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Bei Champagner mit Freunden sprechen

Uwe Drahn (Mitte) bei einem früheren Treffen im Gespräch mit Benjamin Benoist und Michel Ringenbach (r.).
Uwe Drahn (Mitte) bei einem früheren Treffen im Gespräch mit Benjamin Benoist und Michel Ringenbach (r.). FOTO: Franziska Dorn
Finsterwalde/Montataire. Beim Stadtfest in Finsterwalde wird auch der 55. Geburtstag der Städtepartnerschaft mit dem französischen Montataire gefeiert. Uwe Drahn und seine Mitstreiter im Partnerschaftsverein pflegen die Kontakte. Gabi Böttcher

Seinen freundschaftlichen Draht nach Frankreich und zu den Menschen in Finsterwaldes Partnerstadt Montataire kann nichts erschüttern. Was einst mit den geliebten Filmen mit Louis de Funès begann, ist heute zu einem selbstverständlichen Teil seines Lebens geworden. Für den Vorsitzenden des Partnerschaftsvereins Uwe Drahn (40) spielen dabei politische Machtkonstellationen in Rathäusern oder in den Ländern eine untergeordnete Rolle. Wenngleich der nun eingetretene jüngste Regierungswechsel im Nachbarland schon beim Besuch der Finsterwalder zum 55. Partnerschaftsjubiläum im Mai in Frankreich diskutiert wurde. In Montataire sehe man auch Macrons neoliberalen Arbeitsmarktreformen mit Skepsis entgegen.

Terroristische Anschläge in Paris und Berlin ließen die Menschen in beiden Ländern in Gedanken beieinander sein und über moderne Kommunikationswege in Verbindung treten. "Wir sprechen durchaus nicht nur vom Wetter und wie schön blau der Himmel ist", sagt Uwe Drahn, der als Betriebswirtschaftler bei der TTS GmbH in Massen tätig ist. Er hat dabei insbesondere die Gespräche mit Benjamin Benoist im Hinterkopf. Der vier Jahre jüngere Franzose, der die Nachfolge des langjährigen Vereinsvorsitzenden des französischen Partnerschaftsvereins, Michel Ringenbach, übernehmen soll, ist für den Finsterwalder zu einem guten Freund geworden.

Im Mai 1993 hatte Uwe Drahn die gut 1100 Kilometer entfernt gelegene Partnerstadt zum ersten Mal besucht. Seither verging kaum ein Jahr, in dem er nicht dort war. Oft kam zur traditionellen Vereinsreise um den Himmelfahrtstag noch eine weitere hinzu. "Das schönste an den Besuchen ist, wenn wir mit Freunden vom Verein in deren Garten oder Wohnung zusammensitzen und uns unterhalten. So, wie man das unter Freunden tut." Dazu gemeinsam einen Champagner trinken - das ist französisches Flair, wie es Uwe Drahn liebt. Gänsehautmomente sind es für ihn, Menschen wie dem 88-jährigen Michel Roger zu begegnen, der vor 55 Jahren zu den Begründern der Städtepartnerschaft gehörte.

Wenn die Freunde aus Montataire, zu denen sechs Gäste des Vereins gehören, heute nach Finsterwalde anreisen, dann ist das Uwe Drahn einen Tag Urlaub wert. Am frühen Nachmittag holt er die Franzosen vom Flughafen Tegel ab. "Halbe Sachen gibt es bei mir nicht", sagt Uwe Drahn. Vor zweieinhalb Jahren hat er von Elke Bolze den Vereinsvorsitz übernommen. Seit er als 15-Jähriger Französisch zu seiner dritten Fremdsprache erwählt hatte und von Anfang an im Verein mitmischt, möchte er dies auch künftig nicht missen. Stolz ist er auf die 25 Mitglieder des Finsterwalder Vereins und die Aktiven im Partnerschaftsverein von Montataire, die die seit 55 Jahren bestehenden offiziellen Kontakte der Städte mit Leben erfüllen helfen.

Schon am 9. September haben sich sechs Läufer aus Montataire zum Finsterwalder Dutzend angesagt. Am 17. September treffen sich Pilzsammler aus beiden Städten und planen nach gemeinsamem Sammeln die Neuauflage einer Pilzausstellung, wie sie vor zwei Jahren in Finsterwalde Premiere hatte. Zunächst geht es aber schon heute Abend nach Fürstlich Drehna und am Samstagnachmittag zu den IBA-Terrassen nach Großrä-

schen. Und morgen wird selbstverständlich beim Stadtfest in Finsterwalde die zu DDR-Zeiten vor 55 Jahren begründete Städtepartnerschaft gefeiert. Dies geschieht um so fröhlicher, weil der Finsterwalder Verein noch einen weiteren Grund zum Feiern hat: Vor 25 Jahren - am 17. Juni 1992 - wurde er aus der Taufe gehoben.