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| 01:06 Uhr

Aus der Region 50 Mediziner in der Region gründen Ärztenetz

Elsterwerda.. Sie wollen nicht irgendwann von den Veränderungen auf dem Gesundheitssektor überrollt werden, sondern die Reform an der Basis mitgestalten und eigene Lösungen anbieten. Deshalb haben sich 50 Ärzte aus dem Elbe-Elster-Kreis, Schwarzheide und Ruhland noch im vergangenen Jahr zur „Ärztenetz Südbrandenburg GbR“ zusammengeschlossen. Wenige Wochen später sollen es gar 70 bis 80 Ärzte sein, die sich dem Verbund angeschlossen haben. Von Annette Siemer

Deutschland ist auf der Suche nach neuen Strukturen im Gesundheitssystem, das aus der Sicht von Dr. Andreas Hagenow an einem Grundübel krankt: Es ist ein straff selektiertes System, das in einzelne Sektoren aufgesplittet ist. Die niedergelassenen Ärzte, die Kliniken, die Apotheken. Zwischen ihnen gibt es so gut wie keine Wechselwirkung und sie werden parallel verwaltet.

Die Ärzte aus dem Elbe-Elster-Kreis, Ruhland und Schwarzheide haben sich zum Ziel gesetzt, die Versorgungsqualität ihrer Patienten zu verbessern. Denn sie spüren es am eigenen Leib, woran es in der Region mangelt: die Versorgung, insbesondere im Bereich der Fachärzte, ist ein wachsendes Problem. Ein eindrucksvolles Beispiel ist die augenärztliche Versorgung. Sie ist seit Jahren praktisch zusammengebrochen. Die Ärztin, die jetzt in Bad Liebenwerda eine Praxis eröffnet hat, wurde bereits bei der Terminvergabe förmlich überrannt.
Die erste gemeinsame Aufgabe, die das Ärztenetz angehen will, ist die Erstellung eines Qualitätssicherungskonzeptes und damit verbunden die Optimierung der ambulanten Versorgung. Dies soll auf der Basis von Leitlinien erfolgen, für die es einen medizinisch-wissenschaftlichen Konsens gibt. Die Qualitätskriterien sollen erst einmal für Diabetes, die Tumorfrüherkennung und Herzkranzgefäß-Erkrankungen formuliert werden. Das sind die so genannten Volkskrankheiten, die sowohl für die Patienten als auch für das Gesundheitssystem als Ganzes die größte Belastung darstellen, erklärt Hagenow. Das Qualitätssicherungskonzept beinhaltet auch die Diskussion darüber, wie man mit den vorhandenen Ressourcen umgeht und die ärztliche Betreuung organisiert - insbesondere vor dem Hintergrund fehlender Fachärzte. Und daran wird sich in absehbarer Zeit auch nichts &a uml;ndern. Wartezeiten von zwei bis drei Monaten in der kardiologischen Praxis von Dr. Hagenow in Elsterwerda sind die Regel, wobei Patienten in anderen Regionen Brandenburgs sogar bis zu einem halben Jahr warten müssen.
Ein weiteres Problem stellt sich, wenn der Patient die verschiedenen Sektoren überschreitet und der Informationsfluss zwischen den einzelnen Bereichen nicht durchlässig ist. Die Befundübermittlung zwischen Haus- und Facharzt, mehr aber noch zwischen ambulantem Bereich und Krankenhaus, gestalte sich oftmals schwierig. Hinzu kämen die Doppeluntersuchungen, so der Kardiologe.

Gemeinsame Computer-Plattform
Mehr Transparenz soll eine gemeinsame Computer-Plattform bringen, auf die jeder dem Netz angehörende Arzt zugreifen kann. So könne vermieden werden, dass der Patient zum Facharzt kommt und die nötigen Vorbefunde fehlen, oder andersherum die Befunde dem Hausarzt für die Weiterbehandlung nicht vorliegen. Für die Patienten soll es eine Homepage mit gesundheitsrelevanten Informationen geben. Sie soll bis Ende des ersten Quartals geschaltet sein.
Die Ärzte wollen als nächstes fachspezifische Arbeitsgruppen bilden, beispielsweise für Diabetes oder ambulantes Operieren. Anhand vorliegender Daten und Befunde sollen Kriterien festgelegt werden, anhand derer die Schwerpunktpatienten herauskristallisiert werden können. Sie sollen bei der Terminvergabe Vorrang vor weniger schweren Fällen haben. Den Anfang machen Dr. Hagenow und Dr. Laborge im Bereich der Kardiologie mit den choronaren Herzerkrankungen.

Kontakt zu Krankenhäusern suchen
Im Januar, Februar, will das Ärztenetz auch Gespräche mit den Krankenhäusern aufnehmen. „Sie sollen nicht ins Netz integriert werden, aber wir wollen die Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Behandlung verbessern“ , erklärt Hagenow, der in der Optimierung des Dialogs noch große Ressourcen sieht.
Geht es im jetzigen Stadium darum, optimale Versorgungs- und Arbeitsbedingungen innerhalb des bestehenden Systems zu schaffen, soll sich der Zusammenschluss in einem nächsten Schritt auch ökonomisch auswirken. „Aufgrund des transparenten Qualitätsmanagements werden wir in der Lage sein, mit den großen Versicherern Vertragsstrukturen auszuhandeln“ , sagt Hagenow.

Daran knüpft der Mediziner auch die Hoffnung, dass die Mittel irgendwann bedarfsgerecht eingesetzt werden und es somit für bestimmte Bereiche mehr Geld gibt und auch der regionale Bedarf berücksichtigt wird, was bislang nicht der Fall ist. Der ist in einem strukturschwachen Flächenland, in dem mehr ältere Menschen wohnen, die zudem noch kränker sind, ein anderer, als in einem Ballungsgebiet.