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| 15:56 Uhr

Streit zwischen Bauherrn und Behörde
Denkmalschutz bremst Umbau von Finsterwalder Bahnhofsgebäude

 Vor allem um die Eingangshalle, die jünger als das Hauptgebäude ist, geht es in dem Streit um das Finsterwalder Bahnhofsgebäude zwischen Denkmalschutz und Eigentümer Torsten Ratke.
Vor allem um die Eingangshalle, die jünger als das Hauptgebäude ist, geht es in dem Streit um das Finsterwalder Bahnhofsgebäude zwischen Denkmalschutz und Eigentümer Torsten Ratke. FOTO: LR / Daniel Roßbach
Finsterwalde. Der Unternehmer Torsten Ratke hat mit dem Finsterwalder Bahnhofsgebäude Großes vor. Der Denkmalschutz grätscht jedoch dazwischen. Von Jenny Theiler

Verlassen, marode, aber trotzdem noch irgendwie schön – so beschreiben viele Finsterwalder ihren Bahnhof. Das Backsteinhaus aus dem späten 19. Jahrhundert steht trotz seines architektonischen Potenzials seit Jahren weitgehend leer, obwohl es keineswegs verlassen ist und sogar einen Eigentümer hat. An neuen Nutzungsideen mangelt es ebenfalls nicht. Der Inhaber des Unternehmens BCG Officeconsult, Torsten Ratke, hat das Gebäude 2015 gekauft und möchte es nun im Sinne seines historischen Wertes wieder nutzbar machen. Doch das ehrgeizige Konzept des Finsterwalder Unternehmers stößt beim Brandenburgischen Dezernat für Denkmalpflege auf Widerstand.

„Ich möchte den historischen, neoklassizistischen Zustand des Bahnhofes wieder herstellen, bewahren und überliefern, und zwar ohne seine nachträglichen Anbauten“, sagt Torsten Ratke. Eine Fotografie um 1900 soll beispielgebend für dieses Vorhaben sein. Zusammen mit dem Architekten Clemens Habermann hat der Bauherr ein Konzept zur Wiederherstellung der ursprünglichen Fassade und der zukünftigen Nutzung der Innenräume ausgearbeitet. „Damit wir eine Baugenehmigung bekommen und weil wir auch im Interesse der Geschichte handeln wollen, haben wir den Denkmalschutz in unser Vorhaben einbezogen“, sagt Torsten Ratke. Eine erste Begehung mit dem Denkmalschutz fand im April 2018 statt. Im Dezember folgte das schriftliche denkmalpflegerische Konzept durch das Architekturbüro.

„Die Südfassade (Schaufassade) soll wiederhergestellt und das spätere Portalgebäude zurückgebaut und werden“, heißt es in dem Konzept über die Bauherrenabsicht. Außerdem sollen die teilweise maroden Anbauten an Ost-, Nord- und Westfassaden ebenfalls entfernt werden. „Im Erdgeschoss sollen Räumlichkeiten zur Aus- und Weiterbildung von Bahnpersonal entstehen. Wir planen noch eine Pension, deren Ankunfts- und Frühstücksraum ebenfalls im Erdgeschoss liegen sollen“, sagt Torsten Ratke. Die Zimmer der Pension und eine Privatwohnung sind für das Obergeschoss geplant. Die Türen sollen, sofern es räumlich möglich ist, erhalten werden. Zugemauerte Durchgänge sollen weiterhin als Wandnischen ablesbar bleiben.

Aus den Protokollen der Begehung vom 18. April 2018 ist ersichtlich, dass der Denkmalschutz dem größten Teil der Veränderungswünsche des Bauherren zustimmt. Ein Problem sieht die Behörde aber beim Abriss des Eingangsgebäudes. Im Protokoll wird vermerkt, dass ein Rückbau des Portals nicht möglich sei, da „der Informationsgehalt des Denkmals dadurch verfälscht wird.“

 Auch zu diesem Anbau gibt es unterschiedliche Ansichten.
Auch zu diesem Anbau gibt es unterschiedliche Ansichten. FOTO: LR / Daniel Roßbach

Diesen Einwand kann Torsten Ratke nicht verstehen. „Ich möchte die historische Ausgangssituation des Originalgebäudes wiederherstellen. Darin liegt für mich der eigentliche Denkmalwert“, sagt er. In einer Mail vom 25. Februar 2019 machte der Bauherr seinen Standpunkt gegenüber dem Landeskonservator, Thomas Drachenberg, deutlich.

Dieser argumentiert jedoch mit der denkmalpflegerischen Ansicht der Zeitscheibe, die erhalten bleiben müsse. „Ziel ist es, die als wertvoll erkannte Denkmalsubstanz in seinen qualitätvollen Zeitschichten zu erhalten“, heißt es im Schriftverkehr. Das Eingangsportal ist in den 30er-Jahren angebaut worden und dokumentiere demnach diesen Zeitabschnitt.

Der Theorie der Zeitscheibe liegt die Denkmalschutzcharta von Venedig zugrunde. „Dieser Text basiert auf keiner rechtlichen Grundlage, sondern nur auf einer subjektiven Meinung von Denkmalschützern“, sagt Torsten Ratke. Welchen historischen Wert das Eingangsportal für das Denkmal habe, ist ihm nicht klar, zumal der Anbau nicht zum Originalgebäude gehört. Darum gehe es aber auch nicht, sagt das Dezernat für praktische Denkmalpflege. „Die Aufgabe des Denkmalschutzes besteht nicht darin, ein Ursprungswerk zu schützen, sondern das aktuell bestehende Gebäude mit all seinen im Laufe der Zeit zugefügten Anbauten zu erhalten“, so Dezernatsleiter Georg Frank. Es gäbe zudem keinen Grund, vorhandene Bausubstanz abzureißen, wenn sie nicht einsturzgefährdet sei oder mit dem Abriss etwas freigelegt würde. Generell dürfe man Gebäude verändern, aber die Geschichte dürfe man nicht wegrekonstruieren. Demnach müsse man Bewertungen vornehmen, wie wichtig dieses oder jenes Bauteil für die Gesamtwirkung des Denkmals ist. Diese seien jedoch, laut Denkmalschutz, nicht subjektiv.

Torsten Ratke sieht das anders und möchte von seinem Vorhaben auch nicht abweichen. Wie es weitergeht kann der Unternehmer bisher noch nicht einschätzen. „Der Stärkere wird gewinnen“, sagt der ehrgeizige Bauherr.