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B 96-Verlegung: Horror für Fröschkes

Direkt am Bürogebäude der Fröschke FILA GmbH führt die neue Trasse der B 96 vorbei. Geschäftsführerin Kathleen Fröschke ließ nun Rissmonitore installieren. Für in Anspruch genommenen Grund der Firma gab es noch keinen Cent.
Direkt am Bürogebäude der Fröschke FILA GmbH führt die neue Trasse der B 96 vorbei. Geschäftsführerin Kathleen Fröschke ließ nun Rissmonitore installieren. Für in Anspruch genommenen Grund der Firma gab es noch keinen Cent. FOTO: Gabi Böttcher
Finsterwalde. Die voranschreitenden Bauarbeiten zur Umverlegung der B 96 in Finsterwalde werden vielfach mit Freude auf die Fertigstellung begleitet. Doch eine Anliegerin lassen sie schier verzweifeln und gar an der Rechtstaatlichkeit der Bundesrepublik zweifeln. Gabi Böttcher

Die Geschäftsführerin der Fröschke FILA GmbH, Kathleen Fröschke, hat für das Bauvorhaben 8000 Quadratmeter, die Hälfte des Firmengrundstückes, abgeben müssen. "Ich war zu jeder Zeit für die Straße. Unsere Mitarbeiter kommen aus Finsterwalde. Ja, die Stadt muss eine Verkehrsentlastung haben. Und weil ich keinen Streit wollte, habe ich einem Vergleich zugestimmt", sagt die Unternehmerin. Der Vergleich wurde beim Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung geschlossen. Das war im Herbst 2014. Drei Jahre später sieht sie ihre Bereitschaft zum Vergleich als Fehler an. Bis heute habe sie keinen Cent für das abgegebene Grundstück erhalten.

Aus dem Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung heißt es, dass das Unternehmen für "die Beeinträchtigung der gewerblichen Nutzung der Grundstücke in vereinbartem Umfang 2016 mit einer sechsstelligen Summe entschädigt" worden sei. Da kann Kathleen Fröschke nur mit dem Kopf schütteln. Einen Notartermin habe es im März dieses Jahres für ein Grundstück einer Privatperson gegeben. Geld sei aber auch hier noch nicht geflossen. Für in Anspruch genommenes Firmengelände habe sich bisher nichts bewegt. Lediglich für Gebäude des Unternehmens, die dem Straßenprojekt weichen mussten, habe es eine Entschädigung gegeben. Das jedoch auch erst zwei Jahre nach deren Abriss und wiederholten Anstrengungen ihrerseits.

Der Firma fehlt nunmehr der Zugang zum früheren Grundstück, über das die Wasserversorgung gesichert werden muss. Beim Ablesen der Wasseruhr im Dezember 2016 wurde ein enormer Wasserverbrauch festgestellt, der mit jedem Tag wuchs. Keiner habe sich darum gekümmert. Der örtliche Wasserversorger, die Stadtwerke, fordert nun Zahlung. Kathleen Fröschke, FILA-Geschäftsführerin seit 2005, sieht sich zum Nachweis gezwungen, dass das Leck in der Leitung, die unter der Straßenbaustelle hindurchführt, durch die Belastungen der Baumaschinen zustande gekommen ist. Und das, obwohl sie nicht mehr Eigentümerin des Grundstückes ist, auf dem die lecke Leitung verläuft. Die Stadtwerke haben die offenen Rechnungen nunmehr bis Juni gestundet. Doch das kann für Kathleen Fröschke nicht das letzte Wort sein. Dem Landesbetrieb hätten alle Pläne mit der Lage der Versorgungsleitungen auf dem übernommenen Grundstück vorgelegen. "Es hätte vor den Bauarbeiten eine Umverlegung der Leitungen geben müssen", ist sich Kathleen Fröschke sicher. Bestätigt fühlt sie sich durch diese Aussage des Ministeriums gegenüber der RUNDSCHAU: "Bei der Vorbereitungsplanung für die Durchführung der Bauarbeiten ist es üblich, sämtliche Leitungen der Elektrizitäts- , Wasser-, und Gasversorgung zu erfassen. Dies geschieht in Abstimmung mit den Versorgern bei Vor-Ort Terminen. Anschließend werden Schutzmaßnahmen während der Bauarbeiten festgelegt. Diese werden laufend überwacht." Da werde gesagt, wie es hätte sein müssen, sagt die Firmenchefin.

Im Gegensatz dazu habe sie auf ihre Kosten die Suche nach undichten Stellen in der Leitung auf dem ihr nicht mehr gehörenden Grundstück veranlasst und einen Schieber einbauen lassen. Ein Leck ist inzwischen gefunden worden, doch die Wasseruhr dreht sich weiter. Kathleen Fröschke geht davon aus, dass all das nicht mehr ihr Aufgabenbereich ist. Auf Firmenkosten hat sie am Freitag auch das Anbringen von Rissmonitoren an Firmengebäuden veranlasst. "Die Beweisaufnahme ist eigentlich Sache des Verursachers der Straßenbaumaßnahme", macht die Anliegerin der umverlegten B 96 auf einen weiteren Konfliktherd aufmerksam. Ganz zu schweigen von dem noch ungelösten Problem, das sich aus der beseitigten Hofentwässerung ergeben hat. Am Wochenende habe das Wasser knöchelhoch auf dem Firmen-Grundstück gestanden. "Das Wasser läuft auf unser Bürogebäude zu. Keiner hat mir gesagt, ob es neue Gruben geben wird."

Die taffe Unternehmerin ist zum weiteren Kampf um ihre Rechte entschlossen. Schließlich steht sie für den im September 1990 von Vater Siegfried Fröschke gegründeten Betrieb, der nunmehr 15 Mitarbeiter zählt. "Mein Tagesablauf besteht nur noch aus Straße", ist Kathleen Fröschke gestresst und enttäuscht zugleich. Von einem nicht gewährten Schallschutz, den Gewerbe laut Landesbetrieb Straßenwesen nicht benötige, will sie da gar nicht mehr reden. Kathleen Fröschke ist bitter enttäuscht. Sie scheint im Moment die große Verliererin einer umverlegten Bundesstraße zu sein, die vermutlich bald von vielen gefeiert werden wird.

Das Enttäuschendste für sie ist: Sie hat mit dem Ministerium für Infrastruktur Brandenburg einen Vertrag geschlossen. Wie dieser umgesetzt wird, zerstört ihr Vertrauen in die handelnden Personen im Land.