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Die Deutsche Bahn in Finsterwalde
Brückenbau mit Glockengeläut

Die Ruhe vor dem Sturm: Bauleiter Dieter Müller (r.) von der Firma H. Klostermann und Uwe Wehlan von der Sicherungsaufsicht der Bahn auf der Bahnbrücke, die in den nächsten Monaten einer Rosskur unterzogen wird.
Die Ruhe vor dem Sturm: Bauleiter Dieter Müller (r.) von der Firma H. Klostermann und Uwe Wehlan von der Sicherungsaufsicht der Bahn auf der Bahnbrücke, die in den nächsten Monaten einer Rosskur unterzogen wird. FOTO: Gabi Böttcher / LR
Finsterwalde. Die mehr als 100 Jahre alte Bahnbrücke über die Sonnewalder Straße in Finsterwalde wird erneuert. Die erste Sperrpause für den Zugverkehr gibt es vom 16. bis 19. Februar. Schienenersatzverkehr ist eingerichtet. Von Gabi Böttcher

Das wird ein Kraftakt. Für Bauleute ebenso wie für Verkehrsteilnehmer auf der Straße und Bahnreisende. Die 1910 errichtete Bahnbrücke über die Sonnewalder Straße soll zukunftsfit gemacht werden. Das geht nicht sang- und klanglos mittels Zauberstab. Wie es genau geschehen soll, erfuhren interessierte Finsterwalder bei einer Informationsveranstaltung der Deutschen Bahn am Donnerstagabend in der Aula der Oscar-Kjellberg-Oberschule. Groß war die Resonanz. Beifall gab es am Ende für detaillierte Auskünfte, für die ein ganzer Stab von Fachleuten vom Projektleiter bis zum Planer und dem Chef der Arge der Baufirmen angereist war. Eine Frage konnte an diesem Abend allerdings nicht beantwortet werden: Warum Züge nicht einfach zwischen Bahnhof Finsterwalde und Cottbus pendeln könnten. Die Baustelle liege ja schließlich auf der anderen Seite des Bahnhofes. Antwort wird nachgereicht, versprach Jan-Peter Haack von der Baukommunikation der DB Netz AG.

Im Mittelpunkt des Abends stand das Bauprojekt. Die Perspektive vorweg: Für den 13. August ist die reguläre Wiederaufnahme des Bahnbetriebes geplant.

4,5 Millionen Euro fließen in das Projekt, 3,5 Millionen davon sind Baukosten. Die erste große Belastungsprobe für Bauleute, Anlieger und Verkehrsteilnehmer steht vom 16. Februar, 5 Uhr, bis 19. Februar, 22 Uhr, ins Haus. Ob es in dieser Zeit eine Straßensperrung gibt, wird in Abhängigkeit von den Abrissarbeiten am ehemaligen Haus der Freundschaft noch entschieden. Auf jeden Fall erfolgt an diesen vier Februar-Tagen die erste von insgesamt drei Sperrpausen für den Bahnverkehr. Im Mai und August sind noch einmal jeweils vier bahnverkehrsfreie Tage notwendig, um das Brückenbauwerk in konzertierter Aktion fertigzustellen. Wie Jan-Peter Haack betonte, werde in dieser Zeit der Schienenersatzverkehr per Bus gesichert. Außerhalb dieser drei Sperrpausen erfolge der Bahnverkehr eingleisig weiter. Informationen zum sogenannten Gelegenheitsfahrplan gebe es via Internet unter bauinfos.deutschebahn.com.

Seit Tagen laufen bereits die Vorarbeiten auf der Baustelle. Die Baustelleinrichtung wird komplettiert. Zufahrtsrampen sind zu bauen, um auf den Damm zu kommen, Kabel sind freizulegen und vereinzelt noch Baumbewuchs zu beseitigen.

Anstelle von bisher drei Trogbrücken werden zwei neue montiert. Sie sind im Unterschied zur bisherigen alten Konstruktion (mit Stahlträgern) aus 100 Millimeter starkem Dickblech gefertigt und werden auf Bohrpfähle aufgelagert.

