Der Grund: Die Deutsche Bahn AG rückt die Immobilie nicht mehr heraus, will sie vielmehr mit weiteren Bahn-Gebäuden in einem Pool der Vermarktung zuführen.
Die Kurstadt hatte indes im vorigen Jahr bereits Nägel mit Köpfen machen wollen. Die Berliner Agentur BahnStadt, ein Verkehrs- und Stadtplanungsbüro, hatte den Auftrag erhalten, für 25 000 Euro Lärmgutachten anzufertigen bzw. zu überprüfen, Verkehrsraumbilanzen zu erstellen sowie Bewertungen der Kaufkraft vorzunehmen. Von der Summe sollten 15 000 Euro für eine Machbarkeitsstudie für das Bahnhofsgebäude vorgehalten werden. Dass die BahnStadt-Leute davon etwas verstehen, verdeutlicht der unlängst eingeweihte umgestaltete Lübbenauer Bahnhof "Spreewelten" mit Restaurant, Pension und Servicebereichen, an dessen Realisierung die Agentur beteiligt war. (Mehr Infos unter www.spreewelten.de.)
Das Bad Liebenwerdaer Stadtparlament musste sich indes vor dem Jahresende von einer solchen Zukunftsvision verabschieden. Obwohl sich die Kurstadt-Verwaltung bemüht hatte, dieses Bahnhofsgebäude aus dem besagten Verkaufspool herauszulösen. Die Deutsche Bahn Station & Service AG, Regionalbereich Ost, mit Sitz in Berlin hatte dem Bürgermeister mitgeteilt, dass man keine Notwendigkeit sehe, in das laufende Verfahren einzugreifen. Daher schließe man separate Verhandlungen aus. Mit Jahresbeginn soll der neue Ansprechpartner in Sachen Vermarktung der DB-Immobilien feststehen, kündigte das Unternehmen in einem Schreiben an.
Nun hat der Kurstadt-Kämmerer 25 000 Euro mehr in der Kasse zur Verfügung, da man mit der Agentur BahnStadt einvernehmlich den Vertrag aufheben konnte.
Die RUNDSCHAU fragte bei der Deutschen Bahn AG nach dem aktuellen Stand der Dinge: „Der Bahnhof in Bad Liebenwerda ist in einem Paket von Bahnhofs-Gebäuden, für die im Moment ein Investoren-Auswahlverfahren läuft. Da wir kein Immobilien-Unternehmen sind, ist es unsere grundsätzliche Strategie, diese Bahnhöfe zu verkaufen“ , bestätigte Bahn-Sprecher Michael Baufeld. „Vor etwa drei bis vier Jahren wollte die Stadt Bad Liebenwerda das Angebot, den Bahnhof zu erwerben, nicht annehmen.“ In dieser Zeit seien rund 500 andere Bahn-Immobilien an die First Rail Estate Betriebs- und Verwaltungsgesellschaft mbH gegangen, die jedoch Insolvenz anmelden musste. Danach wurde ein englischer Investor Eigentümer der Gebäude, zu denen jedoch nicht der Kurstadt-Bahnhof gehöre, so Baufeld. Das Haus in Bad Liebenwerda sei derzeit Eigentum der DB Station & Service AG, die wiederum die DB Immobilien mit dem Verkauf beauftragt habe.
„Im April 2005 gab es seitens der Stadtverwaltung die verbindliche Aussage: Wir wollen den Bahnhof nicht“ , so die Recherche des Bahn-Sprechers, der ferner darauf verwies, dass man es „vergessen“ habe, bei der Vorbereitung eines Tages der offenen Tür im Rahmen der Betreiberfindung für das Gebäude mit der Deutschen Bahn AG zu reden.
Baufeld rechnet damit, dass die Investorensuche für die Bahn-Immobilien bis Mitte dieses Jahres laufen werde. Sollte ein solcher gefunden werden, könne die Stadt Bad Liebenwerda mit diesem selbst über den Bahnhof verhandeln. Falls man niemanden für die Bahn-Häuser erwärmen kann, müsse man weiter sehen, wie damit verfahren wird.
Auf jeden Fall, so betonte Michael Baufeld, habe die Stadt im Rahmen ihrer Planungshoheit ein Mitspracherecht hinsichtlich einer künftigen Nutzung des Bahnhofs.