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Bäume in der Landwirtschaft?

Wie hier auf einem Versuchsfeld bei Neu Sacro in der Nähe von Forst kann ein Agroforst-System aussehen.
Wie hier auf einem Versuchsfeld bei Neu Sacro in der Nähe von Forst kann ein Agroforst-System aussehen. FOTO: Dr. Christian Böhm
Massen. Bäume auf landwirtschaftlich genutzten Flächen? Was zunächst als unvereinbar erscheint, erweist sich bei genauer Betrachtung als durchaus vielversprechend. Das Amt Kleine Elster mischt als Praxispartner in einem Forschungsprojekt namens "Aufwerten" mit. Gabi Böttcher

Agroforstwirtschaft heißt das Feld, das seit November vorigen Jahres von der Innovationsgruppe "Aufwerten" unter Federführung von Dr. Christian Böhm von der BTU Cottbus-Senftenberg beackert wird. Gottfried Richter, Amtsdirektor im Amt Kleine Elster, der seit Jahren auf neuen Wegen umweltfreundlicher Energiegewinnung unterwegs ist, sieht in der Agroforstwirtschaft wirtschaftliches und ökologisches Potenzial. Deshalb sieht er das Amt Kleine Elster als Partner der Innovationsgruppe goldrichtig. Am Ende des gemeinsamen Weges bis zum Jahr 2019 sieht Gottfried Richter ein Konzept, das interessierten Akteuren deutschlandweit Wege aufzeigt, wie Agroforstwirtschaft praktisch und erfolgreich betrieben werden kann. Mit der BTU Cottbus-Senftenberg, der Technischen Universität München, dem Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim, dem Verein Biomasse-Schraden und dem Landwirtschaftsbetrieb Domin aus Peickwitz soll es erarbeitet werden.

Eigens für die Betreuung des Konzeptes ist die auf dem Gebiet von Landnutzung und Wasserwirtschaft studierte BTU-Absolventin Carmen Schulze (26) aus Zeckerin in der Amtsverwaltung tätig. Sie analysierte zunächst, wie es mit Bäumen und Sträuchern im Modellgebiet bis ins 18. Jahrhundert zurück aussah. Gravierende Eingriffe gingen mit der Intensivierung der Landwirtschaft nach 1952 einher. Hecken- und Feldgehölze fielen der Vergrößerung der Ackerschläge zum Opfer. Dabei sehen Verfechter der Agroforstwirtschaft eine Vielzahl von Vorteilen. Der Schutz vor Bodenabtrag durch Wind und Wasser und ein geringerer Verbrauch von Pflanzenschutz- und Düngemitteln gehören dazu. Für das Amt Kleine Elster mit seinem Holzhackschnitzelheizwerk eröffnet sich zudem die wirtschaftliche Nutzung des nachwachsenden Rohstoffes. Doch auf dem Wege dorthin gilt es zunächst, weitere Partner in der Region zu finden, vor allem Landeigentümer und -bewirtschafter von den Chancen der Agroforstwirtschaft zu überzeugen. Dazu gibt es jetzt zwei Informationsveranstaltungen.

Dass im Übrigen nicht nur die Innovationsgruppe "Aufwerten" vom Potenzial überzeugt der, das auf ihrem Forschungsfeld der Agroforstwirtschaft bisher noch brachliegt, beweist die Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Mit 3,3 Millionen Euro ermöglicht es die Arbeit am Projekt.

Zum Thema:
Als Agroforst bezeichnet man ein Landbausystem, bei dem Ackerkulturen oder Grünland zusammen mit Bäumen und Sträuchern auf einer Bewirtschaftungsfläche angebaut und genutzt werden. Da Alter, Verteilung und Anordnung der Gehölze variieren können, gibt es vielfältige Ausprägungsformen. Typisch für alle Arten der Agroforstwirtschaft sind bewusst genutzte Wechselwirkungen zwischen Gehölz- und Ackerkulturen.Das Modellgebiet der Innovationsgruppe in Sachen Agroforst umfasst das Amt Kleine Elster mit vier amtsgebundenen Gemeinden sowie Sonnewalde und Finsterwalde.Die bis 2019 laufende Projektarbeit stellt die neutrale, wissenschaftliche Untersuchung in den Vordergrund.Informationsveranstaltungen: Donnerstag, 15. Oktober, 19 Uhr, im Bürgersaal des ESC in Massen, Finsterwalder Straße 21 und Mittwoch, 4. November, 19 Uhr, in der Aula der Grundschule Sonnewalde.

Freuen sich über die Teilnahme des Amtes am Agroforst-Projekt: Amtsdirektor Gottfried Richter und Koordinatorin Carmen Schulze.
Freuen sich über die Teilnahme des Amtes am Agroforst-Projekt: Amtsdirektor Gottfried Richter und Koordinatorin Carmen Schulze. FOTO: gb