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| 02:38 Uhr

Bei Betriebsbesuch: Darf ich mal auf einer Kuh reiten?

Eine regelrechte Drängelei gab es in der Kinderstube der Kälbchen. Rechts Jad aus Syrien unter der Kinderschar.
Eine regelrechte Drängelei gab es in der Kinderstube der Kälbchen. Rechts Jad aus Syrien unter der Kinderschar. FOTO: Dieter Babbe/dbe1
Finsterwalde. Zahlreiche Steppkes löcherten am Sonnabend mit Fragen bei der 2. Finsterwalder Familienradtour zur Milchviehanlage in Drößig. dbe1

"Warum bekommen die Kühe die Hörner abgeschnitten?", will der fünfjährige Paul wissen, als er bei den Tieren die Hornstummel sieht. "Weil sie sich sonst untereinander schwer verletzen würden - und uns Tierpfleger auch", antwortet Detlef Zaunig geduldig. "Wie alt werden die Kühe hier im Stall?", fragt die achtjährige Lisa. "Unsere älteste Kuh heißt Stella und ist schon 17 Jahre alt. Sie war die zweitbeste Milchkuh in Brandenburg - mehr als 150 000 Liter Milch hat sie in ihrem Leben geliefert. Jetzt bekommt sie bei uns ihr Gnadenbrot", erzählt Detlef Zaunig. "Hat schon mal der Wolf ein Kälbchen getötet?", will Lena wissen. Detlef Zaunig kann beruhigen: "Der Wolf vermutlich noch nicht, aber die Kolkraben machen uns große Sorgen. Insbesondere bei Zwillinggeburten hacken sie dem ersten neugeboreren Kälbchen oft die Augen aus, was die Mutterkuh nicht verhindern kann, weil das zweite noch auf die Welt kommt."

Am laufenden Band löcherten die zahlreichen Steppkes Detlef Zaunig, der als Besamungstechniker seit langem zum Team der Drößiger Milchviehanlage gehört. Über 30 Teilnehmer - weit mehr als bei der Premiere im vorigen Jahr - steuerten am Sonnabend bei der 2. Familienradtour der Kreisverkehrswacht Elbe-Elster die Stallanlage der Finsterwalder Landwirtschafts GmbH an. Die Kinder, aber auch ihre Eltern und Großeltern, beobachteten die Tierpfleger beim Melken der Kühe, besuchten die Patienten-Kühe in der Krankenstation, streichelten die niedlichen Kälbchen in der Kinderstube und erfuhren auch von den Sorgen der Bauern - die bei einem Milchpreis von gegenwärtig 33 Cent für den Liter gerade so auf ihre Kosten kommen. Wie lecker frische Kuhmilch schmeckt, das konnten die Teilnehmer bei Kostproben ebenso probieren, wie Käse in verschiedenen Sorten.

Den Wunsch des sechsjährigen Augustin wollte Detlef Zaunig dann aber doch nicht erfüllen - als der fiffige Schüler der Finsterwalder Grundschule Stadtmitte bat: "Darf ich mal auf einer Kuh reiten?" Vielleicht demnächst, wenn die 3. Finsterwalder Familienradtour zu einem nahen Gestüt führen sollte. Das Angebot der Kreisverkehrswacht an Familien, gemeisam mit ihren ganz kleinen Kindern auf verkehrsarmen Straßen zu radeln und dabei einen Kuhstall anzusteuern, kam bei den Teilnehmern an. Erstmals folgten mit Jad, dem sechsjährigen syrischen Jungen, und seinem Papa Bashar in Finsterwalde lebende Flüchtlinge der Einladung. Für Lukas, acht Jahre alt, stand am Ende der mehr als dreistündigen Fahrradtour schon mal fest: "Es war toll - das nächste Mal bin ich auf jeden Fall wieder mit dabei!"