatte vor zehn Jahren die Idee, diese faszinierenden Jäger in den Focus des Interesses zu rücken. Seither ist die "Fledermausnacht des Landkreises" eine Erfolgsgeschichte. Am Samstag machte sie Station im Finsterwalder Tierpark, und die Organisatoren waren überwältigt von der Resonanz. NABU, Naturwacht, der Förderverein des Tierparks, das Freizeitzentrum, die Stadt und die Sparkasse fokussierten ihre Kräfte und Mittel und heraus kamen interessierte Eltern und glückliche und faszinierte Kinder. Langeweile kam nie auf, denn es ging mit Uwe Manig in die Bürgerheide. Dabei begegneten die Gäste bei der Kontrolle der Kästen einer Kolonie vom Braunen Langohr, dem Großen Abendsegler und der Fransenfledermaus. Quasi Sachkunde unter Realbedingungen, vor allem die Kinder waren fasziniert. Zurück im Tierpark konnten die Kinder Fledermauskästen bauen und mit nach Hause nehmen. Eine von den mehr als 50 Kindern, die Fledermauskästen bauten, war die zehnjährige Paula Richter aus Schacksdorf. Vor zwei Jahren war sie schon in Elsterwerda dabei. Als sie in ihrer Schule erfuhr, dass es wieder eine "Fledermausnacht" im Tierpark gibt, stand für sie fest: "Da muss ich hin!" Paula wusste auch gleich, wo ihr selbst gebauter Fledermauskasten hinkommt. "Bei uns an den Schuppen, und ich hoffe, es ziehen ein paar Fledermäuse ein."

Auch Familie Börner aus Crinitz freute sich: "Ein Ausflug war geplant, doch wir haben nicht gewusst, dass heute Fledermausnacht ist, sind etwas überrascht, doch nur im positiven Sinne", so Steven Börner, der Vater von Amelie (6), Theo (4) und Lotta (2) und Mutter Dorothee. Natürlich hat er mit den Kindern einen Fledermauskasten gebaut. "Wir wohnen am Waldrand, sehen hin und wieder Fledermäuse und hoffen jetzt natürlich ganz doll, dass sie auch bei uns ein Zuhause finden werden."

Für einen Höhepunkt sorgten aber die Kinder der Grundschule Nehesdorf unter der Leitung von Heidi Wilker. "Als ich das gesehen und gehört habe, da habe ich Gänsehaut bekommen", gestand Maik Korreng. "Es war einfach genial, was Heidi Wilker und ihre Kinder da abgliefert haben. Mit Liedern, Tänzen und kleinen Vorträgen so für die Sache zu sensibilisieren. Respekt und ganz viel Anerkennung!"

Fledermäuse kann man weder domestizieren noch dressieren, doch was wäre eine "Fledermausnacht" ohne Fledermaus? Auch für diesen Fall hatte Maik Korreng vorgesorgt. Vor zwei Monaten wurde ihm eine kleine Breitflügelfledermaus gebracht, die dem Tode näher war als dem Leben. Mit ganz viel Fachwissen, Mehlwürmern, Insekten und am Ende mit einem Namen, nämlich "Herta", wurde der kleine, fliegende Säuger wieder lebenstüchtig gemacht und am Samstag in die Freiheit entlassen.

Fledermaus "Herta".
Fledermaus "Herta". FOTO: top