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| 18:38 Uhr

Bahnstrecke Berlin-Dresden
Sorge vor hohen Folgekosten

Ein bislang ungewohnter Ausblick in Rückersdorf: Bernd Schippan, Teilprojektleiter Tiefbau der Strabag, steht auf der neuen Bahnbrücke Rückersdorf-Nord.
Ein bislang ungewohnter Ausblick in Rückersdorf: Bernd Schippan, Teilprojektleiter Tiefbau der Strabag, steht auf der neuen Bahnbrücke Rückersdorf-Nord. FOTO: Daniel Friedrich / LR
Rückersdorf. Ein weiteres Millionenbauwerk ist fertig: die nördliche Bahnüberführung in Rückersdorf. Von Daniel Friedrich

Für Bernd Schippan gibt es in diesen Tagen jede Menge Grund zur Freude. Der Mittfünfziger ist als Teilprojektleiter Tiefbau der Strabag zuständig für acht Über- und eine Unterführung entlang der Ausbaustrecke der Bahn zwischen Baruth und Hohenleipisch (Dresdener Bahn). Seit Mai 2016 ist er an den Gleisen im Einsatz, war in die Vorbereitung und die Realisierung involviert. Nun übergibt er ein Bauwerk nach dem anderen. „Die Brücken sind allesamt sehr anspruchsvolle und komplexe Bauwerke, was vor allem an der vergleichsweise kurzen Bauzeit liegt“, sagt Schippan. Denn ein Datum schwebte immer über allen Bauprojekten: der 10. Dezember 2017. Es ist der letzte Tag der engen baulichen Zeitkette, der Tag des Fahrplanwechsels, an dem alles fertig sein muss.

Erst im Mai dieses Jahres wurde in Rückersdorf mit der Gründung der Brücke begonnen. Stets beobachteten die Einwohner der knapp 1500-Seelen-Gemeinde die Baufortschritte. „Bauleiter Nummer 2“ scherzten die Arbeiter über so manchen Rückersdorfer, der sich täglich vor Ort ein Bild der aktuellen Lage machte. Ziemlich beeindruckt von der Technik zeigen sich auch Jürgen Nollendorf und Klaus Keilwagen, die bei der Brückenfreigabe am Freitag dabei waren. „Wie spät die erst mit dem eigentlichen Brückenbau angefangen haben“, wundern sich die beiden noch heute. „Kaum zu glauben, dass dennoch fast alles pünktlich fertig wurde“, sagt Klaus Keilwagen und deutet auf die beiden Treppenarme, die auf die fast sechs Meter hohe Brücke führen. Sie befinden sich noch mitten in der Bauphase und sollen bis Anfang Dezember freigegeben werden.

Im Minutentakt karrten LKW im Sommer Sand und Beton an die Großbaustelle. Trotzdem habe es wenig Lärm und Dreck gegeben, resümieren die beiden Rückersdorfer. Gar nicht so traurig seien sie, dass ihre Dorfstraße mit dem nunmehr überflüssigen Bahnübergang ab morgen zur Sackgasse wird. „Dann haben wir noch mehr Ruhe“, scherzt Jürgen Nollendorf.

Dennoch: Die beiden treibt, wie auch viele andere Rückersdorfer, die Frage nach den Folgekosten der Brücke um. Allein die Baukosten lagen bei 4,3 Millionen Euro, aufgeteilt unter Deutscher Bahn, Bund und der Gemeinde, deren Betrag zu 90 Prozent vom Land Brandenburg finanziert wurde. Doch die Brücke müsse in Schuss gehalten, womöglich beleuchtet und irgendwann mal repariert werden. „Darauf bleibt am Ende die Gemeinde sitzen, der die Straße gehört, die aber nichts von der neuen Brücke hat“, kritisiert der Rückersdorfer Wilfried Büchner. Aus seiner Sicht sind es schließlich die Bewohner der an der Strecke liegenden Dörfer, die für die Folgekosten des „transeuropäischen Eisenbahnkorridors von überrregionaler Bedeutung“ aufkommen, zu dem die Ausbaustrecke Berlin-Dresden offiziel zählt.

Ums Geld muss sich demnächst auch noch einmal Bauleiter Bernd Schippan kümmern. Er ist abschließend für die Abrechnung der einzelnen Baumaßnahmen der Strabag zuständig. Die Fahrgäste in den Bahnen, die dereinst mit 200 km/h unter „seinen“ Brücken hindurchrollen können, bekommen davon nichts mehr mit.

Rückersdorfer beobachten die Eröffnung der neuen Brücke. Im Vordergrund befindet sich der alte Bahnübergang.
Rückersdorfer beobachten die Eröffnung der neuen Brücke. Im Vordergrund befindet sich der alte Bahnübergang. FOTO: Daniel Friedrich / LR