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| 08:37 Uhr

Kahlschlag im Stadtwald
Baumfällungen in Finsterwalder Bürgerheide verärgern Anwohner

 Eine der Holzernte-Maschinen in Betrieb. Auch der Einsatz dieser wenig schonenden Maschinen ist Anlass zu Kritik.
Eine der Holzernte-Maschinen in Betrieb. Auch der Einsatz dieser wenig schonenden Maschinen ist Anlass zu Kritik. FOTO: LR / Daniel Roßbach
Finsterwalde. Die Holzfällarbeiten im Stadtwald stoßen bei den Bürgern auf Unverständnis. Die Stadt begründet die Maßnahmen mit Schädlingsbefall. Von Daniel Roßbach

Fassungslos und wütend schauen dieser Tage viele Finsterwalder auf ihren Stadtwald in der Bürgerheide. Denn wo eigentlich ein schöner, stadtnaher Wald um den Tierpark und das Niedermoor von „Eierpieler“ und „Siebenbrunnen“ Erholung versprechen soll, finden seit Wochen umfangreiche Forstarbeiten statt. In deren Folge liegen an vielen Stellen in dem Wald im Westen der Stadt abgesägte und gebrochene Äste und Stämme herum, sind Wege vom Einsatz des schweren Forstgeräts gekennzeichnet, und wurden hunderte Baumstämme zu Stapeln gehäuft. „Wie ein Schlachtfeld“, „schlimm“ und „katastrophal“ sehe der Wald nun aus, sagen Spaziergänger dort.

Es sind tatsächlich umfangreiche Forstarbeiten, die zwischen Tierpark, Moor und Bahndamm stattfinden. Begründet werden sie von der Stadt mit Schädlingsbefall: Borken- und Prachtkäfer haben demnach die Kiefern, Buchen und Fichten des Waldes befallen. Deshalb seien die Fällarbeiten notwendig. Es wird um Verständnis für die „flächenweisen Beeinträchtigungen für den Besucher- und Erholungsverkehr im Zeitraum der Arbeiten“ gebeten.

Doch Kenner des Waldes sind von dieser Begründung nicht überzeugt. Steffen Zikoll etwa, der den Wald in der Bürgerheide regelmäßig besucht, sagt: „Es sind eindeutig auch viele gesunde Bäume gefällt worden, allem Anschein nach zur Bewirtschaftung des Waldgebiets.“ Außerdem könne das Ziel der Aktion nicht erreicht werden, wenn das geschlagene (und potenziell Schädlings-infizierte) Holz nicht aus dem Wald entfernt werde. Das schreibt auch die Stadt selbst in der Mitteilung, mit der die Arbeiten begründet werden. Bürger befürchten und beobachten aber, dass das nicht geschieht.

Holz, das nach den Arbeiten auf dem Waldboden liegen bleibt, lässt auch Sorgen um die in Brandenburg einzigartige Moorlandschaft um den Eierpieler wachsen. Zum ersten Mal seit vielen Jahrzehnten ist der Eierpieler aktuell, im zweiten heißen und trockenen Jahr in Folge, ausgetrocknet. In dem Moor wurden in den vergangen Jahren Gräben und Wehre angelegt, die dafür sorgen sollen, Wasser in dem Moor zu halten. Durch gefällte und nicht geräumte Bäume könnten diese Gräben verstopft werden, so die Befürchtung von Beobachtern.

 Steffen Zikoll ist einer der Bürger, die kein Verständnis für das Vorgehen in der Bürgerheide haben.
Steffen Zikoll ist einer der Bürger, die kein Verständnis für das Vorgehen in der Bürgerheide haben. FOTO: LR / Daniel Roßbach

Auch den Zeitpunkt der Aktion kann Zikoll nicht nachvollziehen: „Es gibt Empfehlungen, solche Arbeiten frühestens im August durchzuführen. Und nicht wie jetzt in der größten Hitze im Juli.“ Auch der Waldbrand am Bahndamm in der vergangenen Woche, ausgelöst durch einen Zug, sei durch viel trockenes Holz am Waldboden begünstigt worden.

Und auch die Schädigungen, die es der Stadt zu Folge notwendig machen, viele Bäume zu fällen, habe man nur bei wenigen Pflanzen tatsächlich sehen können. „Natürlich kann man als Laie auch nicht jede Schädigung erkennen“, gibt Steffen Zikoll zu. Doch für die Vehemenz des Vorgehens mit Holzvollernte-Maschinen fehlt ihm trotzdem eine schlüssige Begründung.

 Der Stamm eines Jahrzehnte-alten gefällten Baumes.
Der Stamm eines Jahrzehnte-alten gefällten Baumes. FOTO: LR / Daniel Roßbach
 Gestapelte Stücke gefällter Stämme.
Gestapelte Stücke gefällter Stämme. FOTO: LR / Daniel Roßbach