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| 15:53 Uhr

Bauhaus-Jahr
Bauhaus strahlt aus bis in die Sängerstadt Finsterwalde

Bauhaus-Architektur in der Finsterwalder Friedenstraße. Viele wissen nichts von den Juwelen vor ihrer Haustür. Gisela Unger (l.) und Ingrid Weinert wohnen ganz in der Nähe und freuen sich über den Wissenszuwachs in Sachen Architektur-Geschichte und die vier Bauhaus-Gebäude.
Bauhaus-Architektur in der Finsterwalder Friedenstraße. Viele wissen nichts von den Juwelen vor ihrer Haustür. Gisela Unger (l.) und Ingrid Weinert wohnen ganz in der Nähe und freuen sich über den Wissenszuwachs in Sachen Architektur-Geschichte und die vier Bauhaus-Gebäude. FOTO: Gabi Böttcher / LR
Finsterwalde. Deutschland feiert 100 Jahre Bauhaus. Und Finsterwalde will mit an der Tafel sitzen.

So wie Gisela Unger und Ingrid Weinert dürfte es manchem gehen. Tagtäglich kommen sie an den vier Wohnhäusern der Wohnungsgenossenschaft in der Friedenstraße der Sängerstadt vorbei. Aber dass diese Gebäude in die geradezu legendäre Familie der Bauhaus-Architektur einzuordnen sind, war ihnen bisher verborgen. Ingrid Weinert weiß, dass es ein paar Meter weiter — in der Forststraße — ein weiteres Haus gibt, das dem Bauhaus zugeordnet wird. Womit sie vollkommen richtig liegt. Das heute von der Familie Kurtz bewohnte Haus, das nach längerem Leerstand nach dem Krieg von den Eltern der heutigen Hausherrin erworben worden war, zeigt sich mit typischem Erscheinungsbild.

In der Sängerstadt formieren sich dieser Tage Akteure um Veit Klaue vom Sängerstadtmarketingverein, Wirtschaftsförderer Torsten Drescher und Stadtsanierer Uwe Brenner, die dem Bauhaus-Jubiläum auch in Finsterwalde eine öffentliche Relevanz geben wollen. Ob reinstes Bauhaus oder Elemente beziehungsweise Vorläufer dieser Architektur — Veit Klaue weiß aus dem Tourismusgeschäft, dass es sehr wohl Interesse für Spezielles in der Region gibt. Das Jubiläum des Bauhauses ist somit willkommener Anlass, sich der Spuren der legendären Hochschule für Gestaltung auch in der Sängerstadt zuzuwenden. „Damit wollen wir an das Reformationsjahr anknüpfen, wo wir ja auch zeigen konnten, wie weitreichend die Wirkungen außerhalb der großen, bekannten Stätten der Reformation waren“, sagt Veit Klaue. In jedem Fall wolle man die Stadtführer zum Thema Bauhaus fit machen. An den architektonischen Zeugen dieses Stils könnten kleine Hinweistafeln angebracht werden. Auf alle Fälle solle sich im Hausgeschichten-Kalender 2019 widerspiegeln, was Finsterwalde in diesem Zusammenhang zu bieten hat. Ullrich Witt, wie Gabriele Brungart Vorstand der Wohnungsgenossenschaft: „Die Idee mit den Tafeln finde ich gut. Klare Linien, klare Formen, die Wohnungsgrundrisse nach praktischen Überlegungen und eine gute Lage — auf unsere Häuser in der Friedenstraße können wir schon stolz sein.“ Jeweils 16 Wohnungen befinden sich in jedem der vier Häuser und sie seien sehr gefragt.

Für Olaf Weber vom Sänger- und Kaufmannsmuseum steht außer Frage, dass sich Finsterwalde im Zusammenhang mit dem Bauhaus unter Städten vergleichbarer Größe hervortut. Auch das ehemalige Konsum-Haus am Wasserturm, die Doppelturnhalle in der August-Bebel- Straße, das Märchenhaus in der Friedrich-Hebbel-Straße, die Wohnanlage Bergmühle und gar das Kino Weltspiegel, das unter seiner heute bekannten Fassade eine Bauhausfassade und darunter gar noch eine im Jugendstil aufweist, können mit dem Bauhaus in Verbindung gebracht werden.

Veit Klaue, selbst als Stadtführer in Finsterwalde unterwegs, will den Bogen für einen Architektur-Pfad weiter spannen: „Wir haben viele Kleinode aus unterschiedlichen Stilepochen in unserer Stadt.“ Es gelte nunmehr, alles zusammenzutragen, wichtige Informationen für die Stadtführer aufzuarbeiten und touristisch relevante Fakten auch über moderne Medien zugänglich zu machen. „Und es interessieren uns die Geschichten hinter der Geschichte. Zum Beispiel die Frage, warum Baurat Dassel so auf die Moderne gestanden hat.“ Mit all dem will Finsterwalde in die Welt rufen: Das Bauhaus ist nicht nur mit Orten wie Weimar und Dessau in Verbindung zu bringen. Kommt nach Finsterwalde und seht, was wir damit zu tun haben. Und den Finsterwaldern solle damit vermittelt werden: Seid stolz darauf, was ihr zu bieten habt.

(gb)