Gerd Richter von der Regie führenden Baufirma H. Klostermann will den Anwohnern überzogene Ängste vor anstehenden Lärmbelastungen nehmen. Nachtarbeiten würden auf die Totalsperrung eingeschränkt bleiben. Ansonsten: „Wir arbeiten bis 19 Uhr, eventuell auch mal bis 21 Uhr, länger gibt es keinen Lärm“, versichert Richter. Da die Brücke fast nur aus Bohrpfählen bestehe, würden Geräusche vor allem zu hören sein, „wenn die Bohrschnecke ausfährt“, das höre sich an wie Kirchenglockenläuten.

Hans-Georg Kügler, Arbeitsgebietsleiter Konstruktiver Ingenieurbau bei der DB Netz AG, versicherte, dass es während der gesamten Bauphase Lärmmessungen geben werde. Auf der Baustelle gebe es einen Lärmbeauftragten. Käme es zu Abweichungen zu den Lärmprognosen und Überschreitungen zulässiger Werte, werde reagiert. Besonders Betroffene, die vorab ermittelt wurden, sollen über aktuelle Entwicklungen gesondert informiert werden. Auf Wunsch würden Hotelübernachtungen ermöglicht.

Auf eine Frage zur Lärmbelastung und zu den Erschütterungen durch den künftigen Güterverkehr, gab Planer Ingo Neumann Argumente für Zuversicht. Von einer dröhnarmen Ausführung und einem geringeren Schallabtrag als bei der alten Brücke war die Rede. Eine Unterschottermatte werde dazu beitragen. Insgesamt sei von einer wesentlich günstigeren Konstellation hinsichtlich entstehenden Lärms und Erschütterungen auszugehen.

Gerd Richter zum Bauverlauf: Wenn die Widerlager fertig seien, werde der Überbau aus Dessau angefahren und eingehoben. „Jeder, den das interessiert, kann gern zuschauen“, lädt der Bau-Profi zum Erlebnis Brückenbaustelle ein. Wenn das Gleis 2 wieder in Betrieb geht, werde Gleis 1 außer Betrieb genommen und zurückgebaut. Im Mai sollen alle drei alten Brücken-Überbauten  heruntergenommen sein. Während der zweiten Sperrpause vom 18. bis 24. Mai soll der neue Brückenüberbau im Gleis 2 erfolgen. Eine Straßensperrung sei angedacht. „Wir überlegen noch, ob wir Fußgänger durchlassen können. Da befinden wir uns noch in der Sicherheitsabwägung und werden in den nächsten fünf Wochen eine Entscheidung treffen“, so Gerd Richter. In der Sperrphase 10. bis 13. August soll der neue Brückenüberbau im Gleis 1 realisiert werden. Danach hieße  es noch, „alles hübsch zu machen, das Gelände zu regulieren“ und im „September/Oktober  von der Baustelle zu verschwinden“.

Die Verwendung des besagten 100 Millimeter-Dickbleches für die neuen Trogbrücken bringt den Effekt, dass sich die lichte Durchfahrtshöhe von jetzt 4,13 Meter auf 4,25 Meter erhöht. Fred Schneider, Projektleiter  der DB Netz AG für die Brücke über die Sonnewalder Straße, erwartet durch künftig zwei, statt heute drei Fahrspuren unter der Brücke eine „bessere Fahrdynamik“. Und das auch im Zusammenhang mit der Umwidmung der B 96, die mit Fertigstellung ihres umverlegten Abschnittes den Schwerlastverkehr nicht mehr unter der Brücke hindurch erleben soll.

Arbeiten am Bauwerk auf einen Blick: Kampfmittelsondierungen, Oberleitungsanpassungen, Gleisbauarbeiten, Verbauarbeiten, Bohrpfahlgründungen, Rückbau von drei Brückenüberbauten, Einhub von zwei Eisenbahnstahltrogbrücken.

Der Baulärmverantwortliche der DB Netz ist unter der Telefonnummer 0175 4165063 zu erreichen.

Großes Interesse zeigten die Finsterwalder Donnerstagabend für die bevorstehende Sanierung  der Eisenbahnbrücke über die Sonnewalder Straße.
Großes Interesse zeigten die Finsterwalder Donnerstagabend für die bevorstehende Sanierung der Eisenbahnbrücke über die Sonnewalder Straße. FOTO: Gabi Böttcher / LR