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| 16:33 Uhr

Bahn lässt Kind in Doberlug-Kirchhain stehen

RE Bahnhof Doberlug-Kirchhain
RE Bahnhof Doberlug-Kirchhain FOTO: Heike Lehmann (FIN)
Doberlug-Kirchhain. Horror-Ausflug für einen Finsterwalder Opa und seinen siebenjährigen Enkel: In Doberlug-Kirchhain schließen sich plötzlich die Zugtüren und das Kind bleibt alleine auf dem Bahnsteig stehen. Der Zugbegleiter erkannte das Problem aber nicht und wurde inzwischen suspendiert. Von Heike Lehmann


Der Schreck ist Opa und Enkel auf der letzten Etappe ihres gemeinsamen Ausfluges mit den Fahrrädern in die Glieder gefahren. Der 70-jährige Mann und sein siebenjähriger Enkel reisen vor wenigen Tagen von Wismar nach Finsterwalde. Sie wollen nach Hause. Ihr Zug, der RE 18313 der Deutschen Bahn (DB), hält am Bahnhof Doberlug-Kirchhain. Der Junge steigt zuerst mit seinem Rad aus. Dann schließen sich plötzlich die Türen. Der Siebenjährige steht in strömendem Regen auf dem Bahnsteig und der 70-Jährige mit Rad noch im fahrenden Zug. Beide sind ratlos und voller Sorge.

Der Finsterwalder sucht sofort nach dem Zugbegleiter, offiziell inzwischen "Kundenbetreuer im Nahverkehr". Schulterzuckend gibt der dem besorgten Fahrgast zu verstehen, dass er nichts machen könne, aber in Rückersdorf der nächste Halt sei für eine Rückfahrt. Auf dem Doberlug-Kirchhainer Bahnsteig behütet indes ein Reisender aus Finsterwalde das Kind, bis dessen Opa eintrifft. Der Mann hatte die Szenerie mitbekommen.

Burkhard Ahlert, Pressesprecher der Deutschen Bahn, teilt auf Nachfrage der RUNDSCHAU mit, dass der Kundenbetreuer am Montag für sein Fehlverhalten abgemahnt und "mit sofortiger Wirkung als Kundenbetreuer suspendiert" wurde. "Die DB und auch der Kundenbetreuer bedauern, dass es zu dem Vorfall gekommen ist", erklärt Ahlert. "Nachdem der Fahrgast, nach Abfahrt des Zuges, den Kundenbetreuer aufsuchte, schätzte dieser die Situation nicht richtig ein. Selbstverständlich soll in so einem Fall der Kundenbetreuer alles Mögliche versuchen, dass das Kind so schnell wie möglich in Obhut genommen wird, zum Beispiel durch Anruf bei der Transportleitung", so Ahlert. Der Kundenbetreuer hatte den Vorfall auch im Nachhinein nicht gemeldet.

Die Deutsche Bahn bietet dem Fahrgast eine Entschädigung an. Der aber ist zufrieden, dass alles so glimpflich ausgegangen ist. Er ist von Rückersdorf nach Doberlug-Kirchhain zurückgeradelt und war erleichtert, dass der Junge den Schreck verdaut hatte und "fröhlich pfeifend nach Hause radelte".