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| 17:12 Uhr

Kletter-Camp in Crinitz
Übung und Austausch in Crinitz

 Baumkletterer im Waldbad in Crinitz: Um Kletterseile im Baum zu platzieren, wird zuerst mit einer Zwille eine Leine in den Baum geschossen und damit dann das Seil nach oben gezogen.
Baumkletterer im Waldbad in Crinitz: Um Kletterseile im Baum zu platzieren, wird zuerst mit einer Zwille eine Leine in den Baum geschossen und damit dann das Seil nach oben gezogen. FOTO: LR / Daniel Roßbach
Crinitz. Im Waldbad in Crinitz haben sich professionelle Baumkletterer zu einem Camp getroffen. Es wurden Rettungsübungen durchgeführt und Erfahrungen ausgetauscht. Denn beim Arbeiten in großer Höhe sind einige Dinge überlebenswichtig. Von Daniel Roßbach

Zum ersten Mal trafen sich am Wochenende im Waldbad in Crinitz selbstständige professionelle Kletterer zu einem zweitägigen Camp. Auf Einladung von „Waldcoach“ André Stissel aus Dollenchen kamen dort sieben Berufskollegen aus Brandenburg, Sachsen und Thüringen zusammen, um vorgeschriebene Rettungsübungen durchzuführen, aber auch, um sich über Erfahrungen und Techniken auszutauschen.

„Man kann viel voneinander lernen, weil jeder andere Schwerpunkte und unterschiedlich viel Erfahrung in verschiedenen Bereichen hat“, sagt etwa Marco Zniewski-Winter, der aus Altdöbern stammt und inzwischen in Sachsen ansässig ist.

Bei den Rettungsübungen, die mindestens einmal im Jahr vorgeschrieben sind, wird zum Beispiel durchgespielt, wie die Kletterer Kollegen helfen können, wenn die sich etwa bei der Arbeit mit Sägen verletzen oder bei einem Sturz im Baum das Bewusstsein verlieren.

Baumkletterer üben im Waldbad in Crinitz

Auch und besonders bei der Rettungsübung müssen natürlich alle Sicherheitsvorschriften und -protokolle eingehalten werden. Dazu gehört nicht nur die richtige Sicherung, sondern auch eine klare Begutachtung des zu besteigenden Baumes. Festgehalten wird das alles in einer „Baumansprache“ – so nennen die Kletterer das Protokoll und die Checkliste vor dem Beginn der Arbeiten.

Wie leicht es ist, bei dieser Arbeit mit ungeschickten Handgriffen Fehler zu machen, bemerkt auch der Reporter selbst: Als ich unter der Anleitung der Profis selbst auf den Baum klettere, missachte ich für einen Moment einen der Hinweise und reibe mir ein wenig schmerzhaft einen Finger an meinen Seilen.

 Bestandteil der Übung im Waldbad in Crinitz ist auch, potenziell bewusstlose Baumkletterer sicher zum Boden zu bringen.
Bestandteil der Übung im Waldbad in Crinitz ist auch, potenziell bewusstlose Baumkletterer sicher zum Boden zu bringen. FOTO: LR / Daniel Roßbach

Dieser Selbstversuch zeigt aber auch die unterstützenden und absichernden Funktionen der Kletterausrüstung, mit der es höchstens moderat anstrengend ist, in die Krone des Baums aufzusteigen und sich von dort wieder abzuseilen.

„Es ist sehr wichtig, dass man sich auf das Personal am Boden verlassen kann und von ihm unterstützt wird. Und auch klare, eindeutige und schnelle Kommunikation ist fundamental“, erklärt André Stissel, worauf es für sicheres Arbeiten in großer Höhe unter anderem ankommt.

Rettungsübungen in Crinitz für Baumkletterer verpflichtend

Solche Rettungsübungen sind für alle Baumkletterer verpflichtend. Einmal im Jahr müssen sie von entsprechend qualifizierten Personen durchgeführt werden. „Im normalen Arbeitsalltag auf Baustellen kommt man dazu nicht“, erklärt André Stissel: „So ist die Idee entstanden, sich dazu einmal gesondert zu treffen. Und das dann auch mit einem Erfahrungsaustausch zu verbinden.“

So kam es zur Veranstaltung im Waldbad Crinitz. Beim Campen dort wurde dann natürlich mit den professionellen Pflichten, den Gesprächen über die Arbeit und Klettern zum Spaß auch ein gemütliches Beisammensein verbunden.

Einen Ernstfall, in dem eine Rettung, wie sie in Crinitz geprobt wurde, nötig gewesen wäre, hat noch keiner der anwesenden Kletterer erlebt. „Wir kommen zusammen auf gut siebzig Jahre Berufserfahrung, hatten aber alle noch keinen schweren Unfall“, sagt Kletterer und Baumpfleger André Stissel.