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Baulücke, Musiker-Haus und Mensa ins Blickfeld gerückt

Finsterwalde. Nahezu euphorisch war unter den Akteuren des Zukunftsstadt-Wettbewerbes die Idee von der Fortentwicklung eines ganzen Stadtquartiers einschließlich des Wachküssens der alten Kistenfabrik an der Weststraße aufgenommen worden. Gabriela Böttcher

In der gemeinsamen Beratungsrunde der Arbeitsgruppen "Wohnlabor in der Innenstadt" und "Kreativzentrum für junge Familien als Glasfaser-Campus" verabreichten die Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft und der Wohnungsgenossenschaft Finsterwalde, René Junker und Ullrich Witt, am Montagabend eine gehörige Portion Ernüchterung.

Die Pragmatiker knüpfen die zweifellos attraktive Idee an deren Realisierbarkeit. "Wir stecken vielleicht jede Menge Kraft und Zeit in das Projekt und dann sagt der private Eigentümer, das gefällt ihm nicht." René Junker pflicht seinem Kollegen bei und will den Fokus lieber auf die Baulücke in der Leipziger Straße richten, mit deren Bebauungsmöglichkeiten sich bereits Studenten beschäftigt hatten. "Wir wollen die Idee um die Industriebrache nicht kaputtreden, aber fremdes Eigentum zu beplanen oder gar zu bebauen, ist äußerst schwierig", so René Junker. In der Leipziger Straße könne man sich auch im Hinblick auf neue, innovative Wohnformen richtig austoben. Clemens Habermann, der die Industriebrache in die Zukunftsstadt-Debatte eingebracht hatte, kann sich auch ein weiteres "Aufspannen des Bogens, mehrere verschiedene Säulen" im Zukunftsstadt-Projekt vorstellen. So zum Beispiel einen dritten Baustein für das Tautsche Gymnasium - eine Mensa, gepaart mit dem Gedanken der Inklusion, des barrierefreien Arbeitens und Wohnens, vielleicht sogar mit einem Gewächshaus für die Eigenversorgung. Zwischen den Wohnhäusern der Wohnungsgesellschaft in der Brunnenstraße könnte er sich ebenso einen speziellen Neubau vorstellen, der das Quartier aufwertet.

Aufgefrischt wurde der Gedanke von einem Haus der Musiker an der Stadthalle. Zu bereits ansässigen regionalen Künstlern könnten weitere hinzukommen, stellt sich Ullrich Witt vor. René Junker hat in Dresden auf einem alten Fabrikgelände eine Nutzung durch Künstler entdeckt, deren Organisationsform er hinterfragen will. In die Zukunftsidee müsse stärker das Alleinstellungsmerkmal der Sängerstadtregion integriert, deren Erlebbarkeit forciert werden, so Junker. Volkmar Hanko, als interessierter Bürger in den Arbeitsgruppen dabei, erzählt von einem Musikbrunnen, den er in Spanien erlebt habe.

Clemens Habermann findet, dass allein der demokratische Prozess des Nachdenkens über die Zukunftsstadt, über Identität und innovative Lösungen den Wettbewerb wichtig macht. Ideen, die nicht umgesetzt werden könnten, seien vielleicht in Zukunft nutzbar.