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Begeistert von Quetzdölsdorf

Jean-Pierre Seiler aus Altenau lässt sich von Christine Wenzel vom Verein "Land.Leben.Kunst.Werk" in Quetz von dessen Arbeit berichten. Im Bild: die Baumhäuser.
Jean-Pierre Seiler aus Altenau lässt sich von Christine Wenzel vom Verein "Land.Leben.Kunst.Werk" in Quetz von dessen Arbeit berichten. Im Bild: die Baumhäuser. FOTO: privat
Finsterwalde. Auf die Frage, ob Elbe-Elster trotz abnehmender und älter werdender Bevölkerung eine Zukunft hat, haben die Akteure des Vereins "Generationen gehen gemeinsam" (G 3) eine klare Antwort. "Wir sagen ja, wenn Menschen ihre Zukunft mitgestalten!" Auf der Suche nach Ideen für eine lebenswerte Zukunft, in der Menschen ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen, begeben sich die Akteure von "Zukunft Elbe-Elster" auch auf Informationstouren Gabi Böttcher

Sie finden dabei Menschen, die bereits neue, teils unkonventionelle Antworten gefunden haben. Dieser Tage besuchten sie den Ort Quetzdölsdorf in der Nähe von Bitterfeld-Wolfen. Dr. Michael Thomas vom Verein G 3 zeigt sich begeistert.

Trotz überwiegend schlechten Wetters habe man sehr starke Eindrücke gewonnen, Motivation geschöpft. Man habe in Quetzdölsdorf bestätigt bekommen, wie wichtig die tragenden "Figuren" sind, um Entwicklungen zu initiieren und voranzutreiben. Veit Urban, aus der Erlebnispädagogik kommend und ein "philosophischer Geist", und Christine Wenzel, Landschaftsgärtnerin und künstlerisch Tätige, stehen mit dem Verein "Land.Leben.Kunst.Werk" für einen komplexen Ansatz, der ländliches Leben, Arbeit und Kunst vereint.

In Quetz, einem Ortsteil von Quetzdölsdorf, wurde ein Biogarten geschaffen, der von einem Gärtner bewirtschaftet wird und dessen Abnehmer sowohl vor Ort wie auch etwa in Halle und Bitterfeld sind. In einem ehemaligen Pfarrhaus, das mit Leader-Unterstützung und vor allem durch internationale Projekte sehr gekonnt und aufwendig rekonstruiert wird, finden sich ein Tagungsraum, Aufenthaltsmöglichkeiten und eine Bioküche, in der die eigenen Produkte verarbeitet werden. Im Nachbarhaus entstehen Wohnungen. Dazu gibt es noch Lagerräume und es ist an weitere Räume gedacht. Wichtig für das Projekt sei noch ein Hochseilgarten sowie eine eindrucksvolle Baumhausanlage, an der noch weiter gearbeitet werde.

"Die Objekte zeigen zugleich, dass sie ein offenes Projekt sein wollen, sowohl für die Dorfbewohner wie die vielen Gäste von außen, gerade auch die internationalen Gäste", resümiert Dr. Thomas. Offenheit bestünde gleichermaßen für alle Generationen, die auf spezielle Weise angesprochen werden und sich auch einbeziehen lassen.

Nicht unwesentlich für das Projekt sei, dass dahinter ein freier Träger der Jugendarbeit, der Verein, steht. So seien nicht nur vielfache Aktivitäten vor Ort möglich, Veit Urban und Christine Wenzel könnten selbst zeitweilig als Dozenten arbeiten und hätten so eine gewisse finanzielle Basis. Die Finanzen, so erfuhren die Neugierigen aus Elbe-Elster, seien auch für den Quetzdölsdorfer Verein das große Problem. Man habe jedoch in geschickter Kombination eine beachtliche Stabilisierung erreicht. Es gebe derzeit zwei halbe Projektstellen, was ganz entscheidend helfe, denn ganz ohne Förderung gehe es denn doch nicht. Hinzu käme immer wieder die Unterstützung der Agentur für Arbeit und des Jobcenters, über die gegenwärtig Menschen in der Küche in einer Maßnahme beschäftigt sind. Einnahmen fließen durch den Verkauf von Produkten aus dem Biogarten, durch Bildungsangebote und Lernprojekte. So werde der Hochseilgarten von Jugendgruppen, aber auch von der Feuerwehr, für Managementkurse und anderes mehr vielfältig genutzt. Den Gästen aus Elbe-Elster wurde aber auch nicht verschwiegen, dass sich die Situation zeitweilig sehr kritisch dargestellt habe und nur aus dem eigenen Dispokredit überwunden werden konnte. Permanent sei das Problem zu lösen, für den Winter vorsorgen zu müssen, wenn die Einnahmen fehlen. Michael Thomas und die anderen Exkursionsteilnehmer aus Elbe-Elster nahmen dennoch das Gefühl mit, dass eine hinreichende Stabilisierung erreicht worden sei. "Und diese korrespondiert mit einer Ausstrahlung und Wirksamkeit", so Michael Thomas. Er sieht in all dem in Quetzdölsdorf Erfahrenen die Philosophie des "offenen Dorfes". Es gehe eben nicht um einen abgeschotteten Jugendclub oder Rentnertreff - alle seien eingeladen zum Mitwirken. Was den "Zukunftsforschern" aus Elbe-Elster in Quetzdölsdorf immer wieder als starkes Motiv des Handelns deutlich wurde? "Es ist der Versuch, die Gemeinschaft zu aktivieren und so das Dorf als Gemeinschaft zu formen", konstatiert Dr. Thomas. Nach dieser Erfahrungsreise steht für die Akteure der Initiative "Zukunft Elbe-Elster" außer Frage: Es werden weitere Exkursionen folgen, so ins Bioenergiedorf Bollewick.