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Bauern-Netzwerk trägt reife Früchte

Hermann Jermis hat Freude an seinem gewählten Beruf Landwirt und dem Umgang mit den Tieren. Durch das Ausbildungsnetzwerk des Bauernverbandes Südbrandenburg hat der Auszubildende auf dem Milchgut Görlsdorf schon viele Einblicke in andere Agrarunternehmen in der Region und darüber hinaus bekommen.
Hermann Jermis hat Freude an seinem gewählten Beruf Landwirt und dem Umgang mit den Tieren. Durch das Ausbildungsnetzwerk des Bauernverbandes Südbrandenburg hat der Auszubildende auf dem Milchgut Görlsdorf schon viele Einblicke in andere Agrarunternehmen in der Region und darüber hinaus bekommen. FOTO: B. Keilbach
Luckau. Gut ausgebildete junge Leute werden in der Landwirtschaft gebraucht. Die Anforderungen an Fachkräfte sind gewachsen. Die Ausbildung muss damit Schritt halten. In Südbrandenburg haben Agrarunternehmen ein Netzwerk gebildet. Birgit keilbach /

Fachkräftemangel ist auch ein Schlüsselwort für die Landwirte der Region. "Die Nachwuchsgewinnung wird immer wichtiger für uns, und wir brauchen gutes Personal", sagt Joachim Klindworth. Der Geschäftsführer der Milchgut Görlsdorf GmbH zählt zu den Initiatoren des Ausbildungsnetzwerkes des Bauernverbandes Südbrandenburg. Elf Betriebe bildeten es vor sieben Jahren. Es konnte dabei Erfahrungen aus dem Elbe-Elster-Kreis nutzen. Inzwischen beteiligen sich 34 Agrarunternehmen daran.

Alle Fäden laufen beim Bauernverband Südbrandenburg zusammen. "Wir haben es gegründet, um die Betriebe bei der Ausbildung zu untersützten, den Lehrlingen breite praktische Einblicke zu ermöglichen und den Austausch untereinander zu fördern", sagt Netzwerkmanagerin Heike Lehmann.

Konkret haben die künftigen Land- und Tierwirte, Landmaschinenmechatroniker sowie Landwirtschaftshelfer in jedem Monat einen zusätzlichen Ausbildungstag. "Diese finden einerseits in verschiedenen beteiligten Agrarunternehmen statt", sagt Netzwerkkoordinatorin Ingrid Kühnel. Auf diese Weise lerne ein Tierwirt auch etwas über die Grünlandbewirtschaftung oder ein Landwirt über die Tiergesundheit im Milchviehbestand. Andererseits stehen Betriebsbesuche in vor- und nachgelagerten Betrieben auf dem Programm, in dieser Woche beispielsweise ein Besuch der Molkerei in Elsterwerda. Exkursionen führten auch zu Traktoren- und Landmaschinenherstellern in Bayern und Nordrhein-Westfalen sowie auf ein Versuchsgut in Hülsenberg (Niedersachsen). "Dort geht es speziell um das Thema Milchviehfütterung", erläutert Ingrid Kühnel. In den Berufsschulen werde nicht alles vermittelt, was in der Praxis nötig sei. Die zusätzliche Ausbildung im Netzwerk ergänze das. Hermann Jermis aus Reichwalde hat im vergangenen Jahr seine Ausbildung zum Landwirt mit Abitur im Milchgut Görlsdorf begonnen. "Dieser zusätzliche Ausbildungstag ist sehr sinnvoll. Wir waren schon im Claas-Werk in Harsewinkel, in Sonnewalde haben wir viel über die Landtechnik für die Bodenbearbeitung erfahren. In Neu Zauche waren Euterkrankheiten das Thema", nennt der 16-Jährige einige Beispiele.

Dabei tauschen sich die Azubis auch untereinander aus. Zudem nützten die gewonnenen Erkenntnisse auch dem jeweiligen Ausbildungsbetrieb. "Die Lehrlinge schauen sich an, wie in anderen Betrieben gearbeitet wird, werden selbstständiger und hinterfragen auch die eigenen Arbeitsabläufe stärker", sagt Joachim Klindworth. Das habe auch auf dem Milchgut schon zu effektiveren Lösungen geführt. Zum Beispiel wurde der Strohtransport verbessert und verkehrssicherer gemacht.

Die gestiegene Qualität der landwirtschaftlichen Ausbildung durch das Netzwerk hat sich inzwischen herumgesprochen. "Manchmal kommen auch Azubis aus noch nicht beteiligten Betrieben zu den Praxistagen und in der Folge schließen sich weitere Betriebe dem Netzwerk an", sagt Heike Lehmann.

Auch durch die Auftritte bei Ausbildungsmessen und anderen Vorstellungen der grünen Berufe habe das Interesse am Ausbildungsnetzwerk zugenommen, ergänzt sie. Der Nutzen lässt sich ganz konkret ablesen. So stieg die Zahl der Auszubildenden laut der Managerin von 61 im Jahr 2014 auf 81 in diesem Jahr.

Zum Thema:
Das Ausbildungsnetzwerk des Bauernverbandes Südbrandenburg wird gefördert mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds sowie des Arbeits- und des Landwirtschaftsministeriums des Landes Brandenburg. Darüber hinaus zahlt jeder beteiligte Betrieb einen Eigenanteil. Von elf Landwirtschaftsbetrieben im Startjahr 2009 ist die Zahl der am Netzwerk beteiligten Betriebe auf aktuell 34 in den Landkreisen Dahme-Spreewald, Teltow-Fläming, Oberspreewald-Lausitz und Spree-Neiße gestiegen. Das Ausbildungsnetzwerk erstreckt sich von der Agrargenossenschaft Spreetal, Neu Lübbenau, im Norden bis zum Landwirtschaftsbetrieb Thomas Domin, Peickwitz, im Süden sowie von der Bauerngenossenschaft Dahme im Westen bis zur Bauern AG Neißetal in Groß Gastrose an der polnischen Grenze.